Von Anfang an dabei

Schwerpunkt Kommunikationstechnik

Hilscher – Feldbusse waren noch in der universitären Entwicklung, da ist Hans-Jürgen Hilscher schon auf den Zug aufgesprungen. Und er hat mit seinem Unternehmen bis heute alle wichtigen Etappen in der Kommunikationstechnik mitgeprägt.

18. Februar 2013

Es muss wie eine Erlösung gewesen sein in den 80er-Jahren, als die Feldbusse kamen: keine Kabel mehr an jede Komponente, nur noch eine Datenleitung für alle Befehle. In diesem Sog gründete auch Hans-Jürgen Hilscher 1986 seine Gesellschaft für Systemautomation.

»Damals habe ich kundenspezifische Maschinensteuerungen entwickelt. Das lief sechs Jahre, als Anfang der 90er-Jahre die Feldbus-Technik aufkam. Wir waren von Anfang an dabei.« Zu der Zeit sammelte Hilscher als Dienstleister für die damalige AEG Daten im Feld in Automobilanlagen von Daimler, die wir aufbereitet und an eine SPS weitergeleitet. haben.« Schrittweise ist das Unternehmen dann ganz in die Kommunikationstechnik eingestiegen. »Wir hatten die Chance, das Unternehmen parallel mit dieser Technik zu entwickeln und daran zu wachsen«, erinnert sich Hilscher.

Zu dieser Zeit hatte Hilscher zehn Mitarbeiter. Ein wichtiger Motor waren weiterhin die Aufträge aus den diversen Fachabteilungen von AEG. »Im Zuge dieser Projekte haben wir aber gemerkt, dass Komponenten für die Gateways oder den PC fehlen«, erzählt Hilscher, »und haben angefangen, solche Komponenten zu entwickeln.« Ungefähr 1998 musste sich der Unternehmer dann endgültig entscheiden, ob der Fokus auf Projekten oder Produkten liegen sollte und gab den Produkten den Vorzug. Sehr hilfreich war dabei der bereits gewonnene Hintergrund aus dem Maschinenbau, dem Einsatz in Produktionsanlagen, vor allem im Automobilsektor. Zuerst lief der Vertrieb hauptsächlich über Ingenieurbüros.

Einen großen Push erhielt das wachsende Unternehmen durch das Thema Soft PLC. »Das war auf einmal ein großer Hype, PC-gestützte Steuerungstechnik war dabei, die klassische SPS-Technik abzulösen. Wir haben darüber intensiv nachgedacht und uns in diesen Trend eingeklinkt«, schildert Hilscher. »Das hat uns stark nach vorne gebracht, weil wir PC-Karten für unterschiedliche Feldbusse liefern konnten. So sind wir relativ schnell 50 Mitarbeiter gewesen.«

Der bestimmende Feldbus in dieser Phase war Profibus, der durch die Soft-SPSen massiv in den Markt geschwemmt war, aber auch Interbus und Ethernet waren stark vertreten. »Für führende Kommunikationsstandards hatten wir alle PC-Karten im Programm sowie Treiber für die unterschiedlichen Visualisierungssysteme.« Das Ethernet benötigte aber keine PC-Karten und darum konzentrierte sich Hilscher ab 2005 auf die Kommunikationstechnik in den Peripheriegeräten selbst, also auf Slave-Devices, Antriebe oder I/Os.

Hilscher begann, eine eigene Controller-Technologie zu entwickeln, die sämtliche Ethernet-Kommunikation in einem Baustein realisieren konnte. »Wir haben erstmals alle Feldbusse auf einem Chip vereint, inklusive Realtime-Ethernet. Alle Varianten waren in einer Technologie integriert.« Die Basis dieser Entwicklung bildete eine spezielle Software von Hilscher, die den Baustein in seinen Funktionen an die diversen Kommunikationsnetzwerke anpasst. »Das war zu der Zeit ein echtes Novum und diese Technologie haben wir komplett selbst entwickelt«, freut sich der Geschäftsführer.

