„Wir sind bereit, unsere Chance in China zu ergreifen“

Die Mannheimer Karl Berrang GmbH, Spezialist für mechanische Verbindungstechnik, hat in Shanghai kürzlich eine chinesische Niederlassung eröffnet. Die :K sprach darüber mit Bernhard Berrang, dem geschäftsführenden Gesellschafter.

14. August 2009

Die Heidelberger Druckmaschinen AG ist einer unserer Schlüsselkunden, welcher insbesondere unsere Leistungen im Bereich des Qualitätsmanagements und der Logistik schätzt. Nachdem man 2006 die Montage in China aufgenommen hat und zunächst einen Großteil der Komponenten, einschließlich unserer Produkte, aus Deutschland bezog, fragte man uns, ob wir denselben Service nicht in China bieten können. Dieser Herausforderung haben wir uns gestellt und zunächst verschiedene Handlungsoptionen, wie Dienstleistung durch einen Dritten, Jointventure , etc. untersucht. Nach einer Reihe von Gesprächen vor Ort und Abwägung aller Fakten kamen wir zu dem Schluss, dass nur ein eigenes Unternehmen die Erwartungen unserer Kunden und denselben Qualitätsstandard gewährleisten kann.

Was meinen Sie genau mit »Gerade in den letzten Monaten habe sich die Stabilität dieses Marktes gezeigt«?

Die weltweite Wirtschaftskrise ist natürlich auch am chinesischen Markt nicht spurlos vorüber gegangen. Aber man hat den Eindruck, dass die dynamische Wirtschaft dieses Landes die Krise bisher besser auffangen konnte. Während wir in nahezu allen europäischen Ländern derzeit einen deutlichen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes verzeichnen müssen, kann China immer noch ein Wachstum von über 6 Prozent im ersten Quartal 2009 vorweisen. Auch wenn ausdrücklich darauf hingewiesen wird, dass es sich dabei um das schlechteste Wachstum der letzten 10 Jahre handelt.

Warum lohnt es sich gerade in der Krise nach China zu gehen?

Wir begannen mit den Vorbereitungen für die Gründung unserer chinesischen Tochtergesellschaft lange bevor die ersten Anzeichen auf eine beginnende Wirtschaftskrise hindeuteten. Unser Engagement muss aber auch völlig losgelöst von der aktuellen wirtschaftlichen Situation gesehen werden. Die Karl Berrang GmbH wurde im Jahre 1948 gegründet, unsere Kundenbeziehungen sind langfristig angelegt und natürlich haben wir immer wieder gemeinsam mit unseren Kunden bessere und schlechtere Zeiten erlebt. Unabhängig davon ist es immer günstig, wenn ein Unternehmen sich gerade in Krisenzeiten neu aufstellen kann. Umso stärker kann es dann durchstarten, wenn die Wirtschaft sich generell wieder belebt.

Was hat Berrang konkret in China vor, was will es dort erreichen?

Unsere geplanten Aktivitäten können ganz grob in zwei Bereiche eingeteilt werden.

Der erste Teil, der auch im Zentrum unserer Startaktivitäten steht, betrifft unsere Stammkunden. Wir können ihnen nun auch für ihre chinesischen Geschäftsaktivitäten das volle Portfolio der Berrang-Dienstleistungen anbieten, die sie aus Deutschland, Frankreich und den USA gewohnt sind. Diese Begleitung auf einem großen Markt wird natürlich insgesamt zu einer Verfestigung der Kundenbeziehungen beitragen. Mittel- und langfristig wollen wir unsere Präsenz auf dem chinesischen Markt aber auch nutzen, um unsererseits neue Beziehungen zu Lieferanten aufzubauen. Uns geht es hier nicht darum, möglichst schnell möglichst günstige Lieferanten zu finden, die dann noch schneller wieder ausgetauscht werden.

Wie sieht Berrang die Entwicklung des europäischen Marktes im Vergleich zum chinesischen Markt?

Der europäische Markt wird für Berrang auch in Zukunft der Kernmarkt bleiben. Hier sind wir mit unseren acht Standorten in Deutschland und unserer Niederlassung in Frankreich ja auch sehr gut aufgestellt. Allerdings wird der europäische Markt etwas länger brauchen, um sich von der aktuellen Krise zu erholen. Auch sehen wir auf dem europäischen Markt in verschiedenen Bereichen eher Überkapazitäten und Marktsättigungstendenzen. Das heißt, es wird hier mit Sicherheit zu Umstrukturierungen kommen.

Hat Berrang keine Angst, zum momentanen Zeitpunkt einen solchen Schritt zu wagen oder war es – provokant formuliert – einfach zu spät, um das Vorhaben in der aktuellen Krise noch abzubrechen?

Nein, wir sind gut aufgestellt und haben deswegen keine Angst, diesen Schritt zum jetzigen Zeitpunkt zu wagen. Ich bin mir sogar sicher, dass der Schritt gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen richtig ist. So sichern wir die langfristige Zukunftsfähigkeit unseres Familienunternehmens, in dem bereits die dritte Generation Verantwortung trägt.

Das Interview führte Angela Unger