"Wir sind komplett vorbereitet"

Spezial

Jörg Niermann – Der Bereichsleiter Marketing von Nord Drivesystems erzählt, wie das Unternehmen aus Bargteheide Energieeffizienz lebt.

21. März 2011

Herr Niermann, ist Energieeffizienz noch immer aktuell für die Branche und für Nord Drivesystems?

Energieeffiziente Motoren haben wir schon seit 1997 im Angebot. Anfangs wurden sie nur mäßig angenommen. Geändert hat sich das, als gesetzliche Vorschriften kamen. Und jetzt ist es ein sehr wichtiges Thema. Neben den Motoren gibt es noch Energieeinsparpotentiale, die teilweise erheblich größer sind als die der Motoren. Diese müssen natürlich auch berücksichtigt werden. Mit Frequenzumrichtern lässt sich eine deutlich größere Einsparung erzielen, weitere Möglichkeiten ergeben sich in der Regel bei einer Gesamtbetrachtung der Anlage.

Wie hoch ist die Hürde IE2?

Wir sind komplett vorbereitet, seit Ende 2009 haben wir IE2-Motoren im Sortiment und liefern diese auch schon an Kunden aus. Am 16.6.2011 tritt die neue Gesetzgebung in Europa in Kraft. Unser Ziel ist es, eine optimale Beratung für unsere Kunden zu leisten. Die neue Gesetzgebung gilt für den Dauerbetrieb (S1), für andere Betriebsarten gibt es unterschiedliche Anforderungen. Wir bieten Informationen, zum Beispiel unter www.nord.com/IE2 oder persönliche Beratung für unsere Kunden.

Wie steht Nord im Wettbewerb?

Wir heben uns schon etwas ab mit unseren Motoren, weil sich durch die neue Konstruktion und den speziellen Aufbau der Motoren auch die Motor-Charakteristik verändert hat. Wir haben mehr Material im Motor verbaut, um eine bessere Effizienz zu erreichen. Aufgrund der größeren Reserven kann der Motor einfacher in seinem effizienten Nennlastbereich eingesetzt werden. Wir nutzen hier die größeren thermischen Reserven der Motoren aus und können die Antriebe dadurch anders projektieren. Dadurch wird auch Überdimensionierung reduziert, die in der Regel zu einer geringeren Effizienz des Antriebs, zu höheren Anschaffungskosten und zu höheren Betriebskosten führt.

Lohnt es sich weiterhin, große Bemühungen in die Entwicklung der Motoren zu stecken?

Wir sind jetzt bei IE2 angelangt und haben auch schon erste IE3-Motoren, insofern wird es eine Weiterentwicklung geben. Der nächste Schritt sind Motoren nach der Effizienzklasse IE4. Nord wird selbstverständlich weiter an der Steigerung der Motoren Effizienz arbeiten.

Mehr Einsparungen gibt es bei den Umrichtern...

Dort gibt es zum Beispiel die automatische Magnetisierungsanpassung, bei der die Elektronik geschickt nur die notwendige Magnetisierung im Motor erzeugt. Hier gibt es ein Potenzial von bis zu 30 Prozent Energieeinsparung. Weitere Ansatzpunkte sind die Regulierung der Antriebe und die Ausnutzung von Bremsenergie. Das Spektrum der Energiesparmaßnahmen ist groß..

Darum stehen die Umrichter im Fokus Ihrer Forschung und Entwicklung?

Die Umrichter sind ein wichtiger Bestandteil des Nord-Produktspektrums, das aus Motor, Getriebe und Antriebselektronik besteht. Nord bietet aus eigener Entwicklung und Produktion die bekannten Schaltschrank-Frequenzumrichter wie zum Beispiel den SK500E aber auch dezentrale Frequenzumrichter, wie den SK200E an. Die dezentralen Frequenzumrichter von Nord nehmen derzeit eine herausragende Stellung am Markt für Antriebstechnik ein. Besonders in Branchen mit langen Förderanlagen hat diese Technologie Vorteile gegenüber den herkömmlichen Schaltschrank-Varianten.

Getriebe sind ja der Ursprung des Unternehmens. Wie können Sie da Verzahnung, Schmierung oder Lager optimieren?

Das ist richtig, Getriebe waren die ersten Produkte, die von Getriebebau Nord vor über 45 Jahren verkauft wurden. Wir haben eine große Fertigungstiefe, angefangen bei der eigenen Entwicklung über die eigene Produktion von Gehäusen, Wellen und Zahnrädern. Dabei setzten wir auf modernste Technik, hier beispielsweise das vollautomatische Vakuumhärten von Zahnrädern. All dieses führt dazu, dass die Produkte von Nord optimal aufeinander abgestimmt sind und höchsten Qualitätsansprüchen genügen. Selbstverständlich ist dabei die stetige Weiterentwicklung der Produkte. Beispiele dafür sind die Entwicklung der Blockgehäuse-Bauweise, die Weiterentwicklung in den Getrieben der Baureihe Nordbloc.1, die Industriegetriebe bis 200.000 Newtonmeter auch in Blockbauweise und vieles mehr.

Gibt es neue Materialien?

Aluminium-Druckguss wird für Getriebe immer populärer. Wir haben bereits eine große Palette an Produkten aus diesem Material. Die Vorzüge sind unter anderem das deutlich geringere Gewicht der Produkte. Dieses kommt besonders zum Tragen, wenn die Antriebe in Anlagen mitbewegt werden müssen.

Welche Rolle spielen Steuerung und Software?

Das ist ein Thema für uns und für unsere Kunden. Erst auf der SPS/Drives in Nürnberg haben wir im vergangenen Jahr unseren Frequenzumrichter SK540E vorgestellt. Dieser Frequenzumrichter beinhaltet eine kleine SPS-Steuerung.

Wie fasst Nord alle diese Ansatzpunkte zu der optimalen Lösung zusammen?

Zuallererst richten wir uns an den Bedürfnissen des Kunden aus. Er hat seine Anforderungen an eine neue Anlage, und wir beraten ihn in allen Belangen der Antriebstechnik. Zu unserem Produktspektrum zählen dabei natürlich die Getriebe aber auch genauso die Nord-Motoren und die Nord-Antriebselektronik. Mit langjährigen Anwendungserfahrungen in den unterschiedlichsten Branchen sowie aktuellem Wissen über die Möglichkeiten der Effizienzsteigerung sind wir unseren Kunden ein kompetenter Partner bei der Projektierung von Antriebslösungen. Die weltweit 25 eigenen Tochterunternehmen von Nord stellen zudem eine globale Betreuung sicher.

»Wir richten uns an den Bedürfnissen des Kunden aus.«

Jörg Niermann, Nord Drivesystems

Erschienen in Ausgabe: 02/2011