Vorsprung durch Innovation

Porträt

Jubiläum – Die Moba AG in Limburg ist ein weltweit führender Hersteller von Sensoren und elektronischen Komponenten für mobile Arbeitsmaschinen. Den Grundstein für den Erfolg des Unternehmens legte Firmengründer Paul Harms vor genau 40 Jahren.von Björn Thomsen

16. Februar 2012

Eine Grundlage für erfolgreiches Unternehmertum ist meist auch der Mut zu einer eventuell risikobehafteten Entscheidung.

Ein gelungenes Beispiel hierfür liefert die Geschichte der Moba AG aus Limburg an der Lahn, heute ein internationaler Marktführer für Elektronik, Sensorik, Identifikationstechnik und Wägetechnik für den Einsatz in Baumaschinen, Entsorgungsfahrzeugen und anderen mobilen Anwendungen: Hier stand am Anfang der Entschluss des Firmengründers Paul Harms im Jahre 1972, sich nach einem jahrzehntelangen, gesicherten Angestelltendasein selbstständig zu machen.

Der heute 80-jährige gelernte Instrumentenmechaniker, Wärmetechniker und Maschinenbauingenieur arbeitete damals bereits seit 17 Jahren bei dem US-amerikanischen Mischkonzern Honeywell im Vertrieb für Mess- und Regelgeräte, zuletzt als Produkt Marketing Manager für Industrieprodukte in der Europazentrale des Konzerns in Brüssel.

Seine Aufgabe war unter anderem die weltweite Abstimmung der Produktion sowie die Betreuung von Neuentwicklungen, deren Marktpotenzial noch offen war und die nicht in die üblichen Produktbereiche des Unternehmens wie Luftfahrt, Industrie oder Klimatechnik passten, wie beispielsweise Messgeräte zur Wasserreinhaltung.

Als jedoch die unterschiedlichen Unternehmenskulturen und Gehaltsregelungen zwischen den internationalen Gruppen zunehmend Probleme bereiteten, stand für Paul Harms fest, seine Karriere in dem internationalen Großkonzern zu beenden.

Bescheidener Anfang

Statt dessen gründete er sein eigenes Ingenieurbüro und verlegte seinen Arbeitsplatz von der glitzernden Konzernzentrale in Brüssel in ein einfaches Einfamilienhaus in Steinbach bei Frankfurt. Zunächst übernahm Harms die Vertretung für Produkte des US-amerikanischen Honeywell-Wettbewerbers Grad-Line mit Sitz in Seattle, die hauptsächlich zur Temperatur- und Niveauregelung bei Asphaltmaschinen eingesetzt werden.

Zudem leistete er den Service für die damals noch recht anfälligen analogen elektronischen Geräte. Schnell konnte Harms die Geräte jedoch auch modifizieren und so in verbesserter Form anbieten. Bald folgten zudem selbstgebaute Produkte in kleiner Stückzahl auf der Basis eigener Patente, die unter dem Namen Moba vertrieben wurden.

Zwar importierte Harms weiter auch Produkte aus den USA, doch entstand nach und nach für die verschiedenen Produkte eine eigene Fertigung. Der »Renner« waren dabei zunächst Höhenregler für Straßenbaumaschinen. Der Vertrag mit dem US-amerikanischen Lieferanten bestimmte jedoch, dass Harms dessen Geräte ausschließlich in den Baumaschinenmarkt verkaufen durfte. Seine eigenen Produkte lieferte er deshalb statt dessen vor allem in den Markt der landwirtschaftlichen Geräte wie Aussaat-, Bearbeitungs- und Erntemaschinen.

Früher Erfolg bei Landmaschinen

Der erste Auftrag für das junge Unternehmen mit damals lediglich drei Mitarbeitern betraf die Niveauregulierung einer Rübenhackmaschine, später folgten Zubehörgeräte für einen Düngerstreuer oder für eine Schweinefütterungsanlage sowie unter anderem die Entwicklung der Elektronik für einen Futterwagen mit integrierter Wiegung für die Rinderzucht.

Die überzeugende Qualität der modifizierten Geräte machte Moba bald zu dem führenden Unternehmen im Bereich von Messtechnik und Sensorik für die Landwirtschaft. Schnell wurden weitere Mitarbeiter eingestellt. In den 80er-Jahren zog das Unternehmen um nach Hadamar im Westerwald, und 1986 mit etwa 40 Mitarbeitern und den ersten eigenen Auszubildenden weiter in die nahe gelegene Gemeinde Elz.

Zugleich veranlasste jedoch der Preisverfall in der Landmaschinenbranche Harms zunehmend dazu, sich auf andere Märkte zu konzentrieren und sich statt dessen hauptsächlich dem Markt der Straßenbaumaschinen zuzuwenden.

