»Wir denken und handeln green«

Interview

Peter Metzger – Für EBM-Papst ist grünes Denken essenziell. Wie das konkret aussieht, erzählt dessen Leiter Geschäftsentwicklung.

27. August 2012

Herr Metzger, die EBM-Papst-Gruppe ist viel größer als man gemeinhin denkt. Was macht diesen Erfolg aus?

Stimmt, dass insgesamt fast 11.000 Menschen bei EBM-Papst arbeiten, ist kaum jemandem bewusst. Wir sind in der Tat ein sehr großes Unternehmen und konnten im letzten Geschäftsjahr einen Rekordumsatz von 1,423 Milliarden Euro einfahren.

Eine Grundlage für diesen immensen Erfolg ist sicherlich in der speziellen technologischen Ausrichtung des Unternehmens zu suchen. Wir sind seit Jahrzehnten aktiv darin, alte Motorentechnologien durch bürstenlose Technologie zu ersetzen.

Ergebnis ist die EC-Technologie, bei der eine gleichgerichtete Spannung direkt auf die Wicklung geht, und das eben nicht über die Netzfrequenz, sondern direkt über eine integrierte Elektronik. Unsere Antriebe sind dadurch in Wirkungsgrad, Dauerstabilität, Geräusch und Funktionsumfang so gut, dass wir einen großen Marktvorteil gegenüber den Mitbewerbern erringen konnten.

Entscheidend ist die sehr positive Energiebilanz, die in der heutigen Wirtschaft eine zentrale Rolle spielt. Um dies zu vermarkten, baut EBM-Papst auf eine konsequente Vertriebsstrategie mit einem sehr breiten Netz von Mitarbeitern.

Sie persönlich sind ja in St. Georgen ansässig. Wie ist das Unternehmen im Schwarzwald aufgebaut?

Wir in St. Georgen arbeiten in der Gruppe als selbstständige GmbH und betreiben fünf Werke in eigener Regie. Aktuell liegt der Umsatz bei 298 Millionen Euro und wir haben insgesamt 3.300 Mitarbeiter, davon 1.500 in St. Georgen und Herbolzheim, die sich auf drei Geschäftsbereiche verteilen: industrielle Lufttechnik mit 54 Prozent Umsatzanteil, Automotive mit 33 und industrielle Antriebstechnik und mit 13 Prozent. In der Zukunft wollen wir versuchen, die letzten beiden Bereiche zu pushen, ohne dass der Bereich der industriellen Lufttechnik schrumpft. Anlass für solche Pläne ist unsere Erwartung, dass der Anstieg bei Lufttechnik und Automotive proportional höher sein wird, weil dort die Durchdringung noch nicht in dem Maß vollzogen ist.

Lüfter sind eine wichtige Maschinenkomponente Antriebe eingeschlossen. Wie sind Sie hier aufgestellt?

Für unsere industriellen Lüfter sind IT und Telekommunikation zwei Kernbranchen, die sehr im Vordergrund stehen. Dorthin liefern wir Kühlungen für Basisstationen, Server oder Industrie-PCs. Auch der Solarmarkt ist lange Zeit einer unserer ertragreichsten Kernmärkte gewesen, leider ist dort momentan eine deutliche Stagnation zu erkennen. In diesem Sektor sind wir in Solarwechselrichtern vertreten und konzipieren Kühlungen für Leistungselektronik. Auch im Maschinenbau und im Ausrüstungsbereich ist EBM-Papst traditionell stark unterwegs mit Schaltschrankkühlungen oder Frequenzumrichtern, zunehmend wichtig ist zudem die Medizintechnik.

Wie groß ist der Exportanteil im Werk St. Georgen?

Wir verkaufen momentan rund 45 Prozent in den Export, aber im Bereich Automotive werden die Fahrzeuge, in denen unsere Produkte verbaut sind, zu einem Großteil in Deutschland gebaut, aber weltweit verkauft. Dieser indirekte Export treibt die Quote deutlich nach oben, ungefähr in den Bereich von 60 bis 65 Prozent.

Sie sind bei EBM-Papst in St. Georgen für die Geschäftsfeldentwicklung zuständig. Welche Maßnahmen planen Sie da, und in welchen neuen Geschäftsfeldern sehen Sie reelle Chancen zur Expansion?

