»Wir gehen ins Detail«

Balkis/Beushausen - Das (Zahn-)Rad will Framo Morat in Eisenbach nicht neu entdecken. Doch die Antriebs- und Zahnradtechnik voranbringen, das ist die Leidenschaft der findigen Schwarzwälder - und das schon seit 1863.

22. August 2007

Die Uhrentechnik und die Tradition der Feinmechanik waren ein fruchtbarer Boden für die Ideen von Johann Morat, den Gründer des Stammhauses. Mit der Antriebstechnik, die in den 50er- und 60er- Jahren mit aufs Tablett kam, waren die Zeichen für den Erfolg richtig gesetzt. Zahnrad- und Antriebstechnik tragen heute Früchte über den Ort Eisenbach hinaus. Im ›Gear Valley‹ haben sich mehr als 10 Unternehmen dieser Technik verschrieben. Seit dem 19. Jahrhundert hat sich einiges getan - die Feinwerktechnik wurde besser. »... und 1912 gründete Franz, ein Sohn von Johann, unsere Firma, die Framo Morat GmbH & Co KG. Bewegte Geschichte und die Technik der Bewegung passen im Gear Valley zusammen «, umschreibt der Kaufmännische Geschäftsführer Gökhan Balkis das Unternehmen, das vor zwei Jahren noch Franz Morat KG hieß. Heute steht Framo Morat auf dem Geschäftspapier. Balkis erklärt die neue Traditionsmarke: »Framo war schon immer ein Markenname in der Antriebstechnik: Im Prinzip haben wir die Marke in den Namen reingenommen. In der Zahnradtechnik sind wir eher als Morat bekannt«.

Fertigungs-Know-how im Gear Valley

Die Antriebs- und Feinmechaniker im Gear Valley sind spezialisiert und kommen sich kaum ins Gehege, ist der Technische Geschäftsführer Uwe Beushausen überzeugt. »Wir sind hier eine große Antriebsfamilie, in der jeder seine besonderen Qualitäten ausbaut. Der eine hat sich mehr auf in der Baugröße kleine der Produkte spezialisiert, andere stellen sich branchenmäßig auf.«

Framo Morat residiert am höchsten Punkt: Auf 1040 m Höhe hat die Verzahnungstechnik ihre Hochburg. Bei Schneckenradsätzen zählt das Unternehmen schließlich zu den besten Europas. »Ein besonderes Leistungsmerkmal in Eisenbach sind die Fertigungsverfahren, die wir hier beherrschen. Das ist ein wichtiges Pfund mit dem wir gegenüber Wettbewerbern ›wuchern‹ können«, findet Uwe Beushausen. Er legt großen Wert darauf, dass Entwicklung und Produktion bei Framo Morat komplett aus einer Hand sind - und zwar unabhängig, ob dabei Verzahnungskomponenten oder komplette Antriebe gemeint sind. »Der Kunde kann alles von uns haben. Wir entwickeln und produzieren mit der Ausnahme weniger Sonderfertigungsverfahren alles selbst: Drehen, Verzahnen, Schleifen und Härten«, sagt Beushausen nicht ohne Stolz. Er will Schnittstellen vermeiden und möchte nicht zwischen mehreren Lieferanten organisieren, »denn wir haben nicht nur die Fertigungskompetenz, wir legen Verzahnungskomponenten auch aus und optimieren sie. Was dem Kunden, der in der Regel kein Getriebeexperte ist, einen großen Vorteil bietet.«

Es kommt eher selten vor, dass der Kunde einfach nur mit einer fertigen Zeichnung kommt. »Meistens ist es eine Idee oder eine Lösung, die er sich von uns verfeinern oder komplett entwickeln lässt. Oft formuliert er zum Beispiel, was er von einem neuen Antriebsmodul erwartet und nennt ein Preislimit. Anschließend analysieren wir gemeinsam Anfragen und Anforderungen, machen ein Grobkonzept und erstellen das Konzept für die Entwicklung. Darauf folgen Prototypen, die Vorserie, Tests - das heißt bis zur endgültigen Serienproduktion übernehmen wir für den Kunden alles«, schildert Gökhan Balkis den Beginn der Arbeit eines Komplettanbieters. Dass es nicht immer aufs volle Sortiment rausläuft, gibt er gerne zu: »Kunden, die mit uns im Antriebsbereich wenig zu tun hatten, kennen die Verzahnungskomponenten. Erst in den letzten 10 Jahren haben wir uns konsequent in Richtung Komplettanbieter bewegt«, formuliert Balkis die Wende zum Vollsortimenter. Doch solch eine Entwicklung erfolgt nicht automatisch, dafür muss insbesondere ein Traditionsunternehmen einiges in Bewegung setzen.

