»Wir halten unsere Versprechen«

Jürgen Bischhaus - Nur auf den ersten Blick steht der Torwart etwas außerhalb des Spielgeschehens.

01. Februar 2006

Der Keeper beobachtet, was alle anderen mit dem Ball anstellen. Doch die Ruhe täuscht. Jürgen Bischhaus kennt die Situation, als Fußballer ist sein Platz immer im Tor. Sein Geld verdient er als Geschäftsführer von Beijer Electronics in Stuttgart.

Die Aktionen der Mitspieler und die Vorstöße der gegnerischen Mannschaft in die eigne Hälfte berühren den passionierten Fußballer mehr, als seine Gelassenheit vermuten lässt. Die Parallele zwischen Torwart und Deutschlandchef des schwedischen Unternehmens Beijer Electronics besteht zumindest in Sachen Teamarbeit.

»Im Berufsleben wie auf dem Fußballplatz bin ich auf mein Team angewiesen«, vergleicht Jürgen Bischhaus. »Das reicht von dem, was meine Mitarbeiter an neuen kundenspezifischen HMI-Lösungen entwickeln bis hin zu den Reaktionen der Wettbewerber auf unsere Ideen.«

Der Markt gibt jede Spielbewegung zurück

Wer im Tor steht, hat einen exzellenten Überblick aufs Spielgeschehen und kann sofort reagieren. Schnelle Reaktion auf technische Innovation aus der gegnerischen Hälfte entscheiden. Jedoch lässt sich Bischhaus selbst durch arges Gewusel auf dem Platz nicht aus der Ruhe bringen. »Man sollte sich nicht nervös um alle Beteiligten kümmern. Allerdings bekommt man aus meiner Position verdammt schnell mit, wenn irgend etwas auf dem Feld falsch läuft.« Umgekehrt reagiert der Markt empfindlich. »Er gibt jede wichtige Aktion und jede ›Spielbewegung‹ zurück.« Die Technik, die geboten wird, also die Entwicklungen aus den Unternehmen müssen zu den Wünschen der Kunden passen.

Schwedische Teams werden zwar beim Fußballspielen oft unterschätzt, sind aber immer gleich bleibend gut gewesen. Jürgen Bischhaus weiß, dass die Schweden heute bei HMI-Lösungen in der ersten Liga spielen - Beijer ist 2005 weltweit um 30 Prozent gewachsen und hat in Deutschland seinen Umsatz verdoppelt. Aber auch im Fußball werden die Schweden aufholen, ist Jürgen Bischhaus überzeugt: »Wir Schweden haben in den letzten 15 Jahren immer sehr konstant gespielt, denn Schweden war immer ein gutes Team. Es gab keine herausragenden Spieler, aber als Mannschaft haben wir immer gut zusammen gespielt. Allerdings haben wir jetzt auch Top-Spieler wie Henrik Larsson und andere, die dazu beitragen, dass größere Mannschaften mehr Respekt vor uns haben.«

Vorher funktionierte alles wie eine Maschine: Sie lief entweder gut oder schlecht. »Doch durch Spitzenspieler können andere Spieler im Team freier agieren«, argumentiert Beijer-Teamchef Bischhaus. Für sein Team in Stuttgart hat er bereits einige Topspieler engagiert. Auf der SPS/IPC/Drives gab es den ersten Pokalsieg: Beijer wurde von Kunden als bester HMI-Lieferant mit dem HMI Hardware Vendor-Preis ausgezeichnet. »Für uns bestätigt diese Auszeichnung, dass Beijer Electronics hält, was sie verspricht.«

Stichtag für den ›Mannschaftsaufbau‹ von Beijer und das Vor-Ort-Engagement in Deutschland, war der 17. Oktober 2001. »Von diesem ersten Tag an kam es uns auf ein solides Fundament an: die Marktkenntnis. Wir leben mit unseren Produkten vom Kontakt zu den Kunden. Denn auf dem deutschen Markt gibt es viele HMI-Lieferanten, und die Produkte werden sich immer ähnlicher. Unser Fazit lautet: Wir konzentrieren uns nicht nur auf das Produkt, da das Wichtigste unsere Beziehung zum Kunden ist.«

