»Weltpremiere für Antriebe«

Interview - Auf der SPS/IPC/DRIVES wollen die Antriebsspezialisten von ABB eines der flexibelsten Antriebssysteme vorstellen, das bisher auf dem auf dem Markt verfügbar ist. Geschäftsführer Christian Wendler erklärt, was dahinter steckt.

09. November 2006

In welchen Branchen sind sie aktiv. Gibt es eine Fokussierung auf bestimmte Branchen?

Unser Branchenspektrum ist außerordentlich weit und reicht vom Maschinen- und Anlagenbau über die Hütten-, Walzwerk- und Gebäudetechnik bis hin zur Marinetechnik. Für den Maschinenbau, die Kunststoff verarbeitende Industrie, die Druckindustrie, die Nahrungs- und Genussmittelindustrie sowie für die Bereiche Krane und Prüfstände hat die ABB Antriebstechnik spezielle Branchenteams installiert, um diese Märkte intensiver zu bearbeiten.

Der Maschinenbau in Deutschland wächst. Wie richten Sie sich als Anbieter von Antriebstechnik darauf ein?

Die ABB Antriebstechnik möchte an diesem Wachstumsmarkt mitpartizipieren. Mit neuen Produkten und einem speziellen Branchenmanagement für den Maschinenbau sehen wir für uns sehr gute Chancen, zukünftig größere Anteile an diesem Markt zu gewinnen.

Erfolg heißt, mehr als nur Mitnahmeeffekte zu erzielen. Was leisten Sie, um größere Marktanteile zu gewinnen?

Wir bieten dem Maschinenbau bereits leistungsstarke Antriebslösungen an, wie den ABB General Machinery Drive ACS350 und den ACS800 Motion Control Drive, die mit ihren Funktionalitäten spezielle Applikationen im Maschinenbau abdecken. Dieser Markt ist aber insofern etwas Besonderes, als er nicht singulär einen Antrieb benötigt, der nur eine spezifische Funktion erfüllt. Hierfür haben wir jetzt eine neue, überzeugende Lösung parat.

Wer mehr will, kommt auch an einem größeren Portfolio nicht vorbei!

Die ABB Antriebstechnik hat bisher Einzellösungen angeboten, wie die beschriebenen Umrichter. Das ändert sich. Ein neues modulares Produkt mit hoher Performance wird flexible Multiachskonzepte ermöglichen, die blitzschnell untereinander kommunizieren und die synchronisiert werden können. Wir werden den Kunden ein Gesamtpaket anbieten können, das die gesamte Antriebsachse mit qualitativ sehr hochwertigen Produkten beinhaltet. Dies schließt spezifische Serviceleistungen mit ein, die von Beratung und Engineering bis zum After-Sales-Service reichen.

Zum Hard- und Softwarepaket rund um den Antrieb gehören Engineering und Service. Was kann der Kunde hier erwarten?

Unsere produktbegleitenden Services gründen auf einem kompletten Life-Cycle-Konzept. Wir unterstützen die Kunden im Engineering ebenso wie in der Inbetriebnahme und im After-Sales-Bereich. Da viele unserer aktuellen und potenziellen Kunden global tätig sind, ist eine schnelle und internationale Verfügbarkeit unserer Produkte und Services selbstverständlich.

Was nehmen Sie sich für die einzelnen Branchen vor?

Unser spezielles Branchenmanagement habe ich bereits angesprochen. Jedes Branchenteam setzt sich aus erfahrenen Experten zusammen, die die jeweilige Branche aus dem Effeff kennen und von einer schlagkräftigen Vertriebs- und Innendienstmannschaft unterstützt werden. Spezielles Branchen-Know-how bedeutet ein besseres Verständnis der Anforderungen der jeweiligen Branche und schnellere Prozesse. Die Fokussierung auf wenige Ansprechpartner schließt zudem Schnittstellenprobleme aus. Hinzu kommen noch die beiden wichtigen Faktoren Globalität und Innovationskraft, die viele Wettbewerber in diesem Umfang nicht bieten können.

