Weniger ist oftmals mehr

Motoren- Nicht jede Antriebslösung gewinnt durch komplexe Frequenzumrichtertechnik. Diese lässt sich zudem nur aufwändig an unterschiedliche technische Anforderungen anpassen. Flexible Einsatzmöglichkeiten bieten hier Motoren mit unkomplizierter Anschlusselektronik.

16. September 2005

Ein Problem beim Einsatz von Einphasen-Elektromotoren gerade für weltweit agierende Unternehmen ist die Vielzahl von unterschiedlichen Anforderungen hinsichtlich Eingangsspannung, Anlaufbedingungen und Einsatzfeld. Diese Situation führt immer wieder zu einer Fülle von Sonderlösungen, die zudem noch an die jeweiligen Antriebsaufgaben angepasst werden müssen. Nicht selten gibt es deshalb von einer Motorbaureihe eine Reihe verschiedene Varianten, um den Bedarf für den gesamten einphasigen Spannungsbereich zwischen 100 und 240 Volt bei einer Netzfrequenz von 50 oder 60 Hertz abdecken zu können.

Einen Ausweg aus dieser Situation verspricht jetzt eine neue Reihe von Antrieben von AEG Electric Motors: Anstelle kom­plexer Sonderlösungen mit hohem Anpassungsaufwand - zum Teil in nur kleinen Stückzahlen - hat das Unternehmen gemeinsam mit Danfoss Low Power eine Reihe universell einsetzbarer Motoren entwickelt, die auf den komplexen Regelanteil eines vollwertigen Frequenzumrichters verzichten. Statt dessen besitzen die Motoren der neuen Baureihe Concert-Drive eine auf Frequenzumrichtertechnologie basierende Einspeiseelektronik. Hierdurch baut der Antrieb kompakter und kann somit eine echte Alternative zu überdimensionierten Antriebslösungen mit integrierten, voll­wertigen Umrichtern sein. Diese kompakte Lösung ist kein Multitalent, sondern ein für den spezifischen Bedarf des Marktes optimierter Motor, wobei der Begriff ›Optimierung‹ hier im Sinne von ›weniger ist oftmals mehr‹ betrachtet werden sollte. Das auffälligste Designmerkmal des Concert-Drive ist das Anschlussmodul für die Elektronik, die im Luftstrom der Motorkühlung liegt. Diese Einspeiseelektronik ermöglicht den Einsatz der Motoren in allen einphasigen Spannungsnetzen weltweit, 100 bis 230 Volt bei 50 oder 60 Hertz. Der Netzanschluss geschieht über einen herkömmlichen Standard-Kaltgerätestecker. Darüber hinaus bietet das neue Antriebskonzept alle positiven Anlaufeigenschaften eines Dreiphasenmotors, etwa für den Einsatz in Vakuumpumpen bei niedrigen Temperaturen. Die neue Baureihe vereinigt damit die Vorteile der Einphasen- und Dreiphasentechnologie in einer flexiblen Antriebslösung.

Flexibilität für den weltweiten Anwender

Die vielseitigen Motoren sind erhältlich in der Schutzart IP 55 aufwärts und eignen sich für das gesamte Anwendungsspektrum der Industrie, insbesondere für den Einsatz in der Lüfter- und Pumpenindus­trie. Der einfache Aufbau vermeidet dabei bereits im Ansatz eine Überdimensionierung im Hinblick auf die jeweilige Antriebsaufgabe und ermöglicht eine flexible Anpassung an spezifische Applikationen entsprechend dem jeweiligen Kundenwunsch. Verfügbar ist die Neuheit als Asynchron- und Permanent-Magnet-Version mit den Achshöhen 71, 80 und 90 im Leistungsbereich von 0,75 bis 2,2 Kilowatt. Bei Verwendung eines Antriebs mit Permanentmagnet lässt sich beispielsweise ein Modell mit 2,2 Kilowatt Leistung mit einer Achshöhe von IEC 80 realisieren. Dies entspricht der Achshöhe 100 eines IEC-Drehstrommotors. Ein weiterer Argument für das kompakte und kostengünstige Antriebskonzept Concert-Drive dürften auch die sehr geringen Laufgeräusche bei gleichzeitig hohem Startmoment sein. Der Hersteller AEG Electric Motors zumindest erwartet, von dieser Reihe innerhalb der nächste drei Jahre mehr als 50.000 Stück zu verkaufen.

Holger Frentzel, AEG Electric Motors

Erschienen in Ausgabe: 06/2005