Vorteil Mechatronik!

Forum Mechatronik - In Blomberg treffen sich am 17.1. die Spitzen des deutschen Maschinenbaus. Thema ist Mechatronik. Wer dabei ist, bekommt geboten, was er nicht durch Einladen von Zulieferern einfacher bekommen kann. Einige Statements des Mechatronischen Arbeitskreises zum Forum.

15. November 2005

Warum ein zweites Forum ›Mechatronik im Maschinenbau‹? War Esslingen nicht erfolgreich und anregend genug?Peter Synek, VDMA: Mechatronik ist derart komplex, dass sicherlich nicht eine einzige Veranstaltung ausreicht, um alle Fassetten darzustellen. Die erste Veranstaltung in Esslingen hatte einen thematischen Schwer­punkt auf der Software - Software allein steht aber nicht für Mechatronik. Synergien, die sich aus dem Verschmelzen der Disziplinen Mecha­nik, Elektrik/Elektronik, Steuer- und Regelungstechnik, Sensorik und Diagnostik und Informationstechnik, hierin enthalten ist die Software, ergeben, stellen das mechatronische System dar.

Dr. Reinhard Hüppe, ZVEI: Esslingen war erfolgreich und auch anregend, natürlich. Dadurch ist mancher aber erst auf den Geschmack gekommen. Vor allem um die Nachhaltigkeit dieser absolut notwendigen Denk- und Handlungsweise sicher­zustellen scheint mir eine Wiederholung zielführend.

Andreas Keiger, ABB: Das zweite Mechatronik-Forum nun in Blomberg setzt konsequent das Ziel des mechatronischen Arbeitskreises um, die Anbieter von Komponeneten und Lösungen auf der einen Seite mit den Nutzern und Endanwendern auf der anderen zusammenzubringen. Ziel in Blomberg ist es, die Durchmischung zwischen den einzelnen Parteien besser zu gestalten, um Trends und künftige Anforderungen des Maschinenbaues in die Herstellerwelt und umgekehrt zu tragen.

Tobias Vogel, Igus: Nach der erfolgreichen Auftaktveranstaltung bei Festo möchten wir nun in Blomberg vor allem die Vorteile hinsichtlich Vereinfachungen diskutieren und präsentieren. Häufig wird der Mehrwert der Mechatronik erst dann deutlich, wenn man ein Problem mit der Anlage hat. Deshalb denken wir an Referenten aus den Bereichen Verpackung, Handling etc., die Vorteile durch Mechatronik vorstellen.

Andreas Schuster, Schunk: Der überwältigende Erfolg der Auftaktveranstaltung im Haus Festo ist nicht nur die Bestätigung der Arbeit des Mechatronikkreises, sondern auch der Beweis, dass Bedarf an solchen Gesprächen bei zahlreichen Unternehmen besteht. In Esslingen wurden im Rahmen der Open Space-Veranstaltung viele Themen auf­gegriffen. Man spürte förmlich den Wunsch der Teilnehmer, an diesen Themen dran zu bleiben. Für uns war das die Aufforderung, diese Foren mit Regelmäßigkeit voranzutreiben.

Claus Kühnl, Phoenix Contact: Die Diskussion um Mechatronik im Maschinenbau ist ein Prozess, nicht eine einmalige Aktion. Diese Diskussion muss ständig geführt werden, damit auch immer wieder neue Einflüsse auf die Mechatronik angesprochen werden können. Des Weiteren stand in Esslingen das Thema Organisationsformen für Mechatronik im Mittelpunkt, andere mechatronische Themen wurden nur angerissen. Nun soll als zweites Thema die Vereinfachung durch Mechatronik diskutiert werden. Auch das Networking im deutschen Maschinenbau muss weiter ausgebaut werden. Esslingen war gut, um Kontakte zu knüpfen, in weiteren Foren müssen diese Kontakte gestärkt werden.

