Wirklich sicher sein

Marktaufsicht

Einheitliche EU-Vorschrift - Bei Nichteinhaltung der Maschinenrichtlinie können die Behörden Maßnahmen erlassen, die bis zum Verkaufsverbot oder zum Rückruf von Maschinen führen können.

12. November 2009

Die neue Maschinenrichtlinie ermöglicht einen freien Zugang zum europäischen Binnenmarkt. Für alle EU-Länder gibt es nur eine Vorschrift. Werden alle für die jeweilige Maschine geltenden Richtlinien, wie beispielsweise die Maschinenrichtlinie oder die EMV-Richtlinie, eingehalten, so kann in Eigenverantwortung die Kennzeichnung mit dem CE-Zeichen vorgenommen werden. Damit erhält die Maschine den Reisepass für Europa und wird von allen Mitgliedsstaaten akzeptiert. Die Maschinenrichtlinie gilt natürlich auch für Maschinen, die aus anderen Ländern auf den europäischen Markt drängen. Die Marktaufsichtsbehörden haben nun die Chance, den europäischen Markt vor unsicheren Maschinen zu schützen. Der Anhang 4 der neuen Maschinenrichtlinie beschreibt eindeutig, wie die Marktaufsicht im Geltungsbereich der Maschinenrichtlinie umzusetzen ist. Danach sind in den Mitgliedsstaaten zuständige Behörden einzurichten, zu benennen und die Organisation und die Befugnisse sowohl an die Kommission als auch an die übrigen Mitgliedsstaaten zu berichten. Die deutschen Marktüberwachungsbehörden (zum Beispiel das Gewerbeaufsichtsamt) agieren heute bereits auf Grundlage des Geräte- und Produktsicherheitsgesetzes (GPSG). Bei Nichteinhaltung der Maschinenrichtlinie können diese Behörden entsprechende Maßnahmen erlassen, die bis zum Verkaufsverbot oder zum Rückruf von Maschinen führen können.

Weil die Richtlinie ab dem 29. Dezember anzuwenden ist, sollten Maschinenbauer sich jetzt eingehend mit den geänderten Anforderungen auseinandersetzen, denn für aktuelle und neue Maschinenkonzepte ist eine Neubewertung der Maschinensicherheit erforderlich. Diese Neubewertung wird in vielen Fällen ein verändertes Sicherheitskonzept und andere sicherheitsgerichtete Komponenten erforderlich machen, um die geforderte »Sicherheitstechnische Leistungsfähigkeit« zu erfüllen.

Vermutungswirkung nutzen

Die Fragen zur Anwendung der Maschinenrichtlinie wurden in Form von Normen zur »Funktionalen Sicherheit« beantwortet. Diese Normen sind innerhalb der EU harmonisiert. Die Anwendung von in der EU harmonisierten Normen zur »Sicherheit von Maschinen« lässt die Einhaltung der wesentlichen Anforderungen der EU-Maschinenrichtlinie »vermuten« – die sogenannte »Vermutungswirkung«. Das heißt: Die Anwendung dieser Normen erfüllt die Anforderungen der Maschinenrichtlinie. Im EU-Amtsblatt C214/1 vom 8.9.2009 sind alle relevanten harmonisierten Normen zur Maschinenrichtlinie 2006/42/EG gelistet. Ob nun die Forderungen der Maschinenrichtlinie unter Zuhilfenahme der harmonisierten Normen erfüllt werden, obliegt dem Anwender. In jedem Falle ist aber die Konformität der Maschine zur neuen MRL 2006/42/EG durch geeignete Dokumentation nachzuweisen. Kern der Umsetzung der neuen Richtlinie bildet die Norm EN ISO 13489-1 als Nachfolgenorm der bisherigen EN 954-1. Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass der Maschinenbetreiber verpflichtet ist, zusätzlich zu der bislang erforderlichen qualitativen Risikoanalyse auch eine quantitative Einschätzung potenzieller Gefährdungen vorzunehmen. In diesem Rahmen wird ermittelt, welche Gefahren während des Betriebs einer Maschine auftreten können und ob die Wirksamkeit der gewählten Sicherheitsfunktionen ausreichend ist. Zur ENISO138491 liegt als Empfehlung für den Maschinenbau ein Positionspapier des VDMA vor. Bei Abweichungen von den genannten Architekturen wird auf die Basisnorm IEC61508 bzw. als Sektornorm auf die IEC/EN62061 verwiesen. Die Norm ENISO12100 enthält Grundbegriffe und allgemeine Gestaltungsleitsätze. Sie richtet sich besonders an die Konstruktion und zeigt die prinzipielle Vorgehensweise bei der Risikobeurteilung von Maschinen auf. Wichtig bei der Risikobeurteilung ist die Identifizierung jeder möglichen Gefährdung. Dabei gilt es, die unterschiedlichen Betriebszustände im Lebenszyklus der Maschine mit zu berücksichtigen.

