Waschen, schneiden, legen

CAD - Konstruktion und Industriedesign in 3D-CAD sind nicht nur im Maschinenbau zu Hause. Bei innovativen Produkten stoßen klassische Grafikprogramme schnell auf Grenzen. Soll die Gestaltung überzeugen und dem Hersteller einen ökonomischen Mehrwert versprechen, sind Softwarelösungen aus der 3D-CAD-Ecke gefragt.

01. Juli 2005

Längst haben Unternehmen wie die in München ansässige modern.need GmbH die Grenzen klassischer Grafikprogramme erkannt und verwirklichen ihre innovativen Produktideen mit 3D-CAD Software. Die Kernkompetenz der modern.need Designer, deren Kunden aus dem Konsum- und Investitionsgütermarkt stammen, liegt unter anderem in der Medizin- und Automobildiagnosetechnik, den modularen Produkten der Möbel- und Küchenindustrie sowie bei Beförderungssystemen. Geschäftsführer Martin Hänel erklärt den Anspruch, den die modern.need-Designer an sich stellen: »Unsere Philosophie gründet sich auf dem ›klassischen Industriedesign‹ mit dem Ziel, alltagstaugliche Produkte so zu gestalten, dass sie durch ihre Ästhetik und benutzerfreundliche Gestaltung überzeugen und dem Hersteller einen ökonomischen Mehrwert bieten.« Modernes Produktdesign lebt von Innovationen und Ideen. Doch müssen Designer nicht nur qualitativ hochwertiges Design schaffen, sondern auch wirtschaftliche Faktoren, wie etwa die schnelle Marktreife der Produkte, im Auge behalten. Die Notwendigkeit beider Aspekte erkannte modern.need bereits sehr früh. Aufgrund der langjährigen Erfahrung ihrer Mitarbeiter mit 2D-Systemen, setzte die modern.need GmbH schon im Stadium der Gründung, 2001, auf die Einführung des 3D-Systems SolidWorks.

3D sichert Wettbewerbsvorteil

Dies sicherte bereits beim Start durch die Erfüllung modernster Kundenanforderungen einen eindeutigen Wettbewerbsvorteil. Die Vorteile eines 3D-Systems liegen auf der Hand: Im Gegensatz zu 2D erstellen die meisten 3D-Systeme Zeichenansichten automatisch aus dem Volumenmodell. Dies spart Arbeitszeit, die in 2D für unterschiedliche Zeichenansichten wie isometrische Ansichten, Explosionsansichten von Baugruppen oder Detailansichten aufzuwenden ist. Ferner sind in 3D auch Konstruktionsänderungen schnell und problemlos realisierbar, da sie sich automatisch bis in alle zugehörigen Zeichnungen und Zeichenansichten fortsetzen. Dies sind nur einige Vorteile von 3D im Vergleich zu 2D, die helfen, die Produktivität zu steigern, Konstruktionszyklen zu verkürzen, Qualität zu sichern und Kosten zu reduzieren. »Unsere Kunden können nur marktfähig bleiben, wenn eine schnelle Umsetzung ihrer Produkte garantiert ist«, so Martin Hänel. »Mit einem 3D-CAD-System können wir schnell auf Marktanforderungen reagieren und so den Erfolg unserer Kunden sichern.« Bereits der erste Gesamteindruck, der SolidWorks den Designern bot, überzeugte. Da die 3D-Lösungen anderer Hersteller im direkten Vergleich zu teuer und zu kompliziert in der Benutzerführung waren, entschied sich modern.need für drei Lizenzen der 3D-CAD Software SolidWorks. »Wer sich mit Microsoft Windows auskennt, findet sich in SolidWorks schnell zurecht. Bereits vertraute Windows-Funktionen wie Drag & Drop oder Cut & Paste lassen sich auch hier anwenden, so dass die Handhabung der Software bald Routine wurde«, so Martin Hänel über die Benutzerführung in SolidWorks. Ein weiteres Entscheidungskriterium war laut Martin Hänel die gute Visualisierung der Modelle in SolidWorks.

Bereits während der Konstruktion erhalten Designer und Kunde dank der in SolidWorks integrierten Rendering Software PhotoWorks, eine klare Vorstellung über das endgültige Produkt. PhotoWorks erstellt fotorealistische Bilder, auf denen die Konstruktion mit verschiedenen Materialeigenschaften, Farben, Licht und Schatten ausgestattet und in diverse Umgebungen eingebettet werden kann. Diese Ansichten dienen als Diskussionsgrundlage für Designer und Kunde und helfen, unangenehme Überraschungen frühzeitig zu vermeiden. Mit PhotoWorks lassen sich nicht nur Konstruktionen schnell und wirkungsvoll präsentieren, sondern darüber hinaus auch die Kosten der Prototypenerstellung deutlich reduzieren.

