Wartungsfrei, exakt und sauber

Elektromechanik - Für Lösungen mit einem hohen Anspruch an die Hygiene eignen sich sehr gut elektrische Schubspindelantriebe. Sie ermöglichen präzise und kraftvolle lineare Bewegungen und erfüllen dabei die hohen Sauberkeitsanforderungen der Reinraumtechnik.

30. März 2007

Der Begriff »Sauberkeit« wird üblicherweise nicht sofort mit Antriebstechnik in Verbindung gebracht - dennoch spielt er im Maschinenbau eine immer wichtigere Rolle, etwa bei der Ausstattung von Reinräumen oder der Produktion von Lebensmitteln oder Medikamenten. Grundsätzlich kommen in diesem Bereich zwar alle Arten von Antrieben zum Einsatz, jedoch bieten elektrische Antriebe besondere Vorteile, sagt Hartmut Blum, Niederlassungsleiter des Linearantriebstechnik-Spezialisten Elero aus Beuren bei Nürtingen, und prophezeit: »Elektrische Schubspindelantriebe sind eine Zukunftstechnologie, die langfristig viele hydraulische und pneumatische Antriebe ersetzen wird, besonders in hygienisch anspruchsvollen Bereichen.«

Der größte Vorteil von elektrischen Linearantrieben gegenüber hydraulischen und pneumatischen Lösungen ist ihre Dichtheit: Für einen Einsatz in reinen Räumen müssen sie nicht aufwendig verkapselt werden, weil bei ihnen keine Gefahr einer Leckage besteht. Bei Hydraulik- oder Pneumatiksystemen dagegen kann eine Undichtigkeit gravierende Auswirkungen haben, zum Beispiel wenn in der Pharmaindustrie teure Rohstoff e verunreinigt werden oder wenn es in der Lebensmittelindustrie zu Qualitätsbeeinträchtigungen kommt.

Saubere Antriebe für Käseproduktion

Nicht zuletzt aus diesem Grunde verwendet beispielsweise der Käsereiausrüster Alpma Alpenland Maschinenbau GmbH aus Rott am Inn in seinen Maschinen für die Käseproduktion den Linearantrieb Econom von Elero. Der leicht zu reinigende Edelstahlantrieb verstellt bei diesen Anwendungen Greifer, öffnet und schließt Zentriereinrichtungen und bewegt automatische Schüttanlagen. Der Schubspindelantrieb mit einem witterungsresistenten Edelstahlgehäuse wurde ursprünglich für die Fassadenarchitektur konzipiert und stößt heute zunehmend in der Maschinenbaubranche auf Interesse, wo der leicht zu reinigende, schmiermittelfreie Antrieb vor allem in der Lebensmittelproduktion eingesetzt wird. Für Siegfried Dürmeier, Leiter Entwicklung bei Alpma, waren zwei Eigenschaften entscheidend für die Auswahl des Economs: »Neben der exakten Positionierbarkeit war die Hygiene besonders wichtig, schließlich kann schon die geringste Verunreinigung durch Keime den Käse beim späteren Reifungsprozess verderben.«

Vielfältige Einsatzgebiete

Gefragt sind die Antriebe jedoch nicht nur in der Lebensmittelproduktion, sondern überall, wo eine kontrollierte, lineare Bewegung benötigt wird. So positionieren elektrische Schubspindelantriebe beispielsweise Greifer, Klappen und Schlitten auf den Zehntelmillimeter genau, verriegeln Rolltüren oder bewegen Kippvorrichtungen, Versenkfenster und Scherenhubtische. Verwendung finden die vielseitigen Antriebe aber auch beim Öffnen und Schließen der Brennkammern im Industrieofenbau, in der Druckindustrie zur Positionierung der Bögen beim Beschneiden und sogar in Schneekanonen und Achterbahnen. Gründe für die Flexibilität dieser Antriebstechnik sind ihr geringer Platzbedarf bei hoher Leistung sowie der unkomplizierte Einbau, denn im Gegensatz zur Hydraulik und Pneumatik ist kein zusätzliches Aggregat erforderlich. Ihre konstante Hubgeschwindigkeit und die mechanische Selbsthemmung prädestinieren die Antriebe besonders für Maschinen, bei denen eine Ruheposition gehalten werden muss, zum Beispiel beim Spannen von Ketten und bei Hubtischen. Hinzu kommen Einbausituationen, in denen die Zufuhr von Medien wie Luft und Öl schwierig ist, elektrische Energie aber zur Verfügung steht, etwa auf Antennenmasten oder an Fassadenelementen. Bei solchen Anwendungen bewährt sich auch die robuste Bauweise der Linearantriebe: Sie sind wartungsfrei, wenig fehleranfällig und unempfindlich gegen schädliche Umwelteinflüsse wie Hitze, Kälte und Staub.

Ein prominentes Beispiel ist der Sonnenschutz am Bundeskanzleramt in Berlin, der mit Linear antrieben von Elero bewegt wird.

Große Kraft auf kleinem Raum

Zum Einsatz kommen elektrische Linearantriebe inzwischen jedoch immer mehr auch in Anwendungsgebieten, die bisher hauptsächlich hydraulischen und pneumatischen Antrieben vorbehalten waren, wo also hohe Kräfte bei kleinem Volumen oder schnelle, eher ungenaue Bewegungen und ein Betrieb unter robusten Bedingungen gefragt sind, etwa in Baumaschinen oder Krananlagen. »Diesen Trend beobachten wir bei allen Anwendungsgebieten, vom Maschinenbau bis hin zur Fassadentechnik«, erklärt Elero-Niederlassungsleiter Blum. Ein Beispiel ist der Schubspindelantrieb Vario 2, der zum Beispiel im Schiffsbau, in der Förder- und Nachrichtentechnik oder im Fahrleitungsbau verwendet wird. Entscheidend ist hier weniger die Sauberkeit als vielmehr die große Kraft auf kleinem Raum. Hier bietet die Baureihe derzeit eine Schubkraft bis 100 Kilonewton.

Eckhard Gruber, Elero

FAKTEN

¦ Elero ist spezialisiert auf elektrische Antriebe und Steuerungen für Rollläden und Tore. Ein zweiter Geschäftsbereich entwickelt und fertigt elektrische Linearantriebe für den Maschinenbau.

¦ Mit zwei Produktionsstätten, elf Vertriebsniederlassungen und über 500 Mitarbeitern ist das Unternehmen international vertreten.

Erschienen in Ausgabe: 02/2007