Zahn für Zahn mit Präzision

<strong>MASCHINENBAU</strong> – Die Fertigung präziser Zahnräder mit Schleifmaschinen erfordert eine zuverlässige Motorspindel. Ein Maschinenbauer aus dem Allgäu verlässt sich hier auch auf das Know-how seines Spindellieferanten.

17. Oktober 2008

Die Liebherr Verzahntechnik GmbH in Kempten im Allgäu ist einer der führenden Hersteller von Verzahnmaschinen mit unterschiedlichen Bearbeitungstechnologien wie Fräsen, Stoßen und Schleifen. Mit der hochpräzisen Schleiftechnologie, wie sie heute für die Herstellung von Fahrzeug- und Windkraftgetrieben gebraucht wird, beschäftigen sich die Allgäuer bereits seit 1989. Heute liefert das Unternehmen weltweit an alle namhaften Hersteller von Verzahnungen und Getrieben. Die Hauptkunden kommen aus dem Fahrzeugbau, dazu kommen zunehmend Hersteller von Getrieben für Windkraftanlagen.

Darüber hinaus zählen Hersteller von großen Drehverbindungen zu den wichtigen Abnehmern. Entscheidend für den Erfolg des Unternehmens in diesen weltweit bedeutenden Industriezweigen ist die Qualität seiner Produkte, weiß Geschäftsführer Dr. Alois Mundt und ist sich zugleich sicher: »Unsere Maschinen zur Herstellung von Zahnrädern erfüllen die hohen Anforderungen dieser Branchen.«

Flexibler Einsatz

Liebherr entwickelt sowohl Wälz- als auch Profilschleifmaschinen, die aktuellen Maschinen der LCS-Baureihe ermöglichen sogar beide Schleifverfahren einzeln oder in Kombination. Dadurch erhöht sich die Flexibilität der Anwender deutlich, und Lohnfertiger müssen sich beim Kauf einer Maschine nicht mehr auf eine Schleiftechnologie festlegen.

In der Massenfertigung der Fahrzeugindustrie sprechen andere Gründe für die Kombination der Schleifverfahren: Hier sind häufig unterschiedliche Verzahnungen an einem Werkstück zu fertigen, von denen die eine Wälzschleifen und die andere Profilschleifen erfordert. Die LCS-Maschinen ermöglichen solche Prozesse ohne Maschinenwechsel und in nur einer Aufspannung.

Die Maschinen von Liebherr müssen unter extremen Bedingungen eines Dreischichtbetriebs auch bei einer Siebentagewoche zuverlässig über die gesamte Produktlebensdauer hinweg funktionieren und dabei bediener- und wartungsfreundlich sein sowie natürlich höchste Genauigkeit bieten.

Verlässlicher Lieferant

Die Entwicklung derartiger Maschinenkonzepte erfordert hohes Know-how und die Erfahrung aller beteiligten Mitarbeiter und Lieferanten, schließlich müssen alle Komponenten der Zahnradschleifmaschinen perfekt zusammenspielen. Keine Kompromisse geht das Unternehmen insbesondere beim Herz der Maschine ein, der Motorspindel: Hier verwenden die Allgäuer seit Jahren bei allen LCS-Baureihen Komponenten des Schweinfurter Spindelspezialisten Weiss. Das Unternehmen mit rund 300 Mitarbeitern liefert ein komplettes Spektrum an standardisierten sowie individuellen hochpräzisen Motorspindeleinheiten und realisiert deren Einbettung in mechatronische Gesamtsysteme. Unter der Bezeichnung GSS (Global Spindle Solutions) bietet Weiss weltweit ein umfassendes Spindelprogramm aus einer Hand. Es besteht aus standardisierten Katalogspindeln, vordefinierten Vorzugsbaureihen und individuellen Kundenkonstruktionen für die Anwendungsbereiche Drehen, Fräsen, Schleifen und Sonderanwendungen. Seit 2003 ist die Weiss GmbH eine hundertprozentige Tochter der Siemens AG. Im Bereich des Service profitiert Weiss deshalb auch von der aktiven Nutzung des weltweiten Vertriebs- und Service-Netzwerks von Siemens.

