Vom Keller in die Welt

Porträt

siko – Vor 50 Jahren begann Siko mit seinem Weg zu einem der führenden Unternehmen für Antriebssysteme mit Messwertanzeige, trotz zwischenzeitlich drohender Obdachlosigkeit.

30. Oktober 2013

Beispiele für Weltunternehmen, die in der sprichwörtlichen Garage begannen, gibt es viele. Bei Siko aus Buchenbach war es ein Keller, aber der Effekt ist derselbe. »1963 leitete mein Vater Günther Wandres in Karlsruhe ein Unternehmen für Antriebstechnik, das verkauft werden sollte«, erzählt dessen jüngster Sohn Horst, der jetzt das Unternehmen leitet. »Das Angebot einer neuen Position in einem Konzern bot für ihn aber keine lohnenswerte Perspektive. Anstatt einer finanziellen Abfindung übernahm er lieber eine kleine Produktgruppe, die nicht zum Kernportfolio des Unternehmens gehörte. Dabei handelte es sich um den Bereich der Handräder mit Positionsanzeigen, die vorwiegend zur Drehzahlregelung an stufenlosen Getrieben eingesetzt wurden.«

Günther Wandres fiel der Entschluss zur Selbstständigkeit nicht leicht, aber im Herbst 1963 startete er im Keller seines Schwagers die Montage der ersten Positionsanzeigen. »Die Nachfrage war zwar enorm, aber der Umsatz reichte nicht aus, um seine Familie zu ernähren, darum hat er damals auch Konstruktionsaufträge aller Art ausgeführt und zudem eine Industrievertretung für Getriebemotoren übernommen.« Dieser verdankt Siko den Namen: »Süddeutsches Industrie Kontor Dr. Ing. G. Wandres«.

Umzug mit Schwierigkeiten

Ein baldiger Umzug war unausweichlich, aber auch die neuen Räume in Unteribental waren dem schnellen Erfolg nicht gewachsen. »Ein Neubau musste her, aber einen Bauantrag hielt mein Vater damals für überflüssig«, erzählt Horst Wandres. Der Pragmatiker errichtete also in dem gut abgeschotteten Areal »illegal« neue Produktionsstätten, meist nach Einbruch der Dunkelheit und in völliger Eigenregie. »Was heute völlig undenkbar ist, war zu der Zeit typisch für meinen Vater.«

Doch ein solches Unterfangen lässt sich nicht auf Dauer verheimlichen und so flog die fehlende Baugenehmigung 1971 auf und dem jungen Unternehmen drohte das frühe Aus, die Neubauten standen vor dem Abriss. In unmittelbarer Nähe, auf der Weihermatte in Buchenbach, fand Günther Wandres zum Glück einen alternativen Firmensitz, wo der Aufstieg von Siko ab 1972 in einem sicheren Umfeld erfolgen konnte.

Ab Mitte der 1970er-Jahre fertigte der Gründer ein Jahrzehnt zusätzlich auch Transformatoren. Dann jedoch wurde der Preisdruck aus Asien für den deutschen Mittelständler einfach zu groß. Parallel kamen die ersten digitalen Positionsanzeigen auf den Markt. Als absolutes Novum konnte der Maschinenbediener den Positionswert an seiner Maschinenspindel fortan digital und auf einen Zehntelmillimeter genau ablesen.

Nachdem sich die mechanischen Positionsanzeigen etabliert hatten, investierte Siko in die Entwicklung elektronischer Messsysteme für die Weg- und Winkelmessung. 1982 wurde der erste elektronische Hohlwellendrehgeber vorgestellt, dem in den Folgejahren eine ganze Palette von unterschiedlichen elektronischen Messwertgebern und Messanzeigen folgte.

Eine neue Generation

1990 übernahm mit Horst Wandres der jüngste Sohn des Firmengründers die Geschäftsführung. Die Konzentration galt jetzt der Messtechnik für die Weg- und Winkelerfassung im Maschinen- und Anlagenbau. Lineare Messsysteme als Ergänzung zu den auf dem rotatorischen Messprinzip beruhenden Produkten standen fortan im Fokus. Neben den Seilzug-Wegaufnehmern entwickelten sich vor allem die »MagLine«-Linearmesssysteme auf magnetischer Basis zu einer tragenden Säule mit überdurchschnittlichen Zuwachsraten. 1996 trat zudem die Tochter Ursula Wandres in das Unternehmen ein, die bis heute Personalchefin ist und auf den Charakter des Familienbetriebes achtet.

Die fortschreitende Globalisierung erreichte in den Folgejahren auch den Stammsitz in Buchenbach. Horst Wandres: »Der Strukturwandel im europäischen Maschinenbau führte zu einer Verlagerung von Produktionsstätten, vor allem nach China«. Siko reagierte auf diese Entwicklung und gründete 2004 eine eigene Vertriebs- und Produktionsstätte für Asien in Shanghai. Das Tor für den vielversprechenden chinesischen Markt war geöffnet, der erhoffte Bedarf an Produkten von Siko erwies sich schnell als real.

Im Jubiläumsjahr 2013 wurde deshalb in Singapur eine weitere Vertriebsniederlassung gegründet, die die asiatischen Wachstumsmärkte bedienen soll. Mit dieser Maßnahme unterstützt das Unternehmen seine bestehenden Tochtergesellschaften in China, den USA, Italien und in der Schweiz.

Expansion und Wurzeln

Siko konnte in dem halben Jahrhundert des Bestehens regelmäßig neue Märkte erobern, zum Beispiel in der Solar-, Medizin- oder die Fahrzeugtechnik, sowie die Kernmärkte Automatisierungs- und Antriebstechnik. Auch darum kann sich das Unternehmen heute zu den Weltmarktführern für Winkel- und Längenmesssysteme zählen. Das einstige Ein-Mann-Unternehmen sieht sich als einen kleinen Global-Player, die Messsysteme sind in mehr als 40 Ländern auf dem Markt.

Trotz internationaler Expansion steht das Unternehmen zu seinen badischen Wurzeln und insbesondere zu den Mitarbeitern, die damals wie heute den unternehmerischen Erfolg überhaupt erst ermöglichen.

Aktuell sind weltweit insgesamt 220 Mitarbeiter bei Siko beschäftigt, bei den Zulieferunternehmen, die mehrheitlich in Deutschland produzieren, arbeiten wiederum viele Beschäftigte fast ausschließlich für das Unternehmen aus dem Schwarzwald. Im Sinne des Firmengründers Günther Wandres wird auch heute noch großer Wert auf ein gutes Betriebsklima gelegt. Die Belegschaft ist zum Beispiel am Ertrag beteiligt und es hat in Buchenbach noch nie eine konjunkturell bedingte Kündigung gegeben.

Aufgrund der laut Siko innovativen Produkte, einer zunehmend internationalen Ausrichtung und der guten Stimmung innerhalb des Unternehmens sieht sich Siko für die Zukunft gut aufgestellt. Horst Wandres ist sich sicher: »So können wir die nächsten 50 Jahre Firmengeschichte meistern.«

Erschienen in Ausgabe: 08/2013