Vertrauen entscheidet

Schwerpunkt M-Elemente

Lineartechnik – Die Fertigungsqualität von Präzisions-Schleifmaschinen hängt maßgeblich ab von der Qualität der mechanischen Komponenten. Ein führender Maschinenbauer verlässt sich dabei auf die Kompetenz seines Komponentenlieferanten.

22. Juli 2013

Zu den wichtigsten Herausforderungen für Maschinen- und Anlagenbauer speziell in der Medizintechnik gehören höchste Präzision und Prozesssicherheit. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen die Komponenten einer Maschine deshalb individuell auf spezielle Anforderungen abgestimmt sein. Hier sind also Zulieferer gefragt, die flexibel auf ihre Kunden reagieren können und montagefertige Lösungen mit einem optimalen Preis-Leistungs-Verhältnis liefern können.

Ein Beispiel für eine erfolgreiche Kooperation bei der Entwicklung wettbewerbsfähiger Maschinen ist die intensive Zusammenarbeit des Oberflächentechnikspezialisten Otec Präzisionsfinish GmbH in Straubenhardt bei Pforzheim mit der Dr. Erich Tretter GmbH + Co. aus Rechberghausen bei Göppingen.

Otec entwickelt und produziert mit rund 70 Mitarbeitern innovative Maschinen für die präzise und wirtschaftliche Oberflächenbearbeitung, besonders für die Medizintechnik. Die jüngste Entwicklung des Unternehmens ist die Schleppschleifmaschine SF, die zum Beispiel für die Oberflächenbearbeitung von Gelenkimplantaten eingesetzt wird. Mit ihr lassen sich Werkstücke aus Materialien wie Titan, Keramik oder Kunststoffen in kurzer Zeit präzise entgraten, schleifen, glätten oder polieren, die bisher nur manuell bearbeitet werden konnten.

Die SF-Technik basiert auf hohen Strömungsgeschwindigkeiten des Schleif- oder Poliermediums, um so auch kleinste und schwer zugängliche Flächen und Vertiefungen wie Rillen oder Nuten exakt bearbeiten zu können. Mit der neuen Schleppschleifmaschine lassen sich Werkstücke mit einer Länge bis 400 Millimeter und einem Gewicht bis zehn Kilogramm schleifen und polieren. Dabei ermöglicht sie Mittenrauwerte von weniger als 0,01 Mikrometer.

Typische Anwendungen seien konkave Werkstücke wie Hüft- oder Schultergelenke aus Cobalt-Chrom-Legierungen, erklärt Otec-Geschäftsführer Helmut Gegenheimer und beschreibt den Bearbeitungsprozess: »Diese werden in eine spezielle Vorrichtung mit schnelllaufender Spindel eingespannt und in das Schleif- oder Poliermedium eingetaucht; dabei rotiert das Werkstück mit einer Drehzahl von bis zu 8.000 Umdrehungen in der Minute.«

Durch den bahngesteuerten Bewegungsablauf lassen sich einzelne Stellen besonders intensiv bearbeiten. Die besondere Konstruktion der Maschine ermöglicht es dabei, gezielt den Anströmwinkel des Schleif- oder Poliermediums einzustellen und somit den Materialabtrag im Mikrometer-Bereich zu steuern. »Die komplette Bearbeitung erfolgt meist in wenigen Sekunden«, freut sich Gegenheimer und erklärt: »Unsere Maschinen sollen nicht nur ihre Aufgabe erfüllen, sondern dem Anwender auch signifikante Steigerungen an Effizienz, Präzision und Produktivität ermöglichen.«

Qualität durch Partnerschaft

Bei der Auswahl der Komponentenlieferanten legt Gegenheimer besonders großen Wert auf Qualität und Partnerschaft: »Kaum eine Branche ist so innovationsgetrieben wie die Medizintechnik, und wenn wir von dieser Entwicklung nicht abgehängt werden wollen, brauchen wir Zulieferer, die uns bei der kompletten Entwicklung begleiten.«

Die entscheidenden Kriterien dabei sind für Otec nicht nur der Preis und die Qualität der Zukaufteile, sondern auch die Zuverlässigkeit, die Termintreue und vor allem das Know-how des Zulieferers. So haben zum Beispiel die Schienenführungen, mit denen die Werkstücke in das Schleif- oder Poliermedium eingetaucht werden, einen wesentlichen Einfluss auf die Produktqualität, schließlich werden sie durch die hohen Drehzahlen der Werkstücke beim Eintauchvorgang schlagartig belastet und müssen deshalb hohe Kräfte kompensieren.

Speziell bei der Wahl von kugelgelagerten Komponenten der Linearbewegung verlässt sich Otec deshalb auf den Maschinenelementespezialisten Dr. Tretter. Um einen sicheren Prozess zu gewährleisten, empfahlen die schwäbischen Lineartechnikspezialisten die innovativen NSK-Schienenführungen der Serie Translide.

Die stabilen Schienenführungen können aufgrund ihrer Bauweise deutliche Parallelitäts- und Höhenabweichungen der Montageflächen kompensieren und erlauben deshalb einen Höhenversatz zwischen parallelen Schienen von bis zu 500 Mikrometer pro 500 Millimeter. Spezielle Dichtungen an der Innen- und der Unterseite des Wagens erlauben Einsätze in der staubhaltigen Umgebung in einer Schleifmaschine.

Ideal geeignet für die Schleppfinishing-Maschine sind die Translide-Führungen in der Baugröße 35 in der Normalklasse für übliche Handling- und Positionieraufgaben mit Wagen in Bauform AN, die auf zwei Kugelreihen über die Profilschiene ablaufen. Die Kugelführungswagen liefert Dr.Tretter in Längen bis zu 1.160 Millimeter serienmäßig erstbefettet, die Ausstattung mit einem selbstschmierenden Kunststoffabstreifer ermöglicht einen wartungsfreien Betrieb.

Bei diesen Zubehör enthält das synthetische Grundmaterial ein Schmiermittel, das bei Bewegung des Führungswagens kontinuierlich abgegeben wird und so eine Langzeitschmierung gewährleistet. Eine spezielle Oberflächenbeschichtung schützt langfristig vor Korrosion. Für Gegenheimer steht deshalb fest: »Wir können mit dieser Lösung somit erhebliche Kosten einsparen.«

Auf einen Blick

-Die Dr. Erich Tretter GmbH + Co. mit Sitz in Rechberghausen bei Göpingen liefert seit über 40 Jahren Maschinenelemente für alle Bereiche des Sondermaschinenbaus.

-Zum Produktportfolio gehören Linearsysteme, Kugelbuchsen, Wellen, Gewindetriebe, Kugelrollen oder Toleranzhülsen sowie kundenspezifische Sonderlösungen.

-Zudem betreut das Unternehmen Konstrukteure und Anwender vom Erstkontakt über die fachkundige Beratung bis zur kurzfristigen, termingerechten Lieferung.

Erschienen in Ausgabe: 05/2013