»Linearführungen sind gerade aus«

Meinung

Lineartechnik – Zuverlässigkeit ist ein entscheidendes Qualitätskriterium bei der Lieferantenwahl. Auch höhere Preise können sich bezahlt machen.

28. Juni 2012

Worin unterscheidet sich die Lineartechnik der einzelnen Hersteller eigentlich? »Bei der Technik kaum, beim Preis bedingt, beim Liefertermin exorbitant«, brachte es der Geschäftsführer einer meiner Kunden, der Maschinen zur Automatisierung im Schaltanlagenbau herstellt, auf den Punkt. Sein Unternehmen konnte die Maschinen vor Kurzem nicht bauen, »weil der Lieferant der Linearführungen uns einfach hängen ließ.

Die Lieferzeit betrug weit über 18 Wochen! Wie soll man da planen?« In der Not fragte er bei den Wettbewerbern seines Lieferanten an. Und siehe da: Es gab einen (aber auch nur einen), der verbindlich eine Lieferzeit von Tagen – und nicht von Wochen oder Monaten – zusagen konnte. »Das war ja auch 2010, 2011«, würden andere Wettbewerber argumentieren und feststellen: »Heute hat sich das ja maßgeblich entspannt«. Dann frage ich mich aber, warum das lieferfähige Unternehmen 2011 einen Umsatzsprung von 85 Prozent hingelegt hat, und das von einem schon vorher sehr hohen Niveau aus, und dabei die Lieferfähigkeit auch noch weiter ausbauen konnte.

Bei meiner »Ursachenforschung« erhielt ich dann doch einige Hintergrundinformationen: So hatte ein großer deutscher Hersteller in den Krisenjahren sein Personal reduziert und seine Lagerbestände so weit zurückgefahren, dass er damit seine Lieferfähigkeit deutlich verschlechtern musste. Japanische Hersteller hingegen hatten sich entschieden, erst einmal den heimischen Markt zu beliefern – auch weil dort der Deckungsbeitrag einfach höher ist als im stark umkämpften deutschen Markt.

Was bedeutet das nun für den geneigten Konstrukteur? Dass nicht nur die Technik entscheidend ist, sondern, ob sie überhaupt termingerecht lieferbar ist! Doch der Lieferant wird mir immer versichern, dass das kein Problem sei. Und für »kurzfristige Lieferengpässe« findet der Verkäufer immer neue kreative Begründungen (sprich: Ausreden).

Also bleibt nur der Wechsel des Lieferanten. Doch was ist zu tun, wenn der alte Lieferant wieder lieferfähig ist und dazu noch einen Kampfpreis anbietet? Dann wird es schwierig, aber nicht für den Einkäufer. Für ihn entscheidet der Preis. Vor ein paar Monaten hat er noch mit den Beschaffungsproblemen gekämpft, doch das ist längst vergessen. Er wird sagen, dass Emotionen fehl am Platz seien, aber hat er da recht? Die Unternehmen jedenfalls geraten in ein Dilemma.

Meine Meinung dazu ist: Der Preis ist nicht alles. Und zu einer guten Qualität gehört auch, dass ich die Zulieferkomponenten dauerhaft zu kurzen Lieferzeiten bekommen kann. Das ist übrigens nicht nur bei Linearführungen so. Zum Beispiel unterscheiden sich in dieser Hinsicht auch die Lieferanten in der Antriebstechnik exorbitant voneinander. Deshalb meine ich, dass bei der Auswahl des Lieferanten nicht nur der Preis der Komponenten, die Qualität des Produktes und die technische Unterstützung wichtig sind, sondern unbedingt auch die Lieferzeiten stimmen müssen. Denn die Wertschöpfung in Ihrem Unternehmen entsteht nur, wenn Sie die Linearführung oder entsprechend auch andere Komponenten auch einbauen können – und nicht dadurch, dass Sie darauf warten.

Ihr

Rüdiger Eikmeier

Erschienen in Ausgabe: 05/2012