Der Award ist zwar eine Auszeichnung, die auf der Kundenentscheidung basiert, aber Jürgen Bischhaus reagiert eher mit schwedischem Understatement: »Wir sind stolz auf den Preis, allerdings stehen wir deshalb noch nicht ganz oben. Dieser Award bestätigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.« Von allgemeinen Beteuerungen in der Form: wir reden mit den Kunden, hält er wenig. »Sofern man immer nur ans Produkt denkt, kommt der Kunde mit seiner Anforderung zu kurz.« Bei solchen Ansprüchen liegt die Messlatte hoch. Aber bei allem sportlichen Ehrgeiz wundert sich Jürgen Bischhaus auch manchmal über den eigenen Erfolg. »Ich kann nicht genau sagen, wie wir das schaffen, ich weiß nur, wie wir arbeiten.«

Der Schlüssel zum Erfolg könnte auch der direkte Draht zum Kunden sein, der durch die unkomplizierte Art des Beijer-Teams um Jürgen Bischhaus entsprechend kurz ist. Mit direktem Draht hat es viel zu tun, dass der Entwickler einer HMI-Lösung gerne persönlich mit dem Kunden spricht. Auch wenn der Kunde in Deutschland sitzt und die Entwicklungsabteilung in Malmö arbeitet. »Mit einem Telefon spielt es keine Rolle, ob man im Nachbarort sitzt oder in Schweden«, kommentiert Jürgen Bischhaus die räumliche Distanz. Bei sprachlichen Barrieren sieht er sich als der Vermittler zwischen Kunden und technischem Entwickler.

Alle Wünsche kann selbst Beijer nicht erfüllen, weiß Jürgen Bischhaus nur zu gut: »Wir decken mit unseren Standardprodukten zwar sehr viele Anforderungen ab, aber oft will der Kunde etwas Besonderes haben. Eine Sonderfunktion soll seine Applikationen noch effektiver machen oder seine Lösung von der seines Wettbewerbs unterscheiden. Dann ist die Produktivität unserer Entwickler gefragt.« Gerade in solchen Fällen möchte er lieber den Kontakt zum Entwickler herstellen als möglicherweise Informationen zu filtrieren: »Wir haben in solchen Fällen lediglich projektleitende Funktion.«

Dabei ist das Team von Jürgen Bischhaus mit sechs Playern eher klein. Die Aufgaben sind zwar verteilt, aber wenn es brennt, muss jeder alles machen - in jedem Fall muss der Kunde gut beraten sein. Bischhaus: »In unserem Team in Stuttgart sind wir wirklich Angriff, Mittelfeld und Verteidigung.« Wie in einem Fußballteam haben die Beijer-Leute verschiedene Stärken, die alle etwas mit technischem Kundensupport zu tun haben. Allerdings kann sich das Team immer auf eine insgesamt 150 Mitarbeiter starke Mannschaft in der HMI-Produktion verlassen, findet Bischhaus. Dass sechs Leute in Stuttgart in Sachen Kundensupport nicht chronisch überlastet sind, hat etwas mit den Lösungen selbst zu tun, ist der Deutschland-Geschäftsführer überzeugt. »Kunden lesen keine Handbücher. Denn ein Produkt sollte so einfach zu bedienen sein, dass man auf solche Literatur verzichten kann.«

Peter Schäfer

Jürgen Bischhaus

- Jürgen Bischhaus wurde 1969 in Stockholm geboren

- Nach seiner Elektrotechnik-Ausbildung begann er 1989 bei Beijer Electronics in Stockholm im Innendienst

- 1998 wird er in Malmö Exportleiter weltweit, 2001 Geschäftsführer Beijer Electronics in Stuttgart.

Erschienen in Ausgabe: 01/2006