Widerstandsfähig im Walzwerk

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Drehgeber – Das traditionsreiche Unternehmen Pittini im norditalienischen Friaul setzt bei der Produktion von erdbebenfestem Baustahl auf die Drehgeber von Leine & Linde.

24. Februar 2010

Die Erdbebensicherheit ist in einem Land wie Italien, das zuletzt im Frühjahr 2009 von einem verheerenden Erdbeben in den Abruzzen heimgesucht wurde, eine elementare Produkteigenschaft von Baumaterialien.

Deshalb produziert das in der norditalienischen Region Friaul ansässige Unternehmen Pittini einen Baustahl, der wegen seiner Duktilität, das heißt wegen seiner Fähigkeit, sich bei Überbelastung stark plastisch zu verformen, bevor er reißt, als erdbebenfest gilt. Bei der Produktion des Baustahls, den Pittini unter dem Markennamen »HD erdbebenfeste Stähle« vertreibt, spielen Drehgeber eine entscheidende Rolle. Weil jeder Anlagenteil seine eigenen Problematiken hat, arbeitet Pittinis Geschäftsbereich Ferriere Nord, der sich um das Wälzen kümmert, schon seit Jahren mit dem schwedischen Spezialisten für robuste Drehgeber Leine & Linde zusammen. Denn das Unternehmen konzentriert sich darauf, kundenspezifische Produkte für schwierige Einsatzbedingungen zu entwickeln. Auch bei den Anwendungen für das Metall verfügen die Spezialisten von Leine & Linde über fundiertes Wissen und bauen maßgeschneiderte Produkte. Bei Ferriere Nord kamen verschiedene Drehgeber von Leine & Linde zum Einsatz, nachdem das Vertriebspersonal den Italienern die Problematiken nahebrachte, denen das Produkt in den verschiedenen Anwendungen begegnen kann, und sie auf eine Auswahl gelenkt hatte, die auf den bestmöglichen Betrieb seiner Anwendung ausgerichtet ist.

Modernes Drahtwalzwerk

Das gesamte Drahtwalzwerk ist eine der modernsten Anlagen, die heutzutage in Betrieb sind, da es in den letzten Jahren grundlegend erneuert wurde. Angefangen beim Ofen bis zu der erst vor Kurzem fertiggestellten automatischen Sortierung am Ende der Linien. Der erst vor zwei Jahren in Betrieb genommene, erdgasbetriebene Wärmeofen ist eine Maschine mit kalter und heißer Beschickung und hoher Produktivität. Sein Durchsatz beträgt 150 Tonnen pro Stunde bei kalter Beschickung und 200 Tonnen pro Stunde bei heißer Beschickung. An der Zuführungs- und Beschickungsanlage des Ofens sind Multiturn-Absolutdrehgeber mit überstehender Welle vom Typ RSA 608 von Leine & Linde angebracht, um die Genauigkeit der Zubringungen zur Maschine zu gewährleisten. In vielen Fällen bevorzugte Ferriere Nord für die Optimierung des Antriebs den Einsatz einer Seilzug-Abwickeleinrichtung mit Drehgeber anstelle der klassischen Anbringung an der Achse, insbesondere für die Automatisierung des Beschickungstisches und für den Knüppel-Wahlschalter. Für die Transportwagen, deren Fahrstrecke zu lang für eine Seilzug-Abwickeleinrichtung ist, wählten die Italiener am Motor montierte Drehgeber.

Die Mechanismen mit Seilzug werden zunehmend in dieser Art von Anwendung eingesetzt, da sie eine höhere Genauigkeit ermöglichen. Denn sie vermeiden die erforderlichen mechanischen Spiele sowie eine Berechnung anhand der Winkelposition. Stattdessen folgt die lineare Bewegung des Seilzugs direkt der Achsbewegung und vermeidet somit Fehler. Außerdem lassen sich dadurch Material und mechanischer Projektierungsaufwand einsparen. Man braucht viel Sorgfalt für eine präzise Montage, da der Seilzug quasi ohne Winkelbildung abrollen muss, und man muss ein Produkt verwenden, das sich für eine Anwendung unter widrigen Bedingungen eignet, wie man sie in der Eisenmetallurgie antrifft. Die Anwendungslösung von Leine & Linde bei Ferriere Nord widersteht auch der Beanspruchung in diesem widrigen Umfeld. Bei der Wechselstrom-Motorisierung in der Ofen-Zuführung werden auch inkrementale Hohlwellen-Drehgeber der Serie RSI 503 eingesetzt, um eine Rückführung der Motordrehzahl zu gewährleisten.