Langjährige Kooperation

Die partnerschaftliche Zusammenarbeit beider Unternehmen besteht bereits seit rund 15 Jahren, erinnert sich Liebherr-Geschäftsführer Mundt: »Wir haben damals zwei Sonderspindeln mit einer für diese Baugröße sehr hohen Drehzahl benötigt und diese gemeinsam mit Weiss an unsere Bedürfnisse angepasst. Die Zusammenarbeit war kooperativ und hat uns, wie auch das Ergebnis, überzeugt. Dieses vertrauensvolle Verhältnis hat sich bis heute bewährt.« Dem stimmt auch Stephan Leimbach zu, verantwortlicher Konstrukteur im Bereich der LCS-Zahnradschleifmaschinen: »Die Techniker und Ingenieure von Weiss waren immer zur Stelle und berücksichtigten auch kurzfristig alle unsere Anforderungen. So konnten wir die Weiss-Spindeln innerhalb von rund sechs Wochen perfekt in die Maschinen integrieren.«

Grosse Modellauswahl

Liebherr verwendet in den Verzahnungsschleifmaschinen drei verschiedene Motorspindeln mit Antriebsleistungen von 28 bis 32 Kilowatt. In den kleineren Modellen LCS 100 und LCS 150, die seit 2006 auf dem Markt sind, werden synchron getriebene Spindeln mit einer maximalen Drehzahl von 15.000 min-1 und einem Drehmoment von 23 Newtonmeter verbaut. Die vielfach in der Fahrzeugindustrie verwendeten, modernen Modelle LCS 200 bis LCS 380 besitzen synchron getriebene Motorspindeln mit einer maximalen Drehzahl von 12.000 min-1 und einem Drehmoment von 45 Newtonmeter, die auch in den parallel dazu entwickelten großen Modellen LCS 500 bis LCS 1200 verwendet werden. Diese Maschinen kommen unter anderem beim Wälz- und Profilschleifen von Verzahnungen für Windkraftanwendungen zum Einsatz.

Dank eines innovativen Lagersystems mit Fettnachschmiereinrichtung erreichen Weiss-Motorspindeln eine sehr hohe Lebensdauer. Ein integriertes Wuchtsystem gewährleistet zudem höchste Laufruhe am Werkzeug. Im Ergebnis lässt sich damit eine prozesssichere Qualität der Güte DIN 5, im Einzelfall auch DIN 1 erzielen. Die kompakte Bauform der Spindeln erleichtert den Einbau in die Maschine. Im Servicefall im Rahmen der vorgesehenen Wechselintervalle ist ein Spindeltausch innerhalb etwa einer Stunde möglich.

Neben allen diesen technischen Eigenschaften der Weiss-Spindeln und ihrer hohen Qualität und Zuverlässigkeit zählen für Liebherr-Geschäftsführer Mundt noch weitere Faktoren: »Sehr entscheidende Faktoren für unsere langjährig gute Zusammenarbeit sind auch die gute Partnerschaft und der direkte Kontakt.«

Passende Steuerungstechnik

Gleiches gilt für die CNC-Steuerung Sinumerik 840 D des Weiss-Mutterkonzerns Siemens, die in rund 95 Prozent der Schleifmaschinen von Liebherr Verzahntechnik zum Einsatz kommt. Auch hier lobt Mundt die guten technischen Erfahrungen und insbesondere die Unterstützung durch die Kemptener Siemens-Niederlassung: »Dank des persönlichen Einsatzes der Mitarbeiter, läuft die Sinumerik 840 D an unseren LCSMaschinen reibungslos und erfüllt alles, was unsere Kunden wünschen.«

Fakten

Die Weiss Spindeltechnologie GmbH in Schweinfurt ist Spezialist für die Entwicklung und Produktion von hochpräzisen Motorspindeleinheiten.

Das Unternehmen liefert standardisierte und individuelle Lösungen und realisiert deren Einbettung in mechatronische Gesamtsysteme.

Seit 2003 ist Weiss eine hundertprozentige Tochter der Siemens AG.

Erschienen in Ausgabe: 07/2008