Wohlfühlfaktor

CAD CAM Hardware

CAD-Arbeitsplätze – Die Arbeit des Konstrukteurs und Entwicklers ist anstrengend und komplex. Mit ergonomischen Arbeitsplätzen lässt sich die Belastung reduzieren.

29. Juni 2011

Eines der größten Probleme im Arbeitsalltag des Konstrukteurs ist die totale »Zerfaserung« des Arbeitsalltages. Es sind ständig mehrere Arbeitsstränge oder Projekte zu verfolgen, Telefonanrufe oder Rückfragen aus der Fertigung reißen fortwährend aus dem Arbeitsfluss heraus. Das Marketing verlangt nach Renderings, der Einkauf nach genaueren Spezifikationen – und nach jeder Störung gilt es, sich wieder in das eben bearbeitete konstruktive Problem hineinzudenken. Dass kreative Lösungen so nicht entstehen können, versteht sich fast von selbst.

Schon im Jahr 1982 veröffentlichte die Zeitschrift REFA-Nachrichten eine Studie, nach der ein Konstrukteur eine durchschnittliche störungsfreie Arbeitszeit von neun Minuten schafft – und damals gab es noch nicht einmal E-Mails oder andere Ablenkungen aus dem Internet.

Diese Zahl zeigt auf einen Blick, dass es sich auszahlen kann, die Anzahl dieser Störungen zu reduzieren. Am einfachsten geht dies, indem man durch geeignete Maßnahmen die überflüssigen Störungen durch die Umwelt möglichst weit einschränkt. Arbeitsschützer haben hierfür eine ganze Reihe von Tipps.

Mehr Informationen zum richtigen Licht am Arbeitsplatz finden Sie hier

Unbewusste Störungen reduzieren

Bei Störungen im unbewussten Bereich ändern sich plötzlich die Bedingungen, unter denen eine geistige Arbeit begonnen wurde, ohne dass es zu einer direkten Unterbrechung kommt. Die Einflüsse dieser Art von Störungen auf das Leistungsverhalten sind objektiv kaum oder sehr schwer nachweisbar. Kein Zweifel herrscht darüber, dass auch ein subjektives Lästigkeitsgefühl dem Leistungsverhalten des Mitarbeiters abträglich ist.

Neben klimatischen Ursachen wie Zugluft, Luftfeuchte und Wärme sind es vor allem akustische und visuelle Störungen, gerade in Großraumbüros. Zu den visuellen Störungen zählen vorbeigehende Menschen, die nur kurz ins Blickfeld des am Bildschirm arbeitenden Mitarbeiters geraten, aber automatisch den Blick abschweifen lassen. Werden Schreibtische so gestellt, dass sich zwei Mitarbeiter gegenübersitzen, sollte zwischen diesen Schreibtischen eine visuelle Barriere angebracht werden, um Störungen durch die Bewegungen des Gegenübers zu vermeiden.

Eine halbhohe Trennwand lässt bewusste Kommunikation mit dem Gegenüber zu, ohne dass der Schutzeffekt verringert wird. Übrigens fühlen sich Mitarbeiter grundsätzlich wohler, wenn die Arbeitsfläche nicht direkt einsehbar ist, wie ein Blick in viele Büros zeigt, die geradezu urwaldähnlich bepflanzt sind. Arbeitsplätze, die direkt an einem Laufweg im Büro liegen, können durch abgewinkelte, halbhohe Stellwände so abgeschirmt werden, dass Kommunikation möglich, der Schutz vor Störung durch vorbeigehende Personen aber trotzdem gewährleistet ist.

Stellwände haben zudem positive Auswirkungen auf die Belästigung durch Gespräche. Dabei ist es nicht unbedingt die reine Lärmbelästigung des Sprechens, sondern es ist dem Menschen nahezu unmöglich, bei Gesprächen nicht unterbewusst mitzuhören. Ganz zu schweigen von unbewussten »akustischen Gewohnheiten« vieler Mitarbeiter, zu denen Summen, Gelenkknacken oder Fingertrommeln zählen, die ebenfalls sehr störend sein können.

Ein wichtiger Punkt gerade bei Bildschirmarbeitsplätzen ist die richtige Beleuchtung. Dass auch hier die Forschung noch lange nicht am Ende ist, zeigte ein Vortrag bei einer Veranstaltung des Schwenninger Lichtspezialisten Waldmann. Dr. Herbert Plischke vom Humanwissenschaftlichen Institut der Ludwig-Maximilians-Universität München erläuterte, dass erst vor etwa zehn Jahren Rezeptoren im menschlichen Auge gefunden wurden, die nicht mit dem Sehen zu tun haben, sondern eine biologische Wirkung haben.

Blau macht glücklich

Die neu entdeckten Rezeptoren reagieren auf blaues Licht und dienen dazu, den Biorhythmus zu synchronisieren. Ein hoher Blauanteil im Licht führt zu einer Unterdrückung der Melatoninausschüttung. Melatonin sorgt für einen ruhigen Schlaf, macht also müde, das Fehlen von Melatonin führt am Tag zu erhöhter Aufmerksamkeit und Arbeitsqualität. Natürliches Tageslicht enthält besonders viel blaues Licht, wohingegen künstliches Licht vergleichsweise sehr wenige Anteile aufweist. Hintergrund dafür ist, dass dieser Anteil nicht sichtbar ist, damit als ineffizient gilt und deshalb bislang möglichst vermieden wird.

Dass CAD-Monitore qualitativ hochwertig, groß genug und blendfrei aufgestellt sein müssen, dürfte eine Selbstverständlichkeit sein. Viele Stunden am Tag komplexe Modelle am Bildschirm zu bearbeiten, ist schon im Idealfall anstrengend; um wie viel mehr, wenn auf einen ungünstig positionierten Bildschirm zu bestimmten Tageszeiten Licht fällt. Glücklicherweise sind die heutigen LCD-Monitore sehr flach und lassen sich deshalb flexibler positionieren als die großen und tiefen Röhrenmonitore, die noch vor wenigen Jahren Stand der Technik waren.

Ältere Menschen brauchen mehr Licht

Spannend ist auch das Thema Licht und Alter. Ein 60-Jähriger hat in etwa den doppelten Lichtbedarf wie ein 20-Jähriger, schon mit 35 Jahren steigt der Lichtbedarf stark an. Flexible Arbeitsplatzleuchten, die der Mitarbeiter für sich optimal einstellen kann, sind hier besser als eine allgemeine, einheitliche Deckenbeleuchtung.

Leistungsfähigkeit und Kreativität in Konstruktion und Entwicklung sind besonders abhängig davon, dass sich die Mitarbeiter wohlfühlen und möglichst wenig abgelenkt werden. Erkenntnisse aus der Arbeitsmedizin, wie sie Sicherheitsingenieure und Ergonomieexperten im Zuge von Neugestaltungen, Umzügen oder beim Neubau einbringen können, liefern hier mit geringem Aufwand oft erstaunliche Ergebnisse.

Ergonomie

Tipps zur Ergonomie von Büro- und CAD-Arbeitsplätzen geben unter anderem der Arbeitskreis Büroarbeit des VDSI (Verband Deutscher Sicherheitsingenieure) und die Hersteller von Büromöbeln und Leuchten.

Erschienen in Ausgabe: 05/2011