Weiterbildung ohne Ende

6. Forum Mechatronik – Der Fachkräftemangel ist ein Dauerbrenner in den Diskussionen des Forum Mechatronik. Auswege bieten hier Weiterbildung und lebenslanges Lernen.

17. Oktober 2008

Thema der Arbeitsgruppe 3 im Open Space auf dem 6. Forum Mechatronik im Hause Festo war »Lebenslanges Lernen«, das speziell in Zeitalter eines zunehmenden Fachkräftemangels wachsende Bedeutung erlangt. Am Beginn der Diskussion unter der Moderation von Volker Schiek vom Kompetenznetzwerk Mechatronik in Göppingen stand die pragmatische Frage, wie sich das lebenslange Lernen im Umfeld der Mechatronik fördern lässt. Hier waren die Teilnehmer sich einig, dass vor allem die Unternehmenskultur mit der obersten Führungsebene eine entscheidende Rolle spielt: Das Unternehmen muss innovationsfreudig ausgerichtet sein und die Führungskräfte müssen eindeutig hinter allen Vorhaben stehen, die die Mechatronik betreffen.

Hier habe sich inzwischen einiges getan, berichtet Schiek: Man forscht gezielt mit einem mechatronischem Ansatz, es gibt geeignete Methoden und auch ein Budget. Dennoch gebe es bei manchen Unternehmen noch viel zu tun. So werde nicht überall ein Personalgespräch geführt, und nicht jedes Unternehmen arbeite mit einer Qualifikationsmatrix oder habe ein Budget für Aus- und Weiterbildung.

Ebenfalls diskutiert wurde der Fachkräftemangel und seine Wurzeln in der Ausbildung. Hier beklagten die Teilnehmer, dass manche Studiengänge komplett fehlen. Erste Ansätze, neue Studiengänge zu schaffen, gibt es aber zum Beispiel in der Verpackungsbranche. Gute Verbündete für solche Projekte sind Verbände wie der VDMA.

Die Organisation entscheidet

Eine wichtige Feststellung war, dass ein Fortschritt auf diesem Gebiet keine Sache des Geldes sein muss: Viel mehr komme es darauf an, die Ausbildung besser zu organisieren, sie in das Unternehmenskonzept und die entsprechenden Budgets einzubinden. Das Haupthindernis für ein lebenslanges Lernen ist nämlich die fehlende Zeit, hauptsächlich bei den Spitzenkräften, die oft permanent unterwegs sind. Um dem Problem der Fachkräfteknappheit vorzubeugen, wäre es also hilfreich, die Aus- und Weiterbildung »auf Vorrat« zu gestalten. So ist stets ein »Ersatzspieler« mit hoher Kompetenz vorhanden, falls ein Spieler ausfällt. Eine weitere Möglichkeit ist die berufsbegleitende Ausbildung. Beispielsweise können Mitarbeiter, die schon ein paar Jahre zum Unternehmen gehören, ihre Fachhochschulreife nachholen und sich berufsbegleitend ausbilden. Allerdings müssen sie sich dann verpflichten, hinterher eine Mindestzahl an Jahren im Unternehmen zu bleiben.

Die Arbeitsgruppe empfiehlt deshalb ein sogenanntes Kompetenz-Management. Entscheidend ist nämlich, zu wissen, welche Kompetenz gebraucht wird, welche Kompetenzen fehlen und wie sich diese in welcher Zeit beschaffen lässt.

Ebenfalls zum lebenslangen Lernen für Ingenieure gehört eine Weiterbildung in Betriebswirtschaft, im Projektmanagement oder sogenannten Soft Skills wie Team- und Konfliktfähigkeit. Die Arbeitsgruppe empfiehlt deshalb, in jedem Unternehmen ein Gremium zu schaffen, das den Bedarf ermittelt und den Ausbildungsoutput regelt. Probleme sahen die Teilnehmer auch bei den Ausbildungsmethoden. Hier komme es vor allem darauf an, Dinge begreifbar zu machen, die schwer darzustellen sind. Hier könnte »Mechatronik zum Anfassen« ein passendes Lernsystem schaffen, mit dem sich die Mechatronik schnell begreifen lässt – und sie möglicherweise auch einem Vorgesetzten näher bringt.

Teilnehmer aus den Reihen der Forschungsinstitute, Universitäten und der Ausbilder bemängeln zudem, dass sie oft nicht wissen, welche Anforderungen die Unternehmen stellen. Auch hier lässt sich mit einem Kompetenzmanagement und einer Qualifikationsmatrix genau feststellen, welche Fertigkeiten fehlen und welche nachqualifiziert werden müssen.

Wichtig für ein lebenslanges Lernen ist auch ein guter Kontakt zu den Instituten: Die Professoren haben ein großes Interesse, dass das gelehrte Know-how als Wissens- und Technologietransfer in die Firmen gelangt. Ein Hindernis für lebenslanges Lernen ist allerdings die fehlende Transparenz im Ausbildungsangebot – und nicht der Mangel an Möglichkeiten; schließlich gibt es in Deutschland zu jedem Thema irgendjemanden, der dafür ausbildet. Das Problem ist jedoch, diesen Ausbilder zu finden. Die Arbeitsgruppe empfiehlt deshalb, hier eine Initiative zu starten. Gefordert werden vor allem gemeinsame Aktionen der Unternehmen aus der Mechatronik in der Öffentlichkeit. Interessant wäre auch ein Studienführer Mechatronik, der alle relevanten Angebote aufführt und Bewertungskriterien für die Ausbildungsgüte enthält. Interessant wäre zudem ein Leitfaden für Unternehmen, der einen Entwicklungsprozess für Ausbildung aufzeichnet.

Gebraucht werden also mehr »Systemarchitekten «, denn die Anlagen und Systeme, und damit die Mechatronik, werden immer komplizierter. Gefragt sind Menschen, die in Systemen denken können. Die Arbeitsgruppe schlägt deshalb vor, ältere Mitarbeiter mit Erfahrung für den Umgang mit neuen Tools weiter zu qualifizieren. Diese Mitarbeiter kennen den Ablauf vom Entwurf bis zur Inbetriebnahme und wissen auch rechtzeitig, wo die Fehlerquellen liegen können.

Erschienen in Ausgabe: 07/2008