Mein Bereich ist relativ neu, denn wir haben erkannt, dass die Branchenaufteilung sehr wichtig ist. Wir machen uns intensiv Gedanken darüber, wie die Märkte funktionieren, mit dem Ziel, die Lösung für Probleme unserer Kunden eher zu kennen, als diese überhaupt auftreten. Früher kannten wir die Märkte unserer Kunden zu wenig, und wenn diese mit einer Aufgabenstellung auf uns zukamen, konnten wir nicht plausibel prüfen, ob die gemachten Angaben tatsächlich zutreffen. Darum sammeln wir in meiner Abteilung heute also intern und extern verstärkt und intensiv Marktdaten, die wir genau analysieren und bewerten, um daraus für die mittel- und langfristige Entwicklung des Unternehmens hoffentlich die richtigen Entscheidungen zu treffen – für den Markt generell und für spezielle Produkte. Das ist ein spannender Job, denn diese Entscheidungen müssen auf transparenten Daten gründen. Es reicht nicht, einfach etwas zu probieren, alles muss nachvollziehbar sein.

Apropos Produkte, bei welchen lagen Sie mit Ihren Prognosen richtig, welche sind also Highlights geworden?

Im Automotive-Bereich sind wir aktuell sehr erfolgreich mit »grüner« Technologie, zum Beispiel mit Antrieben für elektrische Ölpumpen, die standardmäßig eine Start-Stopp-Funktion unterstützen. Dabei kommt es auf sehr kompakte und effiziente Motoren an, und da bieten wir für nahezu alle namhaften OEMs ausgereifte Lösungen an.

Dieses „»Green Engineering« ist offenbar ein Schlüsselelement in der Philosophie von EBM-Papst …

Das ist richtig, wir bezeichnen uns gerne als Vordenker und Trendsetter in puncto Nachhaltigkeit. Zum einen ist das ein reines Gefühl, zum anderen sehen wir uns durch langfristige Tendenzen bestätigt. Denn unsere Welt muss sich mit Sicherheit verändern. Der Durchschnittseuropäer verbraucht mit seinem Lebenswandel momentan drei bis vier Erden und der Komfort soll weiter steigen – also müssen wir mit den vorhandenen Ressourcen intelligenter wirtschaften. Da aber das Sparen unter Verzicht schwierig zu realisieren ist, wollen wir den Kunden mit Motoren oder Ventilatoren, die mit nur 30 bis 40 Prozent der vorherigen Energie auskommen, ein Einsparpotenzial schaffen und zudem die Umwelt schonen.

Wir gehen sogar einen Schritt weiter und entwickeln Produkte aus nachhaltigen Rohstoffen. EBM-Papst hat sich auf die Fahnen geschrieben, bis zum Jahr 2015 mindestens 15 Prozent der verbrauchten Rohstoffe aus nachhaltigen Quellen zu beziehen.

Die Vorentwicklung dazu ist schon abgeschlossen, ein Produkt besteht zum Beispiel aus einem Kunststoff auf Rizinusölbasis, den ein Mensch sogar verdauen könnte. Ohne die geringen Anteile an Metall und Elektronik lässt sich der Lüfter innerhalb von zwei Jahren kompostieren.

Wie machen Sie Ihre Produkte fit für die Energiewende?

Ab 2013 treten die Ökodesign- beziehungsweise ErP-Richtlinien für Ventilatoren in Kraft, die das Ziel verfolgen, die Energieeffizienz solcher Produkte zu verbessern und damit auch der Verwirklichung der europäischen Klimaschutzziele dienen sollen. Für die zahlreichen in der Kälte- und Klimatechnik eingesetzten elektrisch angetriebenen Ventilatoren bedeutet dies, dass sie die in den Richtlinien gesetzlich geforderten Grenzwerte einhalten müssen. Daraus ergibt sich dann gleich doppelter Nutzen: Die Umwelt wird geschont und die möglichen Energieeinsparungen machen sich im Geldbeutel des Anlagenbetreibers oder Verbrauchers deutlich bemerkbar.

