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Maschinenelemente – Sondermaschinen in kleinen Stückzahlen erfordern oft maßgeschneiderte Komponenten. Individuell konfigurierte Normalien ersparen dabei Speziallösungen aus Eigen- oder Lohnfertigung.

17. Juni 2011

Ein Kennzeichen des Sondermaschinenbaus sind die geringen Stückzahlen: Oft werden die Maschinen genau ein einziges Mal gebaut. Damit dazu möglichst wenig Teile selbst gefertigt werden müssen, setzen die Konstrukteure solcher Unternehmen bevorzugt Normalien ein: Dies reduziert nicht nur das Fertigungsvolumen an sich, sondern auch den damit verbundenen Aufwand für die Erstellung von Fertigungszeichnungen.

Ein erfolgreiches Beispiel für diese Strategie liefert die MP GmbH Montage- und Prüfsysteme aus Fredersdorf bei Berlin: Der Hersteller von Montage- und Prüfsystemen für die Automobilindustrie und andere Industriebranchen verlässt sich dazu auf das Leistungsspektrum des japanischen Norm-, Kauf- und Zeichnungsteilespezialisten Misumi, dessen Katalog mehr als eine Million unterschiedliche Komponenten enthält, die überwiegend aus eigener Fertigung stammen.

Vielseitig einsetzbar

Die Kernkompetenzen von MP liegen in den Bereichen Automatisierungs- und Prüftechnik sowie im System-Engineering. Die meisten Lösungen realisiert das Unternehmen für die Automobilindustrie, zum Beispiel zur Montage und Prüfung von Motorrad-, Achs- und Verteilergetrieben, Pumpen und Common-Rail-Systemen, aber auch Elektrowerkzeughersteller sowie Firmen aus der Medizin- und der Feingerätetechnik finden sich auf der Referenzliste.

Ein wichtiges Element vieler Lösungen des Unternehmens ist eine eigens entwickelte kompakte Fügespindel, die nicht nur in den eigenen Maschinen für kraft- und wegüberwachtes Fügen zum Einsatz kommt, sondern auch als Einzel-Baugruppe beispielsweise an Systemintegratoren geliefert wird. Das robuste Gerät besteht aus einer Gewindespindel mit Führung und ist für die Aufnahme von Querkräften und Momenten ausgelegt. Ein Werkzeugschnellwechselsystem stellt hohe Flexibilität bei der Montage sicher. Ein zusätzliches Längenmesssystem direkt an der Werkzeugaufnahme gewährleistet hohe Genauigkeiten bei stark streuenden Fügekräften. Mechanische und elektrische Überlastsicherungen schützen das verdrehgesicherte Fügewerkzeug sowie die Spindel gegen Zerstörung durch Kollisionen. Der Fügewert wird individuell in Abhängigkeit der Messergebnisse errechnet und das Fügemaß durch einen »fliegenden« Pressvorgang erreicht.

»Die Produkte finden hauptsächlich in der Automobilindustrie Verwendung, um Bauteile einzupressen«, erläutert Bernd Rhiemeier, einer der drei Geschäftsführer bei MP. »Mit Servoantrieben ist die Geschwindigkeit präzise einstell- und steuerbar. Die Daten, mit welcher Kraft eingepresst wurde, werden an den Leitrechner geschickt und in der Seriennummer des jeweiligen Teils hinterlegt. Diese Positions- und Kraftwerte sind besonders wichtig für die Rückverfolgbarkeit.«

Große Auswahl, kleine Stückzahlen

Aus dem umfangreichen Misumi-Katalog stammen gleich acht der Bauteile einer 15-Kilonewton-Fügespindel: Zwei Stahlwellen für Linearbewegungen in Standardausführung mit einseitigem Innengewinde, zwei Linearkugellager in langer Ausführung mit Quadratflansch, zwei Metallunterlegscheiben sowie zwei Urethanscheiben. Natürlich sind dies keine außergewöhnlichen Bauteile, sondern im Grunde simple mechanische Komponenten, dennoch habe der Bezug der Teile von Misumi für MP spezielle Vorteile, erklärt Rhiemeier: »Zwar gehören beispielsweise Wellen, Positionierstifte oder Profile in den unterschiedlichen Maschinen quasi zur Grundausstattung, doch variieren sie von Projekt zu Projekt in den Abmessungen oder benötigen eine andere Oberflächenbehandlung. Meist sind deshalb nur kleinste Stückzahlen einer bestimmten Ausführung gefragt, doch in der Summe schlagen diese Einzelstücke erheblich zu Buche.«

Gerade in solchen Fällen zeigt sich die Stärke des Normteilespezialisten Misumi mit Europazentrale in Schwalbach am Taunus: »Das umfassende Sortiment lässt aus unserer Sicht keine Wünsche offen«, betont Rhiemeier und lobt vor allem die flexiblen Parametrierungsoptionen der Standardkomponenten: So sei man bei Maßen, Material, Wärme- oder Oberflächenbehandlung nicht auf das angewiesen, was im Katalog steht. Stattdessen lässt sich jedes Bauteil nach Maß konfigurieren und dem Applikationsbedarf entsprechend anpassen. Auch die Fertigungszeichnungen sind im gedruckten Hauptkatalog ebenso wie im eCatalog auf der Webseite zu jedem Artikel bereits verfügbar.

In den Katalogen ist zudem jeweils der Preis sofort ersichtlich, damit entfällt auch der Personal- und Zeitaufwand für Angebotsanfragen bzw. -bearbeitung. Zudem wird der Kostenvorteil nicht durch »Kleingedrucktes« verwässert: Es gibt keine Mindestbestellmengen oder Mindestwarenwerte für Bestellungen, keinen Mindermengenzuschlag und innerhalb Deutschlands auch keine Verpackungs- und Versandkosten. Neben den Artikeln für die Fügespindel bedienen sich die Fredersdorfer deshalb auch für ihre übrigen Produkte gern aus dem Misumi-Angebot.

»Für Sondermaschinenbauer mit kleinen Stückzahlen sind diese Bezugskonditionen absolut bedarfsgerecht gestaltet«, sagt der MP-Chef, der von Qualität und Maßhaltigkeit der Bauteile ebenso überzeugt ist wie von den kurzen Lieferzeiten.

Ein weiterer Vorteil für Konstrukteure im Tagesgeschäft ist die Bereitstellung von CAD-Modellen aller Bauteile auf der Internetseite www.misumi.de in allen gängigen Dateiformaten. Der Download ist direkt nach der Konfiguration möglich. Vom CAD-Konfigurator auf der Webseite kann das Bauteil in der entsprechenden Ausführung direkt online bestellt werden. »Mit diesem Angebot ist Misumi seiner Zeit einfach voraus«, findet Rhiemeier und ergänzt: »Sowohl im Hinblick auf den Umfang des Komponentenangebots als auch auf das Drumherum an Leistungen.«

Auf einen Blick:

- Die 1963 gegründete japanische Misumi Group Inc. ist ein international tätiger Anbieter von mechanischen Komponenten für den Sondermaschinen-, Werkzeug- und Formenbau sowie für die Automation.

- Der umfangreiche Katalog sowie der Online-Shop umfassen Tausende von mechanischen Komponenten, inklusive Zeichnungen und Anwendungsbeispiele.

- Ein Zentrallager in der Nähe des Frankfurter Flughafens gewährleistet kurze Lieferzeiten.

Erschienen in Ausgabe: 05/2011