Vorteil beim Montieren

Energieführungsketten - Mit pfiffigen Ideen bauen mittelständische Unternehmen ihre Innovationsführerschaft aus. Damit die Position eins in Sachen Innovation keine kühne Behauptung bleibt, argumentiert ein Mittelständler mit einer Refa-Studie zu zwei Typen seiner Energieführungsketten.

16. September 2005

Energieführungsketten im Anlagenbau können erst vor Ort vollständig zusammengebaut werden, weil sich die exakte Dimensionierung nicht vorher planen lässt. Kostspielig wird der Zusammenbau dann, wenn der Monteur es mit Kettenbauteilen zu tun hat, die er nur mit hohem Zeitaufwand zusammensetzen kann. Beinahe noch entscheidender sind Demontagearbeiten an der Kette, wenn die Belegung geändert werden für die Zufuhr von Medien wie Elektrizität, Hydrauliköl, Luft, Wasser, Gas oder Dampf. Solche Änderungen sind nicht selten, und meistens muss es auch noch schnell gehen, denn Maschinen-Stillstandszeiten sind teuer. Die Verfügbarkeit einer Produktionslinie hängt nicht selten mit der Revisionsdauer solcher Bauteile zusammen. Durch intensive Kundennähe und ausgefeilte Ideen ist es der Murrplastik Systemtechnik GmbH in Oppenweiler gelungen, solche Zeiten bei der Montage und Demontage von Energieführungsketten deutlich zu verringern und so den Kundennutzen entscheidend zu verbessern.

Fast 60 Prozent Zeitersparnis

Doch wie groß ist die Zeitersparnis im Vergleich mit Wettbewerbsprodukten de facto? In einer einzigartigen Studie in Zusammenarbeit mit der Refa Consult wurde nachgewiesen, dass sich beim Arbeiten mit Murrplastik-Energieführungsketten bis zu 59 Prozent pro Arbeitsschritt an Zeit sparen lassen. Bei einer Vielzahl von Schritten summiert sich das. Im April dieses Jahres wurden zwei Testreihen durchgeführt, bei denen die Murrplastik-Ketten MP 52.2 PowerLine und MP 82.2 HeavyLine mit vergleichbaren Energieführungsketten eines anderen renommierten Lieferanten auf den Zeiteinsatz beim Montieren der Produkte hin untersucht wurden. Die Arbeitsschritte entsprachen exakt der Praxis: die Seitenstrangmontage, die Montage zum U-Teil, bei der die Rahmenstege im Außenbogen angebracht wurden, sowie das Einbringen des Regalsystems und das Belegen mit Kabeln. Bei jedem dieser Schritte konnte das Unternehmen aus Oppenweiler Zeitvorteile verbuchen.

Alle Prüfsegmente hatten die gleiche Länge. Die Montagen nahm immer derselbe Testmonteur vor, der vom Refa-Spezialisten Ulrich Eul beobachtet wurde. Bereits bei den Seitensträngen zeigt sich der anwendungstechnische Kundennutzen der Murrplastik-Energieführungsketten. Bei der Montage werden die einzelnen Seitenglieder im Winkel zueinander zusammengesteckt. Nach einer kleinen Drehung signalisiert ein vernehmliches ›Klick‹ die korrekte Verbindung beider Teile. Um die Verbindung zu lösen, verdreht man die Seitenglieder wieder zueinander und hebelt sie dann mit einem Schraubenzieher auseinander. Beim Wettbewerbsprodukt müssen die Seitenglieder sowohl bei der Montage als auch bei der Demontage schräg zueinander stehen. Das erfordert beim Montieren mehr Zeit und Kraftaufwand. Beim Demontieren ist die Schrägstellung der Seitenglieder - wenn überhaupt - nur schwer zu erreichen, wenn aus einer fertigen Kette, deren Seitenstränge parallel verlaufen, einzelne Glieder entfernt werden sollen.

Demontieren erleichtert

Beim Zusammenfügen der beiden Seitenstränge mit den Rahmenstegen zu einem U-Teil tat sich der beobachtete Monteur bei allen vier Produkten vergleichsweise leicht. Bei der schwereren Kette hatte das Wettbewerbsprodukt bei der Montage zum Seitenstrang leichte Zeitvorteile. Die Art, wie bei Murrplastik die Rahmenstege mit den Seitensträngen verbunden werden, bringt dann aber beim Demontieren entscheidende Zeitersparnisse. Das war zwar nicht Gegenstand der Studie, kommt aber häufig vor. Die hochbelastbare Verbindung zwischen Rahmensteg und Seitenwand ist sowohl bei der MP 52.2 als auch bei der MP 82.2 formschlüssig. Die Rahmenstege werden gleichmäßig mit beiden Enden in die Passungen der Seitenglieder eingeführt. Durch Eindrücken der knallroten Rahmensteg-Verriegelungen werden die Stege sicher gehalten. Will man die Rahmenstege wieder entfernen, werden lediglich die Verriegelungen mit einem Schraubenzieher gelöst, bis die Stege freigegeben sind - schnell und ohne sich zu verletzen. Beim Wettbewerbsprodukt gibt es diese Art von Verriegelung nicht, folglich ist die Demontage weitaus mühsamer und zeitaufwändiger.

Besonders augenfällig sind die Unterschiede beim Montieren des Regalsystems. Hier gewannen die innovativen Schwaben Zeitvorteile von 58 bzw. 59 Prozent. Die im Innern einer Energieführungskette in regelmäßigen Abständen eingesetzten Regale erfüllen wichtige Aufgaben. Leitungen und Schläuche müssen in einer Kette einzeln oder lose nebeneinander verlegt sein, damit sie sich frei bewegen können. Das ist aber beim Verlegen mehrerer Leitungen und Schläuche über- und nebeneinander nur mit Trennstegen oder Regalsystemen zu erreichen, denn nur dann ist die Platzierung des Ketten-Innenlebens exakt definiert. Überdies sorgen die Regale dafür, das die gewünschte symmetrische Gewichtsverteilung (schwere Leitungen außen, leichtere Leitungen innen) erhalten bleibt.

Klappbares Regalsystem in der Kette

Zu einem Regal gehören mindestens zwei Regalträger und ein Regalboden, auf dem später die Leitungen und Schläuche liegen. Die Trennstege sehen aus wie kleine Kragarmregale, in die sich mehrere Regalböden einschieben lassen, um eine vertikale Trennung bei der Belegung zu erzielen. Für die Zeitstudie verwendeten die Murrplastik-Spezialisten ihr klappbares Regalsystem mit teilbaren Regalträgern, bei dem die offenen Seiten der ›Kragarme‹ durch einen Klappmechanismus verschlossen werden. Diese Technik ist ein besonderes Highlight, denn sie erlaubt es, Belegungsveränderungen vorzunehmen, ohne große Teile der Energieführungskette zerlegen zu müssen.

Bei der Montage der Trennstege rasten diese fest in die Rahmenstege ein. Mit der fein abgestuften Rasterung der Rahmenstege und der zusätzlichen Rasterkennzeichnung haben sich die Spezialisten aus Oppenweiler eine innovative Arbeitshilfe ausgedacht: Die Montage gemäß Bestückungsplan erfolgt viel schneller und immer exakt nach Vorgabe. Außerdem können die Teile - unabhängig von der Einbaulage - nicht verrutschen.

Helmut Jostmeier, Murrplastik Systemtechnik

Erschienen in Ausgabe: 06/2005