Verlässlicher Partner

Porträt

STW – Bei Sensoren und Steuerungen für mobile Maschinen macht Sensor-Technik Wiedemann (STW) niemand so leicht etwas vor. Das ist der Stand nach 30 Jahren und soll auch so bleiben, dafür sorgt ein starkes Führungsteam mit frischen Kräften.

17. Juni 2015

Sonja Wiedemann hat die Zeit intensiv miterlebt, als sich ihre Eltern Wolfgang und Katharina Wiedemann dazu entschlossen, zum 1. Juli 1985 die eigene Firma Sensor-Technik Wiedemann (STW) zu gründen. »Meine Schwester und ich fanden es schon ungewöhnlich, dass der Vater auf einmal den ganzen Tag im Wohnzimmer saß. Aus heutiger Sicht ist das völlig verständlich, die Gründungsphase samt Vorbereitung verlief auch bei uns ganz klassisch wie bei vielen anderen Unternehmen.«

Der Einfluss der eigenen Firma ist immer zu spüren. »Eine wirkliche Trennung von Firma und Familie gab es nie, aber das ist bei Familienunternehmen wohl normal, die Erfahrungen aus dem Berufsalltag waren auch abends ein Gesprächsthema. Ich war immer mittendrin, und in dieser Umgebung bin ich aufgewachsen«, sagt Sonja Wiedemann. Sie hat sich schon als Schülerin für alles rund um das Unternehmen STW interessiert, welche Produkte es herstellt und vertreibt und aus welchen Bauteilen diese bestehen. »Mit 14 habe ich in den Ferien dann erstmals im Betrieb gearbeitet und Bauteile für die Produktion vorbereitet.«

Seit 2013 ist sie selbst in die Geschäftsführung von STW eingestiegen, mit Dr. Michael Schmitt als Partner an ihrer Seite.

Bestimmende Faktoren

Kompetenz, Know-how und die notwenige Portion Mut sieht sie zurückblickend als Anstoß für die Firmengründung. »Produkte waren nicht so entscheidend, sondern die innere Einstellung und das Bekenntnis dazu, den Schritt ins Unternehmertum zu wagen. Und die hatten meine Eltern beide. Was wir können und was uns zusammenhält sind die Bereitschaft und Fähigkeit, Technologie im Bereich der Elektronik zu entwickeln.«

Neben dem ersten eigenen Druckmessgerät Digisens-PT ist das Unternehmen schon früh in die Auftragsfertigung eingestiegen. »Der größte Kunde war Siemens«, erinnert sich Sonja Wiedemann. »Die Synergie von der Auftragsfertigung einerseits, die uns eine solide Grundlage verschafft, und unseren eigenen Produkten andererseits macht uns bis heute stark.«

Entscheidender Impuls

Der vielleicht alles entscheidende Impuls kam vom bekannten Landmaschinenhersteller Fendt im benachbarten Marktoberdorf. »Diese traten 1989 mit der Idee an uns heran, ein universelles Steuergerät für Schlepper mit CAN-Bus zu entwickeln, und wir haben die Herausforderung angenommen. Das war für STW der Durchbruch als Hersteller von elektronischen Steuergeräten und ein absoluter Meilenstein für das Unternehmen«, erzählt Michael Schmitt. Zu dieser Zeit waren mobile Steuerungen weitestgehend unbekannt, und die Automatisierungstechnik kam gerade auf.

Aus der guten partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit Fendt heraus ist STW sehr tief in die Welt der mobilen Arbeitsmaschinen hineingewachsen. »Wir konnten dort immer mehr Kompetenzen aufbauen und eine Vorreiterrolle einnehmen. Das Projekt mit Fendt wirkte also wie ein Technologietreiber und Beschleuniger.«

Die mobilen Steuerungen haben sich danach parallel und zusammen mit der Sensorik zu einem umfassenden Portfolio entwickelt. »Es hat sich eine Kompetenz rund um die mobile Arbeitsmaschine herausgebildet, die wir in vielen Facetten erweitern konnten. Und so sind denn diese der Fokus, der die Firma von Anfang an begleitet hat und durch die wir unsere Marke etablieren, uns einen Namen schaffen und einen weltweiten Ruf aufbauen konnten«, sagt Sonja Wiedemann. »Weil wir speziell für diesen Markt etwas entwickelt haben, was er dringend gebraucht hat.«

