Innerhalb von 24 Stunden nach der Bekanntmachung gingen Hunderte von Anfragen für Schutzvisiere ein, die von Weerg und Press-Up in Rekordzeit hergestellt und den Krankenhäusern kostenlos zur Verfügung gestellt wurden. „Das von uns eingerichtete Callcenter ist stets gut ausgelastet, dennoch konnten wir dem Hilferuf des italienischen Katastrophenschutzes nachkommen, an den wir die letzten bereits fertigen 500 Schutzvisiere liefern werden“, erklärt Vincenzo Cirimele, CEO von Press-Up, der sich sofort für die Idee von Matteo Rigamonti, dem Gründer von Weerg, einsetzte. Rigamonti fügt hinzu: »Wir nutzen die sozialen Netzwerke. Durch den intensiven Informationsaustausch hat die Nachricht in wenigen Stunden ganz Italien erreicht, und wir erhalten weiterhin Anfragen, viele davon aus Krankenhäusern und Pflegeheimen«.

Aus den Dutzenden von Beiträgen auf Facebook geht die ganze Spannung dieser Situation hervor, die Angst derer, die an vorderster Front stehen. „Wir müssen unsere Helfer schützen“, schreiben beide. Weerg und Press-Up richten deshalb einen Appell an alle Fabrikanten in Italien, die ebenfalls über 3D-Drucker verfügen.

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»Wir bitten diejenigen, die über diese Ausrüstung oder digitale Fräsmaschinen verfügen, sich uns anzuschließen. Wir können alle Einzelheiten des Projekts als Open Source zur Verfügung stellen, damit wir die überwältigende Nachfrage, befriedigen können«, fügt Cirimele hinzu. Die beiden Unternehmer sprechen daher, jetzt mehr denn je, von der Notwendigkeit, produktive Netzwerke zu schaffen; mit der Vision, dass diese Zusammenarbeit in naher Zukunft dazu beitragen kann, die Wirtschaft wieder anzukurbeln, wenn die Notlage vorbei ist.

Pflegepersonal an der Entwicklung beteiligt

Das Projekt Schutzvisiere ist das Resultat einer Versuchsreihe, die auf der Grundlage der vielen online vorhandenen Prototypen durchgeführt wurde. Weerg und Press-Up haben die Prototypen entsprechend den Ratschlägen des Gesundheitspersonals angepasst, das an der Entwicklung des Geräts beteiligt war. „Durch die virtuelle Kombination unserer 3D-Druckabteilung mit der digitalen Produktion und Logistik von Press-Up konnten wir die ersten Prototypen in nur wenigen Tagen herstellen und eine effiziente Produktionslinie zwischen Venedig und Rom in Rekordzeit in Betrieb nehmen“, erklärt Rigamonti.

Das venezianische E-Commerce-Unternehmen Weerg, das CNC-Bearbeitung und 3D-Druck online anbietet und über die nach eigenen Angaben größte Anlage mit industriellen 3D-Druckern vom Typ HP Multi Jet Fusion 5210 verfügt – produziert die Visier-Strukturen aus Nylon PA12, die dann an den Produktionsstandort von Press-Up am Stadtrand von Rom geschickt werden.

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Hier, in den Räumlichkeiten des römischen Technologieunternehmens, das im Bereich Online-Druckdienstleistungen tätig ist, werden die Schirme mit computergesteuerten Schneidegeräten aus 0,5 mm dicken PET-Platten geschnitten; dort werden außerdem die Montageanleitungen gedruckt und die Lieferungen abgewickelt. Wie auch in den beiden E-Shops angegeben, weisen beide Unternehmen darauf hin, dass diese Visiere nicht die benötigten Masken ersetzen, sondern nur eine erste Barriere darstellen, die die Augen und Mundschleimhäute vor Niesen und Speichel der Patienten schützt. Damit wird ein Schutzschild für das gesamte Gesicht gegen Kontaktinfektionen geschaffen.

Weitere italienische Projekte gegen Corona

Die bereits in verschiedenen medizinischen Bereichen wie der Gesichts- und Kieferchirurgie, Kardiologie und Orthopädie eingesetzte 3D-Drucktechnologie ist besonders effizient bei der Herstellung von Teilen und Komponenten medizinischer Geräte und Instrumente, die derzeit so dringend benötigt werden. Neben Schutzvisieren hat Weerg bereits an zwei weiteren Projekten mitgewirkt. Die Firma ist eines der Unternehmen, das dem Aufruf von Isinnova und Fablab Brescia gefolgt ist, indem es Ventile für die Umwandlung von Schnorchelmasken in Notfall-Atemmasken im 3D-Druckverfahren produziert hat.

Ein weiteres rein italienisches Projekt ist das Openbreath-Programm, das sich mit der Entwicklung eines innovativen Geräts für die assistierte Atmung befasst. Weerg liefert hier die Komponenten für ein Open-Source-Lungenbeatmungsgerät. »Unsere 3D-Drucktechnologie arbeitet extrem schnell und ermöglicht es uns, diese Komponenten sehr schnell herzustellen«, erklärt Rigamonti.

»Dank der effizienten Zusammenarbeit mit Press-Up haben wir diesen ersten Lagerbestand an Schutzvisieren in nur 48 Stunden hergestellt«, erklärt Rigamonti. »Wir bekommen außerdem Anfragen von privaten Unternehmen und Betreibern, die ihren Mitarbeitern zusätzlichen Schutz bieten wollen. Diese Benutzer können ebenfalls auf unseren Plattformen Bestellungen aufgeben, gegen eine Gebühr in Höhe der für uns anfallenden Produktionskosten«.