Profibus-Anbindung

Die Anbindung erfolgt über ProfibusDP und wird erreicht, indem man herkömmliche serielle Drehgeber mit EnDat-Schnittstelle in abgesetzter Kombination mit einem Profibus-Gateway einbaut, das der Anwendung gewidmet ist. Auf diese Art kann Ferriere Nord auch bei dem Gerüste-Teil mit Profibus arbeiten. Die Gerüste in einer Eisen verarbeitenden Anlage dienen dazu, den Stahl zu reduzieren und auszuwalzen, um schließlich das Produkt mit den gewünschten Abmessungen zu erhalten. Im Wesentlichen besteht ein Gerüst aus zwei Zylindern, durch die man den weiß glühenden Stahl passieren lässt. Der Stahl wird gezwungen, sich beim Durchlauf zu reduzieren und die gewünschte Form einzunehmen. Ohne das gewidmete Produkt von Leine & Linde hätte Ferriere Nord auf die Vorteile der zentralisierten Steuerung und Diagnose verzichten müssen, die ein Profibus-Netz bieten kann.

Stattdessen hätte diese Anwendung mit einer seriellen Punkt-zu-Punkt-Verbindung entwickelt werden müssen. Das fertige Produkt erhält man, indem sich kontinuierlich das Metall über eine Reihe von Gerüsten reduziert. Dabei verkleinert sich das so genannte Zylinderlicht, also der Raum zwischen den beiden Zylindern, durch den das Metall gezwungen wird, immer mehr: Zuerst muss das Metall durch die größeren Gerüste, das sind die sogenannten Vorwalzgerüste. Danach geht es durch die mittelgroßen und durch die Gerüste für die Feinbearbeitung. Nach deren Durchlauf hat das Produkt schließlich die gewünschten Eigenschaften und Abmessungen erreicht. Anschließend wird die Linie entsprechend dem Produktionstyp, den man erhalten möchte, zweigeteilt und es geht durch zwei Danieli-Monoblöcke mit synchroner Motorisierung und sehr hoher Leistung. Dann durchläuft das Produkt eine Gruppe von Hochgeschwindigkeitsscheren für einen neuen Schopfschnitt. Die Motorisierung besteht hier aus zwangsbelüfteten Asynchronmotoren von ABB und Leine & Linde Inkremental-Drehgebern vom Typ 861.

Abkühlung und Auslieferung

Im Anschluss daran wird das Metall auf Kühlteppichen abgelegt und ist fast fertig für die Auslieferung. Auch die Teppiche sind motorisiert, jedoch mit kleinen Gleichstrom-Motoren, bei denen keine Drehgeber nötig sind. Nach dem Abkühlen gelangt das Metall in die Endphase, wo es zu Coils geformt, verdichtet und gebunden wird. Auch diese Phase ist bei Pittini vollständig automatisiert. Die Anlage für die Vorbereitung der Coils hat das Unternehmen erst kürzlich in Betrieb genommen. Es ist eine Sund-Anlage, und auch hier spielen die Drehgeber von Leine & Linde eine wichtige Rolle. Schließlich ist der Stahl fertig und kann zur Auslieferung auf die LKWs geladen werden.

B. Anfossi, K.Korger, Leine & Linde/aru

FAKTEN

- Der Spezialist für Drehgeber Leine & Linde wurde 1967 gegründet und ist nach ISO 9001 und ISO 14001 zertifiziert. Der Firmensitz liegt in Strängnas am See Mälaren in Mittelschweden.

- In den vergangenen vier Jahrzehnten hat sich Leine & Linde zu einem international anerkannten Unternehmen entwickelt, das weltweit auf mehr als 30 unterschiedlichen Märkten auftritt.

Erschienen in Ausgabe: 01/2010