Welche Produkte und Lösungen zeigen Sie auf der SPS/IPC/DRIVES?

Auf der SPS/IPC/DRIVES gibt es die Weltpremiere unseres neuen ABB Machinery Drive ACSM1, der die Performance eines Servoantriebs besitzt. Hochleistungsfähige Multiachskonzepte lassen sich mit ihm ebenso realisieren wie zentrale und dezentrale Antriebskonzepte. Auch im Motorensektor präsentieren wir eine Neuheit, die wir bislang nicht im Portfolio hatten und die perfekt unser Produktpaket für den Maschinenbau ergänzt.

Wie flexibel ist der Machinery Drive?

Der neue ABB Machinery Drive ACSM1 ermöglicht die Regelung von Synchron- und Asynchronmotoren mit und ohne Rückführung. Er zählt damit zu den flexibelsten Antriebssystemen auf dem Markt. Mit dem neuen Frequenzumrichter müssen Maschinenbauer nur noch einen Umrichter für die verschiedenen Motortypen und, je nach Anwendung, das entsprechende Gebersystem spezifizieren. Die Machinery Drives mit Nennleistungen von 0,75 bis 45 kW setzen auf die bewährte Technik der ABB-Standard-Frequenzumrichter. Sie bieten jedoch eine erheblich verbesserte Performance, durch die ihr Einsatzgebiet auf den Bereich der Servoantriebe ausgeweitet werden kann.

Für welche Anwendungen sind die neuen Antriebe gedacht?

Mit dem neuen Frequenzumrichter bietet ABB nun auch passende Antriebe für Anwendungsbereiche wie zum Beispiel kleinere Anlagen zur Verarbeitung von Gummi und Kunststoff, in denen Präzision gefordert ist, wie auch für kleinere Kräne und Förderanlagen. Der neue Frequenzumrichter erfüllt darüber hinaus die anspruchsvollen Anforderungen in der Papierindustrie wie Haspeln, Kalandern, Längsschneidmaschinen und Schneidmaschinen mit kleinerer Leistung.

Was steckt hinter der direkten Drehmomentregelung der Antriebe?

Die direkte Drehmomentregelung - auf Neudeutsch ›Direct Torque Control‹ eignet sich besonders für hohe Anforderungen der Maschinenbauer und für die exakte Regelung von Asynchron-, Synchron- und Asynchronservo- und High-Torque-Motoren, die mit verschiedenen Gebersystemen ausgestattet sind. DTC ermöglicht sehr schnelle Drehmomentregelung und dringt somit in den klassischen Bereich der Servoantriebe vor.

Maschinenbauer benötigen verschiedene Positionier- und Synchronisier-Möglichkeiten, wie eine zentrale oder eine dezentrale Lageregelung.

Der ABB Machinery Drive ACSM1 bietet beides. Durch die Lageregelung und Synchronisierung mit einem schnellen Reglerzyklus eignet er sich auch für anspruchsvollste Anwendungen. Die Geschwindigkeit der Sollwertverarbeitung innerhalb des Frequenzumrichters ist zur Erreichung einer optimalen Leistung einstellbar. Mit DTC wird die Flussoptimierung beispielsweise in Kombination mit Energiesparen möglich. Damit kann der ASCM1 nicht nur für die zentralen Anwendungen in der Maschinensteuerung, sondern auch für Hilfsanwendungen wie Pumpen und Lüfter für einen energieeffizienten Betrieb verwendet werden.

Peter Schäfer

FAKTEN

Wesentliche Entwicklungen, die die neuen ABB-Antriebe auszeichnen:

- Direct Torque Control, die direkte Drehmomentregelung von ABB.

- Eine breite Palette von Gebersystemen sowie das intelligente Kommunikations- und Feldbussystem.

- Benutzerfreundlich durch Memory Unit.

Erschienen in Ausgabe: 08/2006