Veranstaltungsort ist Blomberg. Phoenix Contact plus Nachbarschaft stehen für elektronische Kompetenz. Was hat ein Maschinenbauer hier zu suchen?Hüppe: Weil er hier einen Spezialisten für das ›-tronik‹ in Mechatronik direkt trifft. Auch die Kompetenz in Verbindungstechnik ist für einen Maschinen­bauer interessant. Außerdem hat Phoenix selbst einen großen Maschinenbaubereich für die Montage, man trifft sich sozusagen bei einem Kollegen.

Kühnl: Deutsche Maschinen bestehen heute zu großen Teilen aus Elektronik und Software. Der mechanische Anteil sinkt stetig. Elektronik und Software sind die Erfolgsfaktoren des Maschinenbauers, darum ist der Kontakt zu den Partnern aus der Elektrotechnik wichtig.

Was meinen Sie mit der Aussage im Untertitel ›Branchenübergreifend voneinander lernen‹? Ist das nicht längst selbstverständlich?Hüppe: Theoretisch ja, aber die Praxis zeigt, dass man immer wieder aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln auf diese Notwendigkeit hinweisen und auch einwirken muss. Das ›miteinander‹ ist nicht nur eine Voraussetzung für das Funktionieren von Mechatronik, es ist auch Voraussetzung für die Weiterentwicklung, das Überleben des Produktionsstandortes Deutschland: Technologische Führerschaft geht einfach nicht ohne Miteinander.

Schuster: Wir wollen auch über tägliche Probleme bei der Entwicklung und dem Einsatz mechatronischer Systeme sprechen. Beim ersten Forum hat man schnell gemerkt, so unterschiedlich die Branchen auch sind, die Probleme sind ähnlich. Genau das macht es spannend, die Lösungen anderer zu hören.

Keiger: Im internationalen Wettbewerb muss der deutsche Maschinenbau Synergien branchenübergreifend nutzen. Innovationen dürfen nicht einem kleinen Kreis von Herstellern vorbehalten bleiben.

Synek: Kommunikation ist die entscheidende Voraussetzung im Gesamtsystemdenken. Die Experten der Einzeldisziplinen müssen das Gesamtsystem und nicht nur den einzelnen Systembaustein im Fokus haben.

Worauf zielen Sie mit dem OpenSpace-Teil des Forums?Martin Beier, Festo: OpenSpace ist ein Synonym für Mechatronik! Beides steht für spannende Auseinandersetzung, erstaunliche Ergebnisse und verblüffende Lösungen. Beides benötigt offene Diskussions- und Streitkultur, Mechatronik nicht im Korset ergebnisorientiert zu diskutieren: Sondern Raum geben für spannende Gedanken, die kritisch geprüft und weitergesponnen werden.

Synek: Hier wird innerhalb einer fest vorgeplanten Veranstaltung den Teilnehmern ein Stück Freiheit zur Selbstgestaltung des Programms geboten: Jeder bringt sein Thema ein, um es mit anderen zu diskutieren. Eine gute Möglichkeit, zu erkennen, welche Themen von Interesse sind, um diese vor Ort zu besprechen und beim nächsten Forum wieder aufzugreifen.

Kühnl: Der OpenSpace ist der Kern des Forums, dies zeigte die angeregte Diskussion beim Forum in Esslingen. Viele Teilnehmer wünschten sich mehr Zeit für den disziplinenübergreifenden Informationsaustausch.

Welche Zielgruppen wollen Sie ansprechen? Was haben diese vom Forum?Hüppe: Personen, die mit branchenübergreifenden Aufgaben konfrontiert werden, die Beispiellösungen abstrahieren und auf ihr Problem transformieren und die dabei Führungsauf­gaben erfüllen. Wegen Projektleitungsmängeln gescheiterte Projekte gibt es zur Genüge.

Josef Schmidt, SEW: Persönliche Kontakte und Netzwerkbildung sind wichtige Gründe, das Forum in Blomberg zu besuchen. Wie in Esslingen entstehen Kontakte zwischen Personen, die Gleiches bewältigen müssen. Aber auch interdiszi­plinärer Austausch findet statt zwischen Personen, die sonst nicht miteinander in Kontakt kommen. Dadurch wird der mechatronische Gedanke transparent.

Peter Schäfer

Erschienen in Ausgabe: 08/2005