Da klima- und kältetechnische Anlagen mit hoher Einschaltdauer betrieben werden, machen sich Energieeinsparungen hier deutlich bemerkbar. Allerdings differieren die Anwendungen beträchtlich. Schließlich stellen beispielsweise die großen Verflüssiger, die meist bei Supermärkten außen am Gebäude angebracht sind, andere Anforderungen an die eingesetzten Ventilatoren als Kühltheken oder auch Kühlanlagen in der Industrie. Jedoch gibt es bei uns mittlerweile für jeden dieser Einsatzbereiche »maßgeschneiderte« energiesparende EC-Ventilatoren, die gleichzeitig durch Zuverlässigkeit, Leistungsfähigkeit und Geräuscharmut überzeugen.

Inwiefern adressieren Sie mit solchen Ansätzen auch die Endverbraucher?

Die Klimaanlagenhersteller haben in der Regel kein großes Interesse, mit dem Energiesparen zu kokettieren, die wollen letztendlich nur über den Preis in den Markt.

Also haben wir eine Kampagne gestartet, die direkt beim Endverbraucher das Bewusstsein positioniert, gezielt Energiesparprodukte zu verlangen, um energieeffiziente Produkte am Markt bekommen. Und das funktioniert, wir konnten bereits einen Bewusstseinswechsel initiieren. Nur muss man dann diese Märkte auch verstehen.

Wie leben Sie das grüne Denken im Betriebsalltag?

Green Engineering soll bei EBM-Papst kein Marketing-Gag sein. Darum machen wir uns intensiv Gedanken darüber, wie sich diese Philosophie nachhaltig in unserem Haus umsetzen lässt. Dazu ist ein Nachhaltigkeitskonzept entstanden, das in der Gesamtgruppe wirken soll. Ein Baustein ist die sogenannte Green Week, die einmal im Jahr an jedem Standort weltweit stattfindet. Dort vermitteln wir die Effizienzansätze und Erfolgsstrategien, die der strikten Überzeugung folgen, dass letztendlich jedes Produkt, das wir produzieren, ökologisch und ökonomisch besser sein muss als der Vorgänger. Wir wollen umweltfreundlich produzieren und auch in der Produktion schauen, was dort an Energie gespart werden kann.

Seit einem Jahr sind Auszubildende als Energiescouts bei EBM-Papst im Einsatz. Sie inspizieren regelmäßig mit Wärmebildkameras und Leckagesuchgeräten die Produktion und prüfen, wo Energie verloren geht. Durch diese Aktion rechnen wir pro Standort mit einer Einsparung von 60.000 bis 100.000 Euro pro Jahr. Und das ist nur der Anfang. Zusätzlich wollen wir bei den Mitarbeitern ein Bewusstsein entwickeln, mit Ressourcen sorgsam umzugehen.

Honorieren Ihre Kunden diesen immensen Aufwand?

Die Technologie wird bereits gut angenommen, aber noch haben einige Kunden nur den Kaufpreis im Blick und nicht die damit verbundenen Kosten. Oftmals fehlt ihnen noch das Verständnis und der vernünftige Blick in die Zukunft. Sie sehen die Chance nicht, die sich ergibt, wenn man eine intelligente Technologie wie die unsrige nutzt. Wir als EBM-Papst haben immer die Kosten über die gesamte Lebensdauer eines Produkts im Auge und das ist sehr sinnvoll.

Aber es gibt durchaus weitsichtige Kunden, die investieren und dadurch mittel- und langfristig attraktivere und zugleich zukunftssichere Produkte am Markt anbieten können. So sind sie auf der sicheren Seite, wenn sich Gesetze ändern oder der Energiepreis weiter in die Höhe schießt.

Vita Peter Metzger

-Studium der Feinwerktechnik in Furtwangen.

-Entwickler und Projektleiter bei Thyssen Hommelwerke in Mühlhausen.

-1997 Wechsel zu EBM-Papst als Vertriebsingenieur im technischen Vertrieb.

-Ab 1999 Aufbau des Bereichs Automotive im technischen Vertrieb, verbunden mit der Betreuung von Key Accounts.

-2004 Übernahme der Vertriebsleitung des Geschäftsbereichs Automotive.

Seit September 2011 Hauptabteilungsleiter Geschäftsfeldentwicklung und Marketing.

Erschienen in Ausgabe: 06/2012