3D-CAD ersetzt Modellbau

»Während wir früher Designmodelle bauten, um einen ersten plastischen Eindruck zu gewinnen, entwickeln wir unsere Ideen heute dreidimensional. Ideen nehmen auf dem Bildschirm schnell Gestalt an und werden direkt im System weiter verbessert. Am Ende der Entwicklung steht der voll funktions- fähige Prototyp«, so Martin Hänel. Nachdem die Wahl auf SolidWorks gefallen war, stand dem produktiven Einsatz der Software nichts mehr im Wege: »Es war unglaublich, wie schnell wir mit SolidWorks produktiv wurden. Die vom SolidWorks Partner MB CAD-Computer Vertriebs GmbH durchgeführte Schulung dauerte zwei Tage. Bereits nach zwei Wochen waren wir fit für die ersten Projekte«, so Martin Hänel zum Thema Schulungsaufwand und Lernprozess. Ein Projekt, das mit SolidWorks zum Erfolg wurde, war die Konstruktion eines bequemen Waschsessels für R. & L. Thomas, Ausstatter für Friseursalons. Hier waren nicht nur anatomische Anforderungen umzusetzen, sondern auch ein ansprechendes Design, das zum Interieur eines modernen Salons passt. Zudem durften die Designer einen weiteren Punkt nicht aus den Augen verlieren: Um sich am Markt behaupten zu können, mussten die Herstellkosten im Vergleich zum Vorgängermodell deutlich geringer ausfallen.

Jetzt war es am Designer, sich in die Lage des Hair-Stylisten und seines Kunden zu versetzen. In einem sechsmonatigen Projekt entstand in der Folge ein Waschsessel auf der Basis von vier Baugruppen: Eine Baugruppe umfasst die Kunststoffteile. Die zweite Baugruppe besteht aus dem Waschbecken und den Armaturen inklusive der Unterbaugruppe zur Verstellmechanik des Waschbeckens. Die dritte und vierte Baugruppe enthält die Sitz- und Rückenpolster sowie die Bodenbefestigungseinheit.

Praktisch und dennoch individuell so lassen sich die Eigenschaften zusammenfassen, die der neue Waschsessel 580 vereint. Bequeme Sitz- und Rückenpolster, die sich jeder Körperkontur anpassen, sorgen für die Bequemlichkeit des Kunden. Dank der Ausführung als stabile PE-Schale und bedingt durch die herausnehmbaren Polsterteile ist die Alltagstauglichkeit des Waschsessels 580 garantiert. Da er sich mithilfe einer Kippmechanik auf die gewünschte Höhe einstellen lässt, ist er ideal an die Körpergröße des Kunden anpassbar. Die für den Waschsessel verwendeten Materialien wurden genauestens durchdacht und entsprechend ihrem Einsatz ausgewählt.

Design mit Auszeichnung

So ist beispielsweise das Kippaggregat aus rostgeschütztem Metall gefertigt; der Waschtisch besteht aus einem speziellen Porzellan mit hoher Eigenfestigkeit, das zudem pflegeleicht und unbegrenzt haltbar ist. Der Waschsessel 580 hat nicht nur seinen Auftraggeber überzeugt, sondern auch die Macher des iF design awards. Auf der CeBIT 2004 vergab iF, bekannt durch den seit 1954 jährlich ausgerichteten iF design award, einen Preis in der Kategorie ›Product Design‹ an den in SolidWorks entstandenen Waschsessel. Es scheint, als wäre auch seitens modern.need kein Wunsch mehr offen. Dennoch möchte Martin Hänel einen Verbesserungsvorschlag einbringen: »Designer arbeiten selten mit starren Formen. Ich hätte mir daher bei der Konstruktion des Waschsessels eine bessere Bearbeitung der Freiformflächen in SolidWorks gewünscht.«

Dennoch überwiegen bei Martin Hänel klar die Vorteile, die der Einsatz der 3D-CAD Software mit sich bringt: »Die zahlreichen Datenschnittstellen zu anderen CAD/CAM-Programmen bestätigen uns, die richtige Wahl getroffen zu haben. Die Konstrukteure, mit denen wir zusammenarbeiten, können unsere Daten übernehmen, unabhängig davon, welches System sie im Einsatz haben. So bleibt eine gewisse Kontinuität gewahrt, die sich schließlich auch in der Genauigkeit der Konstruktionen niederschlägt.«

Unternehmen wie modern.need zeigen, dass die Konstruktionssoftware SolidWorks mitt-lerweile einen festen Platz auch im Produktdesign hat. Designer, die klassische Grafiksoftware gegen 3D in Kombination mit Konstruktionsleistungen eintauschen wollen, haben mit SolidWorks ein vielseitiges und effizientes Tool an der Hand.

Frauke Stautner

Erschienen in Ausgabe: 04/2004