„Wir haben eigentlich gar nicht mehr viel Zeit“

Am 9. Technischen Tag, den die VEM-Gruppe am 22. und 23. Juni in Wernigerode veranstaltete, war die Energieeffizienz ein zentrales Thema.

25. Juni 2010

Zum 9. Technischen Tag, den die VEM-Gruppe dieses Jahr ausnahmsweise bereits im Juni veranstaltete, reisten 200 Teilnehmer aus 16 Ländern nach Wernigerode im Harz. Während der erste Tag sich mit Offshore-, Schiffs- und Hafentechnik beschäftigte, ging es am zweiten Tag um das Thema „Energieeffizienz – Herausforderungen an die Antriebstechnik“. Im Mittelpunkt standen dabei natürlich die neuen gesetzlichen Vorgaben. „Wir haben eigentlich gar nicht mehr viel Zeit“, sagte Jürgen Sander, Geschäftsführer VEM motors GmbH und Vorsitzender der WG LV Motors of CEMEP, im Hinblick auf die VO 640/2009/EG, die ab dem 16. Juni 2011 Vorgaben für höhere Wirkungsgrade macht. Aber der Markt reagiere noch nicht so, als ob es fünf vor zwölf sei. „Wir empfehlen die Umstellung der Lagerbestände bis zum 31.3.2011“, verdeutlichte Sander.

Sander monierte aber auch die fehlende Kontrolle des Marktes auf Einhaltung der Verordnung: „Wir denken momentan als Hersteller über eine Selbsterklärung nach. Damit wollen die europäischen Hersteller den Kunden signalisieren, dass ihre Produkte die Normen einhalten. Gleichzeitig fordern die Hersteller, dass durch ein wirksames Monitoring die Motoren, die die Anforderungen der VO nicht erfüllen, nicht in den europäischen Markt gebracht werden“, so Sander. „Hersteller und Anwender investieren Geld und Zeit in die Entwicklung und den Einsatz der neuen Motoren. Um die VO schnell und wirksam umzusetzen und damit das erklärte Ziel der Senkung der CO2-Emissionen zu erreichen, erwarte ich erwarte von staatlicher Seite eine Unterstützung der Industrie. Letztlich stehen auch 20.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel."

Die Vorträge behandelten die ganze Bandbreite der Probleme, die mit den gesetzlichen Vorgaben auf die Branche zukommen. So referierte Dr. Christian Lehrmann von der PTB Braunschweig über die Wirkungsgradbestimmung an elektrischen Maschinen und Dr. Floris Akkermann von der Bundesanstalt für Materialforschung und –prüfung erläuterte dem Publikum beispielsweise die juristischen Begrifflichkeiten wie „Inverkehrbringen“. Bernhard Sattler vom ZVEI schilderte, was die VO 640/2009/EG für die Praxis bedeutet.

Rob Boteler (NEMA Marketing Committee)von der Emerson Motor Company berichtete über die Energieeffizienz aus Sicht der Normung in Amerika, Dr. Martin Doppelbauer über die internationale Normungssituation und die in den kommenden Jahren geplanten Normungsprojekte zur Energieeffizienz bei Motoren, Frequenzumrichtern und Antriebssystemen, Jens Duchow von Ebm-Papst über „Energieeffizienz durch Einsatz von EC-Motoren“, Chiara Forlani über die Verringerung von Reibung als ein Schritt in Richtung höhere Energieeffizienz und Michael Gruner von VEM über Permanentmagnetmotoren als Baustein energieeffizienter Antriebstechnik. Professor Dr. Andreas Pohl von der Westsächsischen Hochschule Zwickau appelierte am Ende seines Vortrages „Entwurfsansätze permanenterregter Synchron- auf der Basis einer Asynchronmaschinen-Baureihe“ an die Unternehmen, auf eventuellen Plattformen junge Leute für die Elektrotechnik zu begeistern, um dem Fachkräftemangel vorzubeugen.

Neben den vielen hochkarätigen Vorträgen kam aber auch die Unterhaltung nicht zu kurz. So trug Prof. Dr. Claus Mattheck vom Forschungszentrum Karlsruhe GmbH am Ende des ersten Tages unter anderem aus seiner „Volksmechanik“ vor und erläuterte dem Publikum in unterhaltsamer und anschaulicher Weise, wie sich die verborgenen Gestaltgesetze der Natur auf den Maschinenbau übertragen lassen. „Letztlich ist es so, dass eine kleine Kerbe eine große Tragödie auslöst“, leitete Matteck seinen Vortrag über die Zugdreiecke ein. „Das Schlimmste ist die Mehrfachkerbe – das ist die Anleitung zur Sabotage im Maschinenbau.“ Matteck erläuterte aber sogleich, wie Konstrukteure mithilfe der von der Natur entwickelten Methoden Maschinenteile im Hinblick auf ihre mechanische Belastbarkeit optimieren können.

Auch wenn in diesem Jahr die Veranstaltung unter anderem wegen der Husum Wind in den Juni vorverlegt wurde – der 10. Technische Tag wird wieder im September, am 27. und 28.09.2011, in Wernigerode stattfinden.

Angela Unger