Integrierte Sicherheit

Die Automatisierungstechnik bietet heute Lösungen, die vom klassischen Sicherheitsrelais bis hin zu komplett integrierten Sicherheitslösungen mit differenziertem Verhalten im Fehlerfall reichen. Integrierte Sicherheitslösungen sorgen nicht nur für eine hohe Sicherheit des Bedienpersonals und des Produktionsprozesses, sondern reduzieren gleichzeitig die Komplexität beträchtlich, da der gegenüber klassischen Lösungen notwendige Verkabelungs- und Prüfaufwand sowie das Engineering minimiert werden. Der Trend hin zu immer kleineren Losgrößen von Produkten macht häufigeres Umrüsten der Maschine notwendig. Um den Betrieb einer Anlage dennoch effizient und rentabel zu gestalten, müssen die Rüstzeiten verkürzt werden. Das größte Risiko, einen körperlichen Schaden zu erleiden, besteht erfahrungsgemäß nicht während des eigentlichen Produktionsprozesses, sondern während des Rüstens sowie bei der Beseitigung von Fehlern oder Störfällen. Um solche Unfälle zu vermeiden und dem Bedienpersonal den sicheren Zugang zur Maschine zu ermöglichen, müssen im Falle von plötzlich auftretenden Fehlfunktionen alle beweglichen Teile einer Maschine unverzüglich in den sicheren Betriebszustand versetzt werden. Nur wenn der Prozess des Eingreifens in betriebliche Maschinenabläufe sicher gestaltet wird, kann der Schutz des Personals vor körperlichen Schäden gewährleistet werden. Der wirtschaftliche Vorteil: neben schnellerem Engineering wird eine höhere Verfügbarkeit durch reduzierte Rüst- und Servicezeiten erreicht. Vor dem Hintergrund des zunehmenden internationalen Wettbewerbsdrucks ist dies für die Maschinenbetreiber von großer Bedeutung.

Peter Merte, Baumüller/aru

Fakten

- Baumüller bietet integrierbare und PLCopen Safety-konforme Sicherheitslösungen an. Dieses Konzept erfasst zentrale, modular dezentrale und hybride Automatisierungsstrukturen und spiegelt sich in jedem Bereich der Anwendung wider. So integriert Baumüller sein Sicherheitskonzept in alle Automatisierungskomponenten. Hauptbestandteil dabei ist die neue Sicherheitssteuerung b maXX-safePLC in Verbindung mit einem Antriebssystem mit integrierter funktionaler Sicherheit. Die integrierte Sicherheitstechnik sorgt dafür, dass durch technisches Versagen und falsche Handhabung hervorgerufene Gefährdungen für die Sicherheit der Mitarbeiter und für den Produktionsprozess reduziert werden. Daneben wird auch die Produktivität der Anlage gesteigert. So ermöglichen die eingebauten Diagnosefunktionen, dass Produktionsfehler und -ausfälle früh erkannt und behoben werden können. Dadurch kann ein teurer Anlagenstillstand vermieden werden.

- Die Sicherheitssteuerung b maXX-safePLC trägt auch zur Reduktion der Komplexität bei. Dies geschieht, indem komplizierte Verdrahtungen entfallen und der Verkabelungs- und Prüfaufwand minimiert werden. Integrierte Sicherheitssteuerungen machen mehrfach gekoppelte Einheiten sogar völlig überflüssig. Somit kann die Kombination von Standard- und sicherer SIL 3-Steuerung dem Maschinenbetreiber im Vergleich zu herkömmlichen Lösungen auch einen wirtschaftlichen Vorteil verschaffen.

Erschienen in Ausgabe: 08/2009