Wenig Platz am Förderband

Getriebemotoren - Mehr als 18.000 Getriebemotoren bewegen am Münchener Flughafen die Gepäckstücke über kilometerlange Strecken. Besonders gefordert sind dabei große Laufruhe und eine unbedingte Zuverlässigkeit. Eine Reihe technischer Details ermöglicht den Einsatz der Motoren auch unter sehr beengten Platzverhältnissen.

01. Juli 2005

Moderne Flughäfen bieten viel mehr als Start- und Landebahnen für Verkehrsflugzeuge: Ein Airport ist immer zugleich auch ein Logistikzentrum mit hohen Ansprüchen an die Fördertechnik. Allein im Terminal 2 des Münchener Flughafens beispielsweise bewegen derzeit Förderbänder mit einer Gesamtlänge von mehr als 36 Kilometern pro Stunde bis zu 16.000 Gepäckstücke. Doch auch diese Transportkapazität genügt nicht für das erwartete künftige Verkehrsaufkommen: In der Endausbaustufe sollen hier jährlich 20 Millionen zusätzliche Passagiere abgefertigt werden können das ist fast eine Verdoppelung der heutigen Kapazität. Trotz dieses ehrgeizigen Ziels will die Flughafengesellschaft ihren Kunden jedoch eine Umsteigezeit von maximal 30 Minuten ermöglichen können.

Möglich machen soll dies vor allem eine leistungsfähige und zuverlässige Gepäckförderanlage, die die Gepäckstücke sicher von Flugzeug zu Flugzeug oder von einem der 114 Check-in-Counter zu den Abflügen transportiert. Als Generalunternehmer verantwortlich für das Projekt Gepäckförderanlage und die gesamte Steuer- und Regeltechnik ist die Logistics and Assembly Systems der Siemens AG. Deren Steuer- und Regeltechnik für die Gepäckförderanlage arbeitet mit 188 Steuerungen der Baureihe S7, die mit beinahe 28.000 Lichtschranken und anderen Gebern und Nehmern über ein Profibus-System vernetzt sind. Angetrieben werden die Förderelemente von mehr als 18.000 Getriebemotoren mit Leistungen von 0,75 bis 4 kW der Baureihe Hyponic des japanischen Antriebsherstellers Sumitomo.

Direktanschluss ans Bussystem

Mit ausschlaggebend für den Einsatz dieser Antriebe war ihr geringer Platzbedarf, schließlich müssen die Antriebe trotz der Größe der Anlage oft auf engstem Raum angebracht werden. Hier haben die japanischen Hypoidgetriebe einiges zu bieten, wie Carsten Fleischmann, Projektleiter bei der Deutschlandzentrale von Sumitomo Drive Technologies in Markt Indersdorf bei München, berichtet: »Die große Zahneingriffsfläche der Hypoidgetriebe führt zu einem über alle Übersetzungen gleichbleibend hohen Wirkungsgrad von 87 Prozent und das ermöglicht den Einsatz vergleichsweise kleiner Motoren.« Zudem lassen die Motoren sich in jeder Einbaulage montieren.

Weitere Platzersparnis bieten die Getriebemotoren durch die Möglichkeit, je nach Bedarf geregelte und ungeregelte Frequenzumrichter direkt am Motor anzubringen und über Profibus mit der Steuerung zu vernetzen. Je nach Einsatzzweck lassen sich so einfache Ein-Aus-Befehle oder Kommandos für wechselnde Geschwindigkeiten oder Drehzahlen ohne externe Schaltschränke und aufwändige Kabelverbindungen direkt an jeden einzelnen Motor übertragen.

Die exakte und großflächige Hypoidverzahnung lässt die Getriebemotoren sehr vibrationsfrei und geräuscharm arbeiten. Mit einer Geräuschentwicklung von weniger als 2 dB (A) tragen die Getriebe dazu bei, die Betriebsgeräusche im Bereich der Gepäckförderanlage zu vermindern, was besonders in den Randzonen mit Passagierzugang als Vorteil gewertet wird. Einen reibungslosen Förderbetrieb gewährleisten dabei das robuste Gehäuse und die Lebensdauer-Fettschmierung der Antriebe, die Wartungsarbeiten überflüssig machen.

Umfangreiche Wartungsvereinbarung

Mehr als 18.000 Hyponic Drives mit Motorleistungen von 0,75 bis 4 Kilowatt werden heute im Terminal 2 eingesetzt. Ein reibungsloser Förderbetrieb setzt somit eine hohe Einsatzfähigkeit und Zuverlässigkeit der Getriebemotoren voraus. Gewährleistet wird dies durch ein extrem robustes Gehäuse und eine Lebensdauer-Fettschmierung der Drives, die Wartungsarbeiten überflüssig macht. Dennoch verlangen Anlagen dieser Art und Größe mehr als gute Produkte: Gefragt ist ebenso eine gut funktionierende Serviceabteilung. Das japanische Unternehmen ermöglicht deshalb schnelle Reaktionszeiten auf Serviceanfragen und die Verfügbarkeit von Austauschgetrieben über seine Deutschlandzentrale in Markt Indersdorf bei München. Dabei sehen die Verträge langjährige Laufzeiten und eindeutig definierte Reaktionszeiten und Service-Levels vor.Schließlich sind Anlagen dieser Art immer Unikate, und diese verlangen von allen beteiligten Unternehmen eine professionelle Zusammenarbeit und qualitativ hochwertige Produkte. Der Erfolg des Großprojektes im Terminal 2 zeigt, dass hier alle Partner die vom Kunden gewünschten, teilweise sehr anspruchsvollen Anforderungen erfüllt haben. So trägt auch die installierte Antriebstechnik dazu bei, dass der Münchener Flughafen zu den wachstumskräftigsten und unter den Fluggästen beliebtesten deutschen Airports zählt.

Peter Köhler, Sumitomo

Erschienen in Ausgabe: 04/2004