Verteiltes Auto

Forschungsprojekt soll neue Schnittstelle für Echtzeit-Co-Simulation in der Automobilindustrie entwickeln.

14. Oktober 2015

Ende September 2015 startet das EU-Forschungsprojekt Acosar (Advanced Co-Simulation Open System Architecture) unter der Leitung des Forschungszentrums Virtual Vehicle der TU Graz in Österreich. Ziel des Projekts ist die Entwicklung einer neuen Schnittstelle für Hardware/Software-Co-Simulation in Echtzeit. Das soll ermöglichen, virtuelle Prototypen unter Einbindung physisch vorhandener Komponenten in Echtzeit ablaufen zu lassen. Geplant ist, dass diese neue Schnittstelle ein internationaler, nicht-proprietärer Standard wird. Für die Kopplung rein virtueller Simulationsmodelle gibt es mit dem Functional Mock-up Interface (FMI) bereits einen Standard, für Echtzeitsysteme jedoch noch nicht.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Vernetzbarkeit der Co-Simulation. Im Projekt soll ein "Advanced Co-Simulation Interface" entwickelt werden, mit dem sich Echtzeitsysteme, auch von verschiedenen Herstellern, über Distanzen hinweg verbinden und zu einem virtuellen, simulierten Gesamtsystem zusammenführen lassen. Die angestrebte Standardisierung soll insbesondere den dafür erforderliche Konfigurationsaufwand deutlich reduzieren und damit die Effizienz von Tests und Simulationen erhöhen. Dadurch können Fahrzeughersteller und Zulieferer gemeinsam Systeme entwickeln und frühzeitig testen.

Mit der Etablierung des FMI for Model Exchange und Co-Simulation als Standard hat sich der Austausch von Simulationsmodellen über Toolgrenzen hinweg stark vereinfacht. Anwender profitieren von effizienteren Prozessen und vollkommen neuen Simulationsmethoden. Toolhersteller sparen Entwicklungs- und Testaufwand, da sie nur noch eine Tool-zu-Tool-Schnittstelle unterstützen müssen, die von zahlreichen Programmen verstanden wird.

FMI ist eine direkte Antwort auf die Anforderungen des kollaborativen Entwicklungsprozesses im Bereich des Virtual Engineering und hat sich mit einer Geschwindigkeit verbreitet, die wir so nicht erwartet haben. Wir rechnen mit einem ähnlichen Erfolg der Standardisierungsbemühungen im Bereich der Echtzeit- und Testsysteme innerhalb Acosar“, so Torsten Blochwitz, R&D-Manager beim Dresdener Softwareanbieter ITI und FMI-Projektleiter in der Modelica Association.

An dem vorherigen Forschungsprojekt Acorta hatte das Zentrum Virtual Vehicle zusammen mit mehreren Partnern neue Methoden für Hardware/Software-Co-Simulation in Echtzeit entwickelt. Bei Acorta war Porsche als Industriepartner beteiligt. Beim Nachfolgeprojekt Acorta 2 steigt zusätzlich der Mutterkonzern Volkswagen ein. Bei Acosar sind als Fahrzeughersteller Porsche und VW wieder dabei und außerdem die Renault-Gruppe. Weitere Projektteilnehmer sind AVL, Bosch, dSpace, Etas, Siemens und namhafte Forschungseinrichtungen. Der Etat des dreijährigen Projekts beträgt 7,9 Millionen Euro.