Wertvolle Helferlein

Gehäuse – Mit einer Bande lustiger Gesellen macht Bopla eine Kiste Schritt für Schritt zum Gehäuse. Für den Kunden entsteht auf diese Weise auf Standards basierend eine individuelle und auf die jeweilige Applikation zugeschnittene Lösung.

12. Februar 2019
Wertvolle Helferlein
Elementar für Gehäuse ist die richtige Lage der Löcher. (Bild: Bopla)

von Michael Kleine, nach einer Vorlage von Thomas Lüke, Vertriebsleiter Bopla

Kennen Sie die Boplis? Wohl eher nicht, denn sie arbeiten verborgen in Bünde und sorgen bei der Firma Bopla dafür, dass aus einer Kiste ein Gehäuse wird. »Wir wollen unseren Kunden die Vision von Industrie 4.0 und damit den Wunsch nach individuellen Produkten on demand erfüllen«, sagt Geschäftsführer Ralf Bokämper. »Oft steht dazu nur ein vorgegebener Baukasten zur Verfügung. Nicht so bei uns. Wir sind bereits bei Industrie 4.1 angekommen. Denn unsere Produkte sind tatsächlich kundenspezifisch präzise nach Maß gefertigt und das ab Stückzahl 1.«

Ein Standardgehäuse von Bopla kann ab Lager aus Kunststoff oder Metall bestehen. »Es entstammt einem Baukasten mit umfangreichem Zubehör wie Scharnieren, Dichtungen, Druckausgleichselementen oder Halterungen. Erst kundenindividuelle Anpassungen machen aus dieser Kiste ein Elektronikgehäuse«, kommentiert Mathias Bünte, Leiter Business Development.

»Die wichtigste Anpassung sind Löcher und Aussparungen für Kabeldurchführungen, Tasten, Stecker oder Kühlmittelleitungen«, schaltet sich der Bopli für die maschinelle Bearbeitung ein. »Einfach, denken Sie? Löcher bohren kann doch jeder? Weit gefehlt, denn dabei kann es zu schwerwiegenden Fehlern kommen, etwa zum Verlust der IP-Schutzart, zu Spannungsrissen, sichtbaren Defekten oder aufplatzenden Hohlräumen.« Da hat der kleine Kerl recht, vor allem bei Kunststoff können zu schnelle Bohrer und Fräser den Kunststoff zum Schmelzen bringen. Ein zu hoher Vorschub kann Stressrisse zur Folge haben oder scharfe Kanten und Grate entstehen. Und dann Aluminium: »Gerade dabei muss ich mich sehr konzentrieren und je nach Legierung andere Werkzeuge, Bearbeitungsgeschwindigkeiten und Vorschübe verwenden.« Auch glasfaserverstärkter Kunststoff stellt hohe Anforderungen an die spanende Bearbeitung. »Hier verwende ich sogar ein spezielles Vakuumsystem, damit die Glasfasern nicht in die Umgebungsluft gelangen«, schließt der Loch-Bopli.

Vor den Bohrungen kommt aber noch ein Bruder zum Einsatz, der Bopli für die Größenvielfalt: Denn auf modernen CNC-gesteuerten Maschinen und Anlagen werden bei Bopla Aluminium-Strangpressprofile nach Kundenvorgaben von ihm auf die richtige Größe gesägt oder geschnitten.

Fokus auf Design

Farben, Beschichtungen und Bedruckungen sind nicht zwar so funktionsentscheidend wie Löcher oder die Gehäusegröße. »Doch auf diese Weise lässt sich die Optik des Gehäuses dem jeweiligen Einsatz anpassen«, freut sich der zuständige Bopli für die Farbe. »Schon im Standard biete ich zahlreiche Optionen wie bunt abgesetzte Scharniere oder Dichtungen. Auf Wunsch kann ich übrigens jede denkbare Farbe umsetzen.«

Bei Kunststoffgehäusen muss der Kunde allerdings prozessbedingt Mindestbestellmengen abnehmen. »Metall kann ich ab Stückzahl 1 in der Lieblingsfarbe pulverbeschichten oder lackieren. Dazu ist aber ein Fachmann wie ich notwendig, denn sonst blättert der Lack ab oder es bildet sich eine Orangenhaut.« Der Farb-Bopli arbeitet mit Siebdruck, Tampondruck und Gravuren und er bringt auch auch Beschriftungen und Designelemente wie Firmenlogos an. Dazu nutzt er sogar den Laser.

Zur sicheren Verankerung von Einbauten wie Elektronik oder Displays sorgen Befestigungspunkte, die präzise mit den Bohrungen in Leiterplatte oder Display übereinstimmen. »Je nach Anforderung, Verfahren und Material sind die Dome, die ich anbringe, von außen unsichtbar oder wie bei eingepressten Schraubdomen in Kunststoff- oder Metallgehäusen gut zu erkennen. Bei diesen bringe ich dann eine zusätzliche Abdeckung an«, erzählt der Befestigungs-Bopli. Dies gelte ebenfalls für eingepresste Gewindebolzen zur Fixierung von Displays.

Dann kommt der EMV-Bopli zum Zug. Er stellt sicher, dass das Gerät keine elektromagnetische Störung impliziert und in seiner Funktion nicht beeinträchtigt wird. »Hierzu gewährleiste ich eine perfekte Abschirmung. Dazu entferne ich manchmal auch isolierende Lack- oder Eloxalflächen oder bringe EMV-Dichtungen aus leitfähigem Material oder elektrisch verbindende Elemente wie spezielle Federn an.«

Bei Kunststoffgehäusen hilft ein leitfähiger Kupferlack oder die Metallbedampfung der Gehäuseinnenseite.

Der HMI-Bopli kümmert sich um die Mensch-Maschine-Schnittstelle, also die Bedienelemente. »Erst sie machen das Gehäuse komplett. Unsere Tastaturen und Displays bieten nahezu unbegrenzte Funktions- und Gestaltungsmöglichkeiten.« En vogue sind dabei derzeit kundenspezifische Touchscreens. »Ich habe resistive Displays im Angebot, die flexible Fronten bieten und sich mit Handschuhen bedienen lassen, oder kapazitive, wie sie von Smartphones und Tablets bekannt sind.«

Der Montage-Bopli integriert die Displays, bedruckt bei Bedarf die Glasscheibe oder verbindet hinterdruckte Glasfronten und Touchdisplays mittels Optical Bonding. »So gewährleiste ich ein flüssiges Verkleben beider Komponenten ohne jeden Luftspalt und eine hohe optische Qualität und mechanische Stabilität.« Anschließend erfolgt das Einkleben der kompletten Einheit in das Gehäuse. Beides geschieht unter Reinraumbedingungen. »Außerdem installiere ich Halteplatten zur Displaystabilisierung auf Basis einer eigenentwickelten Vergusstechnologie sowie weitere Elemente wie Leiterplatten, Kabelverschraubungen oder komplexe Elektroniken – und das ESD-gerecht.«

Wenn alle Boplis ihre Arbeit erledigt haben, gibt es eine abschließende Prüfung der kompletten Anwendung. Untätig war während der gesamten Zeit aber auch ein weiterer Kollege nicht – der für die Beratung. Denn in allen Produktionsschritten steht Bopla seinen Kunden mit Rat und Tat zur Seite, unterstützt bei der Entwicklung und leistet jederzeit Service.

Erschienen in Ausgabe: 01/2019