NetX war geboren. »Net steht für Netzwerktechnik und das X für jede x-beliebige Variante. Das ist unser Anspruch. Grundmodell ist der NetX 100, der seit 2006 erhältlich ist und den wir mit Recht als ersten universalen Netzwerk-Controller für die gesamte Kommunikationstechnik bezeichnen.«

Marketingtechnisch und von der Position im Markt war NetX eine echte Erfolgsstory. »Bei den Kunden mussten wir NetX erst etablieren, denn die Technologie war neu und der Markt skeptisch. Viele fürchteten einen Eingriff in ihre eigene zentrale Technologie. Zudem ist Realtime-Ethernet viel langsamer gewachsen als angenommen, die meisten Kunden vertrauten eher auf Profibus«, skizziert Hans-Jürgen Hilscher die Situation. »Aber irgendwann implementierten die Firmen Realtime-Ethernet in ihre Geräte und wir kamen mit unserem Controller zum Einsatz. Das begann 2006 und so sind wir jetzt schon an die sieben Jahre mit dieser Technologie im Markt unterwegs. Heute haben wir weltweit rund 200 Kunden, die NetX in größeren Stückzahlen einsetzen.«

Für alle Segemente das Richtige

Hilscher hat fünf NetX-Controller im Angebot. Es gibt welche für kleinere Applikationen, sehr leistungsstarke, mit zwei oder vier Kommunikationsschnittstellen. So kann das Unternehmen alle Segmente im Markt abdecken. In den Anwendungen liegt ein prinzipieller Schwerpunkt bei der Fabrikautomatisierung. »Der Anteil liegt bei 80 Prozent, weil es hier auf hohe Geschwindigkeiten ankommt, auf kurze Zykluszeiten und hohe Datenmengen«, erklärt Hans-Jürgen Hilscher. »Und da nehmen Realtime-Ethernet-Systeme einfach die Vorreiterrolle ein.« Durch die Hilscher-Tochter System on Chip in Berlin liegt das gesamte Know-how der Chipentwicklung in eigener Hand. »Wir können Funktionen einbauen und die Performancewerte den Anforderungen des Marktes anpassen.«

Ein anderer großer Bereich in der Kommunikationstechnik sind die Gateways. Hier kann Hilscher dank der NetX-Technologie sehr flexibel reagieren. »Wir benötigen nur ein kleines Hardware-Portfolio, weil wir die unterschiedlichen Gateway-Varianten über unsere Software konfigurieren. Ein Baustein unterstützt bis zu vier Netzwerke, der NetX-Controller überführt ein Gateway mit nur einem Chip von einem Netzwerk in das andere.« Bis heute sind über 300 verschiedene Gateway-Kombinationen entstanden, die Handhabung ist einheitlich und der Kunde kommt mit einem kleinen Lager aus. Einige schließen ihre Antriebe über ein Hilscher-Gateway an und die Software erledigt die Anbindung an das jeweilige Netzwerk.

Neu sind die Netzwerk-Controller NetX 51 und NetX 52, die alle Realtime-Ethernet-Systeme beherrschen und alternativ auch einen Feldbus. »Der Funktionsumfang ist aber weitaus größer«, sagt Hans-Jürgen Hilscher, »weil wir eine zweite CPU eingebaut haben für kritische Applikationen. Denn bei einer Zykluszeit von 100 Mikrosekunden müssen die Daten sehr schnell bei der Applikation landen. Zudem gibt es eine weitere Ethernet-Schnittstelle für die Diagnose und die entsprechenden Tools und Softwarebausteine.

Hilscher bietet also ein durchgehendes Portfolio für die Kommunikationstechnik. »Durch unsere vielen Kundendesigns sehen wir das Thema Realtime-Ethernet gut im Markt angekommen. Den aktuellen Schwerpunkt bildet Profinet mit dem Übergang auf die Performance- und Funktionserweiterungen der Version 2.3. Wir sehen eine zweite Entwicklungswelle, die vom Volumen deutlich höher ist und auf Systemebene abläuft. Zunehmend rücken dabei auch die Kosten in den Vordergrund«, blickt Hans-Jürgen Hilscher in die Zukunft. Aufgrund der langjährigen Erfahrung sieht er sein Unternehmen dafür gut aufgestellt.

Auf einen Blick

Hilscher GmbH

-Unabhängiges, inhabergeführtes Familienunternehmen, gegründet 1986 von Hans-Jürgen Hilscher, Stammsitz sowie zentrale Entwicklung, Verwaltung und Produktion in Hattersheim bei Frankfurt, dort rund 150 Mitarbeiter.

-Hilscher-Gruppe ungefähr 220 Mitarbeiter insgesamt, mit weiteren Entwicklungsstandorten in Bulgarien und den USA.

-Hilscher-Tochter System on Chip in Berlin für die Entwicklung der NetX-Controller.

-Standbeine: Technologie (Chips, Software), Produkte (PC-Karten, OEM-Module, Gateways), kundenspezifische Designs.

-Optional übernimmt das Unternehmen auch die komplette Entwicklung, Fertigung, Zertifizierung und Pflege kundenspezischer Kommunikationsanschaltungen.

Erschienen in Ausgabe: 01/2013