Bald entwickelte Harms maßgeschneiderte Komponenten und Systeme für den Einsatz in Fräsen, Teermaschinen, Gradern und Bulldozern. Zu den typischen Anwendungen zählen die Nivellierung, die Höhen- und Neigungserfassung, die Materialsteuerung, die Temperatur- und Zündüberwachung, die 3D-Steuerung sowie frei programmierbare Steuerungen und kundenspezifische Hard- und Softwareentwicklung. Der Landmaschinenmarkt dagegen trägt heute nur noch etwa zwei Prozent zum Gesamtumsatz des Unternehmens bei, der zuletzt rund 51 Millionen Euro pro Jahr betrug.

Qualität setzt sich durch

Entscheidend für den Erfolg seines Unternehmens ist für Harms dessen Innovationsstärke. So entwickelte Moba beispielsweise den ersten Abstandssensor für Teermaschinen, der mit Ultraschall anstelle eines mechanischen Bügels arbeitet und der trotz schwankender und hoher Temperaturen und dem Einsatz im Freiland sehr genau und zuverlässig arbeitet.

Heute hält Moba hier einen Marktanteil von 75 Prozent, und Pauls Harms ist sich sicher, dass die Qualität dieser Sensoren kaum noch verbessert werden kann – und verrät ein deutliches Indiz für diese Annahme: »Selbst der Mitbewerb kauft bei uns.«

Ein großer Sprung in der Entwicklung des Unternehmens war vor allem die Einführung der Digitaltechnik im Laufe der 1980er-Jahre, erinnert sich Harms: Gefragt waren jetzt andere Kenntnisse im Bereich der Elektronik, der Fertigung, der Entwicklung, der Programmierung. Viele Fachleute oder Bauteile waren jedoch zunächst nicht verfügbar, so dass Harms seine Spezialisten selbst heranziehen musste.

Eine große Umwälzung war auch die zunehmende Globalisierung des Geschäfts. So war Moba bis in die 90er-Jahre ein typischer deutscher Mittelständler mit weniger als 100 Mitarbeitern, regional aufgestellt in einem regionalen Markt, lediglich seit 1985 gab es schon eine Niederlassung in Italien.

Ab ungefähr 1995 öffnete sich jedoch vor allem der ostasiatische Markt, und Moba expandierte mit neuen Niederlassungen in Frankreich, den USA, China, Spanien, Indien, in der Schweiz und Großbritannien. Daneben bestehen Niederlassungen in Dresden sowie in Langenlonsheim bei Bad Kreuznach.

Heute erwirtschaftet die Unternehmensgruppe etwa zwölf Prozent ihres Umsatzes allein in China, und für Harms steht fest, dass Moba in seinem High-End-Markt auch in Fernost weiter bestehen kann: Schließlich könnten es sich auch die Chinesen nicht leisten, dass eine Straßenbaumaschine im Einsatz zum Stillstand kommt.

Die Qualität hat deshalb heute auch im chinesischen Baumaschinenmarkt allerhöchste Priorität. Harms macht sich deshalb nur wenig Sorgen um mögliche Plagiatsversuche: »Ich glaube nicht, dass chinesische Produkte in den nächsten fünf Jahren unseren Standard erreichen können.«

Ebenfalls in den 90er-Jahren begann auch der Generationswechsel in der Führung des Unternehmens. So stieg 1993 Paul Harms Sohn Volker Harms, Jahrgang 1964, in das väterliche Unternehmen ein und übernahm zunächst die kaufmännische Leitung der Moba-Niederlassung in Dresden. 1999 wechselte der studierte Betriebswirt in die USA nach Atlanta im US-Bundesstaat Georgia und baute dort die US-amerikanische Tochtergesellschaft des Unternehmens auf.

Seit einem erneuten Umzug 2004 an den aktuellen Standort im Norden von Limburg an der Lahn leitet Volker Harms heute das Unternehmen als Vorstandsvorsitzender der Moba Mobile Automation AG. Firmengründer Paul Harms sieht das Unternehmen damit nach inzwischen 40 Jahren gut gerüstet fürdie Zukunft und ist sich sicher: »Solange wir nicht stillstehen, werden wir weiterhin einen guten Markt haben.«

-Die Moba Mobile Automation AG in Limburg an der Lahn ist ein führender Hersteller von Sensoren, Reglern, I/O-Erweiterungen, Bedieneinheiten und der zugehörigen Software für den Einsatz in mobilen Arbeitsmaschinen.

-Die Kernkompetenzen des Unternehmens liegen in den Bereichen Erdbau und Mining, Straßenbau, Umwelttechnologien, Logistik sowie sicherheitsrelevante Technologien.

-Die Produkte und Systeme ermöglichen beispielsweise die Nivellierung, Schichtdickenmessung, Verdichtungskontrolle, Temperaturüberwachung, Höhen- und Neigungssteuerung sowie Telematik im Erd- und Straßenbau oder die Behälteridentifikation, Wägung und Materialsteuerung bei Entsorgungsfahrzeugen. Dazu kommen unter anderem Steuer- und Leitsysteme, 2D/3D-Maschinensteuerungen, Bordcomputer und Software.

Erschienen in Ausgabe: 01/2012