Vollbremse in der Vorbereitung

Ski-Cross versus Ski alpin: Wie Heavy Metal im Vergleich zu einem Violinkonzert…

10. Juli 2013

Vier Leute im Kampf Mann gegen Mann, die ersten beiden kommen weiter bis ins Finale. Körperkontakt ist durchaus erlaubt, wenn nicht sogar erwünscht. Das Nonplusultra im Ski alpin, die Ideallinie, ist unter diesen Umständen nur selten zu erreichen. Überholmanöver sind beim Ski-Cross auf anspruchsvollen, schmalen Strecken voller Steilkurven und Sprünge alles andere als einfach. Diese Rahmenbedingungen machen den Start zu einem zwar sehr kurzen, aber ungemein wichtigen Vorgang. Wer hier nach wenigen Metern vorne liegt, hat die besten Aussichten, das Rennen für sich zu entscheiden. Aus diesem Grund wird die Startphase gerade in den Sommermonaten immer und immer wieder einstudiert.

Um hohe Wiederholungszahlen in einem Minimum an Zeit zu ermöglichen, gibt es hierfür Trainingsgeräte, die an Kraftmaschinen in Fitness-Studios erinnern. Ein solches Gerät haben auch Mitarbeiter unter der Leitung von Prof. Christian Raschner am Institut für Sportwissenschaft Innsbruck hergestellt. Nach einer Planungsphase entstand ein erster Prototyp. Optisch könnte man diesen als ein Bettgestell auf Rollen bezeichnen. Anstelle eines Lattenrosts war in seiner Mitte eine Platte mit Skibindungen befestigt. Außerdem war noch ein Schlitten angebracht, der entlang der Längsseiten verfahren sollte und der auf beiden Seiten einen guten Meter in die Höhe ragt. An seinem vertikalen Ende sind zwei Griffe montiert, mit denen der trainierende Skifahrer den 36 Kilogramm schweren Schlitten nach hinten wegdrücken kann. Damit sind im Vergleich mit dem Start auf der Piste Punctum fixum und Punctum mobile vertauscht, die Muskeln des Athleten werden aber auf dieselbe Art und Weise angesprochen. Als Testperson am Institut für Sportwissenschaft Innsbruck stellte sich der Ski-Crosser Patrick Koller zur Verfügung. Seine Kraft erwies sich als Problem für die Konstruktion: Zum einen raste der Schlitten mit einer solchen Wucht in die Endlage, dass über kurz oder lang mit Schäden zu rechnen war. Zum anderen musste während der ersten Tests eine zweite Person mithelfen, damit sich das Trainingsgerät nicht selbstständig machte. An diesem Punkt des Projekts kam ACE ins Spiel.

Bestreben ist es, unter anderem die Vorteile hydraulischer Dämpfungselemente aufzuzeigen. Denn noch immer ist es vielen Konstrukteuren nicht hinreichend bekannt, dass man mit Hilfe von ölbefüllten Industriestoßdämpfern Maschinen schneller, kostengünstiger und umweltschonender nutzen kann, als wenn man das Abbremsen verfahrender Massen den elektrischen Kräften der verwendeten Antriebe oder gar einer Pneumatik-Lösung mit Luftpuffern

ACE erklärte sich nicht nur bereit, die Auslegung für den konkreten Fall zu übernehmen sondern zudem auch zur kostenlosen Lieferung der benötigten Maschinenelemente für das Forscherteam. Wesentlicher Bestandteil der Auslegung war die Berechnung der Stützkräfte für die zu benutzenden Stoßdämpfer. Hierfür wurden als Geschwindigkeit 8 m/s bzw. 10 m/s angenommen. Es ergaben sich Werte von über 45.000 N bei der langsameren Fahrt und fast 80.000 N bei der schnelleren Fahrt. Um auf Nummer Sicher zu gehen, verbaute man zum Schutz der Endlagen zwei Dämpfer des Typs MA4575M. Zur innovativen MAGNUM-Serie gehörend, sind die oben genannten Anforderungen für diese Sorte Industriestoßdämpfer kein Problem. Jeder dieser mit einem Gewinde M45 versehenen einstellbaren Dämpfer kann für sich 1.170 Nm pro Hub aufnehmen. Die zulässige Energieaufnahme in der Stunde beträgt bei einem Hub von 75 mm 146.000 Nm. Wird er mit einem Öltank oder gar einem Ölkreislauf verwendet, erhöhen sich diese Werte jeweils noch einmal drastisch. Bei einem Eigengewicht von 1,59 Kilogramm sind die Maschinenelemente in der Lage, effektive Massen in einem Bereich von 70 bis 15.000 Kilogramm aufzunehmen und das bei einer Kolbenrückstellzeit von gerade einmal 0,11s.