Völlig neu konfektioniert

Industrieelektronik

Kabel – Mit der Ölflex Connect Servo präsentiert Lapp eine neu konfektionierte Reihe von Leitungen für Anwendungen in der Antriebstechnik, zu der auch eine neue Fertigungsmethode und ein neuer Stecker gehören.

20. Mai 2015

Komponenten müssen in der heutigen Zeit perfekt an die jeweilige Anwendung angepasst sein. Das gilt besonders stark auch für Leitungen in Servoantrieben. Dem ist sich die Lapp-Gruppe als einer der weltweit tätigen Anbieter bewusst. »Der Bereich entwickelt sich, die Maschinen werden schneller, die Schrittgenauigkeit wird immer präziser«, sagt Werner Becker, Geschäftsführer der Lapp Systems GmbH. »Aufgrund dieser Evolution, muss sich das Kabel zwischen Controller und Antrieb ständig weiterentwickeln.«

Getrieben von den Schlagworten Industrie 4.0 und Automatisierung wächst der Markt, Lapp sieht ein Potenzial von 7,2 Millionen neuen Antriebseinheiten allein in 2015. Und das wird sich noch steigern, vor allem in Asien. Das Unternehmen will sich darum im Markt positionieren und globale Lösungen schaffen.

Als Ergebnis stellt die Lapp Gruppe jetzt die Ölflex Connect Servo vor, eine neu entwickelte Generation von Servokonfektionen. »Lapp ist neben den Komponenten schon lange auch ein Anbieter von Systemlösungen«, sagt Technik-Vorstand Georg Stawowy. »Wir wollen dem Kunden Mehrwert durch unsere Produkte bieten, aber auch Know-how generieren durch Zusammenarbeit mit Partnern. Als weltweit aufgestellter Kabelhersteller mit Konfektionskompetenz können wir die Anforderungen des wachsenden Servomarktes befriedigen.«

Für Werner Becker ist der Gesamtansatz entscheidend: »Die Ölflex Connect Servo umfasst völlig neue Kabel, Stecker und Produktionsverfahren und die globale Verbreitung der Produkte.« Laut Georg Stawowy ist Lapp der einzige Kabelhersteller, der eine solch hohe Fertigungstiefe bei Servokonfektionen auf drei Kontinenten abbilden kann. »Die Investitionen sind hoch, aber wir versprechen uns erheblichen Erfolg von dieser Struktur.«

Mit der Weltneuheit baut Lapp sein Angebot für die Branche aus und führt sukzessive Varianten für alle acht gängigen OEM-Steckertypen ein – getreu dem Motto »Easy to connect«.

»Die Komplexität steigert sich von einzelnen Produkten über zusätzliches Engineering bis hin zu branchenspezifischen Lösungen, die alle wichtigen Normen erfüllen«, erklärt Stawowy. Darum hat Lapp neben der bestehenden Highend-Variante Extended Line für hochdynamische Anwendungen jetzt zusätzlich die Performance-Klassen Basic Line und Core Line entwickelt.

»Auf diese Weise haben wir eine Lücke im unteren Bereich geschlossen, in der 60 Prozent aller Bedarfe entstehen«, ergänzt Werner Becker. »Die Basic Line ist eine PVC-Variante für einfache Anwendungen und die Core Line aus PUR eignet sich bestens für mittlere dynamische Anwendungen.«

Völlig neues Stecksystem

Zu einem neuen Kabel gehört auch der passende Stecker. Dazu ist Lapp eine Partnerschaft mit der Firma Intercontec eingegangen. Intercontec war von Anfang an in den Entwicklungsprozess eingebunden und entwickelte in enger Abstimmung mit Lapp passende Steckverbinder, die zusammen mit Leitung und Herstellung ein komplementäres Gesamtsystem bilden.

Entscheidend ist aber die Produktion, weiß der Geschäftsführer: »Viele Hersteller bauen einen beliebigen gewünschten Stecker an ihr Kabel. Eine solche Fertigung ist zwar hochflexibel, aber nicht sehr effizient und damit auch in der Qualität unterschiedlich.« Darum richtet sich Lapp auf die neuen Kabeltypen und neuentwickelten Stecksysteme aus.

Es ist ein eigens entwickelter, automatisierter Verarbeitungsprozess für Servokonfektionen entstanden, der ausreichend Flexibilität bietet. Becker: »Wir wollten Kabel und Stecker so konzipieren, dass sie in hoher Qualität und ohne Schwankungen möglichst effizient produziert werden können.« Dazu hat Lapp einen weltweiten Qualitätsstandard definiert, der Kunden vor Ort immer gleiche Produkte garantiert.

Einen wichtigen technischen Vorteil nennt Georg Stawowy: »Durch eine neue, sehr zuverlässige 360-Grad-Abdeckung konnten wir die Abschirmung gegen elektromagnetische Störungen gegenüber bisherigen Servokonfektionen messbar verbessern.«

Auch hier greift das neue Fertigungsverfahren, bei dem die Ummantelung des Kabels entfernt und die Schirmung leicht aufgespreizt wird. Anschließend werden alle Bestandteile miteinander verpresst, wodurch rundherum ein stabiler Kontakt zum Stecksystem entsteht.

Der Stecker ist manipulationssicher und durch die sehr gute Anbindung können sich die einzelnen Bestandteile nicht mehr verschieben. Zusätzlich lassen sich die Bauteile umspritzen und es gibt zum gängigen Schnellanschluss auch eine Schraubverbindung. »Die Schnittstelle zum Antrieb entspricht den gängigen Normen und ist absolut kompatibel«, sagt Werner Becker.

Acht statt vierzehn

Durch den neuartigen Aufbau mit speziellen Formteilen und Isolierkörpern erreicht die Ölflex Connect Servo Eigenschaften, die laut Lapp derzeit einzigartig sind. Um die Konfektion zu vereinfachen, konnten die Ingenieure in Stuttgart zum Beispiel die Anzahl der Einzelkomponenten in der Leitung von 14 auf acht Strukturen reduzieren. Werner Becker ist begeistert: »Das bedeutet einen deutlichen Zeitgewinn sowie mehr Performance. Geschafft haben wir das durch einen neu entwickelten speziellen Innenmantel, der sich auch halbautomatisch verarbeiten lässt.«

Perfektes System

Lapp strebt für seine Kunden weltweit einen Automatisierungsgrad an, der zu höherer Prozessstabilität und Qualität führt. Die Teilprodukte der Ölflex Connect Servo sind so entwickelt, dass sie ineinandergreifen und ein perfekt aufeinander abgestimmtes System ergeben. Das Unternehmen reagiert mit der automatisierten Kabelkonfektionierung auf den Trend zu »Plug and Produce« in der Fertigungsindustrie. Immer mehr Kunden wollen nicht mehr nur Kabel als Meterware kaufen, sondern fertig konfektionierte Systeme von Leitungen und Steckverbindern.

»Die Differenzierungsmerkmale sind die Globalität mit weltweit gleichen Merkmalen, ein Portfolio mit Ausprägungen je nach Komplexität der Anwendung und die Qualität«, zieht Werner Becker ein Resümee.

Ab Juni 2015 will Lapp aus der Fertigung in Stuttgart ganz Europa bedienen und das im zweiten Schritt auf lokale Konfektionsbetriebe in Asien und Nordamerika ausdehnen. Eine Hybridleitung auf Basis der neuen Konfektion ist bereits in Vorbereitung. Georg Stawowy: »Wir glauben, dass unser neues Kabel samt Stecksystem in der Antriebstechnik eine weite Verbreitung finden wird.«

Erschienen in Ausgabe: 04/2015