»In diesem Markt schauen wir uns sehr intensiv um und nehmen Veränderungen schnell und genau wahr«, ergänzt Michael Schmitt. »In Bezug auf Elektronik sei er derzeit geprägt von steigender Komplexität, die Themen Safety und Leistungselektrifizierung gewinnen an Bedeutung sowie die Telemetrie, also das Management von Fahrzeug- und Nutzdaten.«

Seit nunmehr 15 Jahren veranstaltet STW die Seminarreihe MobilTron. Sonja Wiedemann: »Sie soll den Know-how-Austausch fördern. Denn angesichts unserer hochkomplexen Lösungen nimmt Vernetzung in der heutigen Wirtschaftswelt an Bedeutung zu, und wir wollen mit Kunden, Zulieferern und Entwicklungspartnern noch enger zusammenarbeiten. Dieses gilt auch für Universitäten und wissenschaftliche Einrichtungen wie zum Beispiel das Fraunhofer-Institut.«

Optimale Systeme liefern

Nach 30 Jahren Firmengeschichte bezeichnet Michael Schmitt das Unternehmen STW als einen der führenden Partner in der Welt der mobilen Arbeitsmaschinen. »Unsere Strategie ist, die Themengebiete Automatisierung, Leistungselektrifizierung und Telemetrie mit einem in sich konsistenten Produktportfolio zu besetzen und als Systemanbieter aufzutreten.«

STW könne für viele Branchen die passende, individuelle und maßgeschneiderte Lösung liefern. »Hier dürfen wir aber nicht nur abwarten, sondern müssen unsere Kompetenzen aktiv zu den potenziellen Kunden bringen, zum Beispiel auf Messen mit einem speziellen Zuschnitt. Wir wollen unseren Außenauftritt schärfen, um die beiden Felder mobile Maschinen und Industrie deutlich zu trennen.«

Die neuen Geschäftsführer setzen keine anderen Schwerpunkte als das die Gründer tun. »Letzten Endes ist es der Markt, der sagt, was erforderlich ist«, weiß Michael Schmitt. »Wir wollen das Unternehmen mit aktuellen Themen besetzen.« Zum Beispiel werde die Entwicklung in Zukunft immer mehr in Richtung Software gehen. »Wir haben zum einen sehr gute Produkte, zum anderen wissen wir aber auch genau, wie wir diese in neue sowie weiterführende Anwendungen implementieren können. Diese Punkte zusammenzubringen sowie softwaretechnisch abzubilden, ist eine Stärke von STW, und dies wird auch so bleiben und sich verstärken.«

Stabile Ausgangslage

Laut Sonja Wiedemann ist die Firma stabil und sie habe ihre Stellung am Markt gefunden. Es gelte, diese kontinuierlich auszubauen. »Wir planen keine Kehrtwende oder Umorientierung. STW ist ein vorausschauendes, technologieorientiertes Unternehmen und ein verlässlicher Partner für unsere Kunden – und das wollen wir bleiben. Wir sind zudem ein sicherer Arbeitgeber – und auch das wollen wir bleiben.«

STW wächst mit der Komplexität und den steigenden Anforderungen seiner Kunden, denn nur so lassen sich neue hinzugewinnen. Dr. Michael Schmitt: »Wir müssen sehen, dass wir den Kunden stets die passende Lösung anbieten.«

Für Sonja Wiedemann ist STW aber schon immer auf einem guten Weg. »Und wir sehen positiv in die Zukunft. Herr Schmitt und ich freuen uns auf die Herausforderungen, aber wir sind gut aufgestellt, viele Dinge angestoßen.« Erste Früchte könne der Besucher vielleicht schon auf der Agritechnica bewundern.

Auf einen Blick

Rasante Entwicklung

1989 findet STW ein Grundstück »Am Bärenwald 6« in Kaufbeuren, wo sie ein Jahr später mit 40 Mitarbeitern das erste eigene Firmengebäude beziehen. 1997 verdoppelt STW die Fläche, ein Jahr später erfolgt der erste Bauabschnitt »Am Bärenwald 2«. Ende 2004 sind es 120 Mitarbeiter, 40 Prozent davon Ingenieure, 20 Prozent Vertrieb und Verwaltung und 40 Prozent Produktion. Bei so viel Zulauf wird es eng und STW kann das Gebäude zwischen den beiden Abschnitten erwerben. 2005 kommen weitere Räume in Nummer 6 hinzu, inklusive eines 400 Quadratmeter großen Reinraums. 2008 hat STW 300 Beschäftigte und heute 420. Die Wirt-schaftskrise wurde gut überstanden, da alle Fachkräfte gehalten werden konnten.

Erschienen in Ausgabe: 05/2015