»Wissen, wann es kracht«

Condition Monitoring - Ein Leitthema auf der Hannover Messe ist die Zustandsüberwachung von Maschinen und Anlagen. Moderiert wird die Diskussion unter technischen wirtschaftlichen Kriterien von Peter Synek, VDMA, Mitglied im Mechatronischen Arbeitskreis der :K.

02. April 2007

Mögliche Fehler müssen erkannt werden, bevor sie in der Produktion auftreten. Die Erkenntnis ist trivial, aber Folgen können fatal sein. Manchmal ist es eben entscheidend zu wissen, wann es kracht. Condition Monitoring hilft also, den Stillstand der Produktion zu verhindern - und Wartungsarbeiten gezielt zu planen. Vorausschauende und intelligente Zustandsüberwachung zählt heute zu den wichtigen Wettbewerbsfaktoren. Denn Produktionssysteme werden an der Belastungsgrenze betrieben - die Folge kann eine erhöhte Störanfälligkeit sein. Wer von höherer Produktivität, Anlagenverfügbarkeit und Automatisierung spricht, muss an Zuverlässigkeit und Sicherheit denken. Ungeplante Stillstände der Produktionsmaschinen werfen jede Planung um. Das sind gute Gründe, weshalb immer mehr von der Instandhaltung erwartet wird. Routineprüfungen in festgelegten Intervallen oder gar nur die Instandsetzung nach Ausfällen reichen bei Weitem nicht aus. Überwachungssysteme sind wichtige Hilfsmittel, um Schäden, ungewollte Stillstände und damit verbundenen Umsatzausfall zu vermeiden. Richtig eingesetzt, senkt Condition Monitoring die Instandhaltungskosten erheblich. Zustandsorientiertes Handeln setzt jedoch detailliertes Zustandswissen voraus. Am Anfang jeder Überlegung für den Einsatz von Condition-Monitoring-Systemen muss eine sorgfältige Analyse stehen, um das geeignete Instandhaltungskonzept zu wählen.

Analyse schafft Wissen

Am Anfang steht die Frage, ob es sich lohnt, eine Maschine zu überwachen. Hat ein ungeplanter Stillstand kaum negative Auswirkungen, lassen sich die mit der Einführung verbundenen Investitionskosten kaum rechtfertigen. Wer Condition-Monitoring-Systeme einsetzen will, muss an Lifecycle- Management und Total Cost of Ownership denken. Lebenszyklusorientierung sowie die Nutzungsdauer und Intensivierung der eingesetzten Maschinen und Anlagen stellen strategische Kriterien in den Unternehmen dar. Lifecycle-Cost-Betrachtungen schaffen die Voraussetzung, um die tatsächlichen Lebenszykluskosten - von der Idee bis zur Entsorgung - zu bewerten.

Mechatronik zur Statusüberwachung

Condition Monitoring bedeutet auch, Wartungsabläufe zu rationalisieren. Bewältigen lässt sich dies mit intelligenten mechatronischen Systemen, der Statusüberwachung und Maschinendiagnose. Aufgabe des Condition Monitoring ist es, über Zustandsparameter insbesondere die verschleißbedingten Zustandsveränderungen zu erkennen. Mit diesen Informationen können mögliche Schwachstellen schnell beseitigt werden.

Ein Trend im Maschinen- und Anlagenbau ist, dass der Endkunde die Hersteller über Verträge mehr als bisher unter dem Gesichtspunkt der Lebenszykluskosten einbindet. Schließlich soll die Verfügbarkeit von Maschinen steigen und weltweite Service- und Instandhaltungsprozesse sollen optimiert werden.

Condition Monitoring auf der Hannover Messe

Condition Monitoring steht also für das Ermitteln und Interpretieren der Zustandsinformationen von Maschinen, Anlagen und deren Komponenten. Die Vorteile für den Hersteller sind eindeutig: Condition Monitoring erhöht den Kunden-Nutzen der Maschine, verbessert den (After-)Sales-Service und verbessert den Kundenservice.

Mit über 20.000 Fachbesuchern war die vom VDMA initiierte 1. Sonderveranstaltung ›Condition Monitoring Systems‹ auf der Hannover Messe 2005 ein beachtenswerter Erfolg und übertraf alle Erwartungen der Beteiligten. Gezeigt wurden von über 40 Firmen Konzepte und technische Lösungen von Condition-Monitoring-Systemen. Dem Wunsch der sich beteiligenden Firmen nach einer Fortsetzung der Veranstaltung hat der VDMA Rechnung getragen und eine 2. Sonderausstellung zu diesem Thema im Rahmen der Leitmesse Motion, Drive & Automation MDA auf der Hannover Messe 2007 initiiert. Wurden 2005 verschiedenste Off - und Online-CM-Systeme neben dem Eyecatcher, einer 2,5-Megawatt- Gondel einer Windkraftanlage, gezeigt, werden in diesem Jahr dem Besucher neben den neuesten Konzepten und Lösungen dieser Überwachungssysteme auch im Produktionsprozess stehende Maschinen und Anlagen gezeigt. Dies sind beispielsweise eine Karosseriebauzelle für ein Kraftfahrzeug mit den CMS-Schwerpunktthemen Schweißzangensensorik, Schwingungsmessung und Thermografie, ein Gabelstapler mit integriertem Diagnosesystem zur kontinuierlichen Zustandsüberwachung der Druckflüssigkeiten. Ferner wird der Nutzen von CM-Systemen auch an einer Schlauchbeutelverpackungsmaschine, an einer Kunststoffspritzgießmaschine und an einer Werkzeugmaschine demonstriert. Zu sehen sein wird auch das Überwachen einer im Feld arbeitenden Forstmaschine mittels Ferndatenübertragung. Im MDA-Forum wird das Thema Condition Monitoring in 20 Fachvorträgen von namhaften Referenten aus Industrie und Wissenschaft vertieft.

Peter Synek, Forschungsfonds Fluidtechnik im VDMA, ist Mitglied im Mechatronischen Arbeitskreis :K

FAKTEN

¦ Zu Condition-Monitoring-Systemen veranstaltet der VDMA auf der Hannover Messe 2007 eine Sonderausstellung im Rahmen der Leitmesse Motion, Drive & Automation.

¦ Gezeigt werden neueste Konzepte und Lösungen dieser Überwachungssysteme von im Produktionsprozess stehenden Maschinen und Anlagen.

Erschienen in Ausgabe: 02/2007