Volksvernetzung

»Industrie 4.0 für jedermann könnte zu einem großen Markt werden.«

26. August 2015

Ein großer deutscher Hersteller für elektrische Werkzeuge zur Zahnreinigung propagiert schon seit Jahren die »Volkszahnbürste«, die jedermann Zugang zu dieser Art der Gebisshygiene verspricht und mühsames Schrubbeln erübrigt. Noch sehr viel bekannter ist der sprichwörtliche Volkswagen, der Deutschland mobil machte und nicht nur den Reichen eine schnelle, anstrengungsfreie Fortbewegung sicherte. Viele technologische Fortschritte beginnen also im Speziellen und sind zunächst nur wenigen zugänglich. Mit der Zeit erstrecken sie sich auf die gesamte Gesellschaft und werden »Volksgut«. Auch der viel diskutierten Industrie 4.0 wird es in absehbarer Zukunft so ergehen, Smart Home und Smart Grid geben einen Vorgeschmack.

Gebrauchsutensilien gehen dann vernetzt zu Werke und erleichtern das Leben: Der Toaster 4.0 würde über Sensoren spüren, wenn wir aufstehen und wann wir aus dem Bad kommen, alarmiert gleich auch die Kaffeemaschine und fabriziert dann einen maßgeschneiderten Frühstückstoast, den der Anwender am Vorabend per Datenschnittstelle über sein Tablet definiert hat. Sind solche Gedankenspiele noch mehr oder weniger fiktiv, Industrie 4.0 fürs Volk kann sich zu einem realen und gleichermaßen riesigen Potenzial entwickeln und eine große Chance für Komponentenhersteller sein, mit passenden Technologien den Switch in einen neuen Markt zu schauen. Bisher bezieht sich Industrie 4.0 meist auf Fertigung und Produkte in Unternehmen, sie entwickelt sich vom Trend zum gelebten Alltag, wie eine VDE-Studie belegt. Bei großen Unternehmen empfehlen Berater wie Govisors sogar, Industrie-4.0-affine Bereiche im »Carve-Out« auszulagern. Auch wenn es viele nicht mehr hören können, das Thema wird uns noch lange verfolgen, auf jeden Fall bestimmt es in dieser Ausgabe Trendreport, Titelgeschichte und Interview und vielleicht bald auch unser aller Leben.

Erschienen in Ausgabe: 06/2015