Die Idee und der Antrieb

Bereits durch das Unternehmensmotto wollen die Geschäftsführer die Richtung vorgeben: »Ihre Idee - unser Antrieb« drückt die Zielmarge für das Unternehmen aus: »Ideal wäre, wenn der Kunde uns wirklich sehr früh in seine Projekte einbezieht. Leider macht er das nicht automatisch. Da auch unser Wettbewerb nicht schläft, versuchen wir über unsere Markennamen, über unser Image und über unsere Vertriebspartnernetzwerke weltweit relativ früh dem Kunden mitzuteilen, dass es uns gibt und welche Stärken wir haben. Und das haben wir vor allem in den letzten fünf Jahren sehr erfolgreich praktiziert.«

Wer im Internet surft, erfährt sehr bald, dass Framo Morat sich als beratendes Unternehmen versteht, das die automatisierte Fertigung mit den Leistungen eines Ingenieurbüros ergänzt. »Als Vollsortimenter vereint Framo das Know-how und das gesamte Produktionsspektrum für die Getriebefertigung unter einem Dach«, heißt es dort. Das klassische Leistungsspektrum eines Ingenieurbüros ist jedoch nur die halbe Miete für das Portfolio des Unternehmens. »Framo Morat leistet mehr«, sagt Balkis: »Für verschiedenste Branchen haben wir Antriebe entwickelt, mit dem Kunden und für den Kunden, aber immer mit dem Ziel, die Antriebe selber zu produzieren.«

Nur Qualität zählt

»Auch wenn wir ›beratendes‹ Unternehmen sagen - wir sind kein reines Ingenieurbüro. Wir entwickeln dem Kunden keinen Antrieb, den er sich dann in Osteuropa oder in China bauen lassen kann. Was wir entwickeln, produzieren wir auch wirtschaftlich in Serie. Unsere Entwicklungsressourcen sind so abgestimmt, dass es für unsere eigene Produktion ausreicht.«

Produziert und montiert wird komplett in Eisenbach, eingekauft wird allerdings weltweit. »Wobei all das, was nicht unsere Kernkompetenz ist, hier in Deutschland von renommierten Partnern stammt - unkritische Massenware darf durchaus aus Fernost kommen«, sagt Beushausen. Die Chancen für Erfolg auf dem Weltmarkt schätzt der Framo-Morat-Geschäftsführer als sehr positiv ein. Heute hat das Unternehmen einen Exportanteil von 40 Prozent. Davon gehen 90 Prozent nach Europa. Außerhalb Europas gibt es noch wenig Kunden. »Hier steckt riesiges Potenzial. Denn dort sind noch viele Märkte, die wir noch gar nicht richtig bedienen, die wir uns aber in den nächsten Jahren verstärkt vornehmen.«

Die Erfolgreichen im Gear Valley stacheln auch den internationalen Wettbewerb an. Allerdings treibt das Gökhan Balkis keinen Angstschweiß auf die Stirn. Auf Messen kommen gelegentlich Kunden auf ihn zu, die Preise vergleichen und sagen, dass sie ›diesen‹ Radsatz jetzt in China für einen Bruchteil gekauft hätten. »Wir versuchen dann herauszufinden, ob er Äpfel mit Äpfeln vergleicht.« Denn von außen betrachtet kann ein Zahnrad dem anderen fast bis aufs Haar gleichen. Aber es gibt eben viele Feinheiten, die zu berücksichtigen sind. »Dann gehen wir ins Detail und untersuchen, ob es ein Wettbewerber ist, der wirklich das gleiche Produkt produziert.« Wenn der Preis massiv abweicht, trifft das in der Regel nicht zu. Materialien gibt es auf dem Weltmarkt zu gleichen Konditionen − außer sie sind subventioniert. Auch die Maschinen stammen von den gleichen Herstellern. Große Unterschiede liegen nicht an den Lohnkosten. »Denn wir haben ein Mehrmaschinen-Bedienerverhältnis. Meist stimmt die Qualität der Billigkomponenten nicht. Maschinen und gute Materialien kann sich jeder auf dem Weltmarkt kaufen. Nur die Erfahrung unserer Mitarbeiter in der Verzahnungstechnik können sie sich nicht kaufen«, erklären die Geschäftsführer.

Peter Schäfer

FaktenUwe Beushausen, Technischer Geschäftsführer bei der Framo Morat GmbH & Co. KG, ist Diplom Ingenieur (FH). Der 55-Jährige ist verheiratet und hat drei Kinder.

Gökhan Balkis, Kaufmännischer Geschäftsführer bei der Framo Morat GmbH & Co. KG, ist Diplom Wirtschaftsingenieur. Der 37-Jährige ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Erschienen in Ausgabe: 05/2007