Virtueller Schub nach vorn

Spezial Hannover Messe

MDA – Trotz aller handfesten Ursprünge spielen sich die Entwicklungssprünge in der Antriebstechnik vor allem im virtuellen Bereich oder der Industrie 4.0 ab. Das will die Leitmesse Motion, Drive & Automation (MDA) in Hannover eindrücklich zeigen.

05. April 2017

Es ist klar festzustellen: Die Hersteller der Antriebs- und Fluidtechnik setzen auf Effizienz, Intelligenz und Qualität. So stehen denn bei den Ausstellern auf der MDA mechatronische Bausteine oder Cyber-Physical-Systems im Mittelpunkt, die wichtige Enabler für effiziente und intelligente Produktionsprozesse sind. Damit ermöglichen die Hersteller die durchgängige Vernetzung mit der Steuerungs- und Fertigungsebene und leisten so einen wichtigen Beitrag für die Fabrik der Zukunft mit ihren intelligenten, selbstoptimierenden und autonomen Fertigungsabläufen. Mit rund 1.200 Ausstellern und mehr als 80.000 Besuchern aus aller Welt zählt die MDA zu den stärksten Leitmessen innerhalb der Hannover Messe. Rund zwei Drittel der Aussteller kommen aus dem Ausland. Die wichtigsten Branchenplayer sind vor Ort.

»Für die Antriebs- und Fluidtechnik ist die MDA die weltweit wichtigste Messe, dabei profitiert die Branche insbesondere von den Synergien zu den anderen Leitmessen der Hannover Messe sowie zum wirtschaftspolitischen Umfeld der weltweit wichtigsten Industriemesse. Mit Polen präsentiert sich in diesem Jahr ein Partnerland, das auf Innovation und Reindustrialisierung setzt und damit für die Hersteller von großem Interesse ist«, sagt Dr. Jochen Köckler, Mitglied des Vorstands der Deutschen Messe.

Hartmut Rauen vom VDMA ergänzt: »Unsere Mitgliedsfirmen stehen für Innovationsführerschaft, wenn es um die Kernmerkmale der Kundenprodukte geht: Leistungsdichte, Energieeffizienz, Total Cost of Ownership und passgenaue Lösungen. Mit Industrie 4.0 kommt hinzu, dass die Antriebs- und Fluidtechnik zur Datenquelle werden.«

Predictive Maintenance gerät zu den Kernthemen der MDA. Das liegt an der zunehmenden Vernetzung von Maschinen, Produkten und Komponenten im Sinne von Industrie 4.0. Durch den Einsatz von Sensoren können diese Verknüpfungen jetzt genutzt werden, um Zustandsdaten von Maschinenkomponenten zu erfassen, sie mit Informationen aus Drittsystemen zu kombinieren und auszuwerten. Ziel ist es, auffällige, auf Störungen hindeutende Muster rechtzeitig zu erkennen und entsprechende Maßnahmen präventiv einzuleiten.

Auf der Sonderschau Predictive Maintenance in Halle 19 mit angrenzendem Forum erfahren Besucher, wie drohende Ausfälle frühzeitig erkannt, Prozesse beschleunigt und Produktionsstillstände vermieden werden können. Nach aktuellen Untersuchungen des Beratungsunternehmens Accenture sinken Wartungskosten dadurch um fast 30 Prozent und ungeplante Stillstände gehen um 70 Prozent zurück.

Predictive Maintenance erweitert die konventionellen Condition-Monitoring-Ansätze um den Blick in die Maschinenzukunft. Bei Schaeffler stehen dabei zwei neue digitale Services im Mittelpunkt: die Restlaufzeitberechnung von Wälzlagern sowie die automatisierte Wälzlagerdiagnose. Erstmals lassen sich Wartungsintervalle damit belastungsabhängig bestimmen.

Experten erwarten hierbei ein dynamisches Marktumfeld. Dabei eröffnet sich nicht nur für die Automatisierungstechnik ein Milliardenmarkt. Auch große IT-Unternehmen wie SAP, IBM oder Bosch sind derzeit im Markt aktiv, um die wachsende Nachfrage nach Lösungen dieser Art zu befriedigen.

Konkrete Produkte im Fokus

Bliebe nur noch die Theorie mit Praxis zu füllen und das geht wie immer am besten über Produkte. Aventics präsentiert dazu das Ventilsystem ES05. »Es war noch nie so einfach, so schnell ein Ventilsystem zu montieren«, sagt CEO Paul Cleaver. Deutlich wurde das am Messestand 2016: Bei einem Montagewettbewerb am Messestand konnte jeder Besucher selbst Hand anlegen und das Ventilsystem zusammenbauen. Die Bestzeit lag bei einer Minute und 30 Sekunden.

Mit dem Ventilsystem ES05 hat das Unternehmen ein modulares Baugruppensystem umgesetzt, das wirtschaftlich ist und einfach zu handhaben. Es eignet sich vor allem für Anwendungen mit Standardanforderungen in der Industrieautomation. Aufgrund der robusten Gehäuse aus Hochleistungskunstoff ist das Ventil stabil und kompakt. Die wenigen Komponenten können mit einem einfachen Werkzeug montiert werden, was den Zusammenbau vereinfacht und Fehler vermeidet.

Neuen Bereich geschaffen

Die Strategie von Camozzi basiert auf der Entwicklung branchenspezifischer Kompetenz, die Pneumatik, elektrische Antriebstechnik und Proportionaltechnik vereint. Um ihr Angebot zu vervollständigen, hat das Unternehmen den neuen Geschäftsbereich C-Electrics geschaffen, der Lösungen mit elektrischen Antrieben, wie Elektrozylinder und motorisch angetriebene Achsen umfasst. Darüber hinaus gibt es Steuerungen und entsprechendes Zubehör, um den Kunden ein Baukastensystem zur Erstellung sehr flexibel zu kombinierender Portale und Mehrachssysteme anbieten zu können.

Im neuen Geschäftsbereich ist ein Sortiment entstanden, das Elektrozylinder der Serie 6E, Linearantriebe der Serie 5E, Steuerungen für elektrische Zylinder sowie die Achsen DRWS, DRWB, die bürstenlosen Motoren MTS sowie die Stepper-Motoren MTB bereithält. Das Programm soll hohe Ansprüche bei Präzision und einfacher Montage erfüllen. Die Serie 6E eignet sich für Einsatzfälle, bei denen exakte Positionierung oder hohe Dynamik im Vordergrund stehen, wie bei Pick & Place, Sortierung, Palettierung, Spannen, Pressen oder Heben.

Parker vervollständigt sein Angebot an direktgesteuerten Proportional-Wegeventilen mit den neuen Nullschnittkolben für die Serie D1FC/D3FC. Mit dieser Option lassen sich die Ventile nun auch für geschlossene Regelkreise einsetzen. Die direktgesteuerte Ventilserie mit hoher Dynamik und hohen Volumenströmen ist zwischen der bewährten D1FB/D3FB Serie für den mittleren Leistungsbereich und den DFplus-Ventilen der Serie D1FP/D3FP für höchste Performance positioniert. Die wichtigste Innovation des D1FC in Nenngröße NG06 und des D3FC in Nenngröße NG10 ist das Wegmesssystem, das – anders als bei vergleichbaren Ventilen – komplett ins Gehäuse integriert ist und zu reduzierten Bauraum führt.

Erschienen in Ausgabe: 03/2017