Zeit der großen Worte

Editorial
20. April 2016

Eigentlich möchte man gerade wegen der nahenden Hannover Messe dieselbige gar nicht so sehr in den Vordergrund rücken. Mit dem Spezial, das diesmal sogar ganz plakativ und unmissverständlich den Namen der Messe als Thema ausweist, setzen wir ja schon ein deutliches Ausrufezeichen, ist das Bekenntnis an sich schon riesengroß.

Aber wenn es dann so weit ist, geht mal wieder kein Weg dran vorbei. Das liegt aber wohl weniger an der Veranstaltung an sich als an dem sattsam behandelten Überthema Industrie 4.0, welches aber offensichtlich noch lange nicht an Bedeutung verliert. Die anfängliche Unsicherheit ist abgelegt, das Selbstbewusstsein steigt, vor allem die größeren Unternehmen, die schon seit den Anfängen damit beschäftigt sind, wissen immer genauer, was sie aus den gegebenen Möglichkeiten herausholen können, wie sie Profit aus dem Potenzial ziehen können. Die Zeit des Ausprobierens, der Zurückhaltung scheint vorüber zu sein, es folgen bestimmtere Worte, die wie geschaffen sind, dem altehrwürdigen Maschinen- und Anlagenbau Kraft und Leben einzuhauchen: Solutions, Lösungswelten, Optimierung, Hochdruck, rasant, Integration, Digitalisierung, Smart Factory, Time-to-Market, Produktivität. Und das sind nur diejenigen Begriffe, die in einer Minute Durchsicht auffallen.

Es geht ab in der Branche, und es ist zu hoffen, dass sich das Potenzial bald allen Beteiligten erschließen wird. Denn laut einer Studie von Ernst & Young stehen Mittelständler und kleinere Unternehmen derzeit noch unsicher und zaudernd vor der turmhohen Wand mit der monumentalen Leuchtschrift »Industrie 4.0«. Nicht zu Unrecht wahrscheinlich, denn um die großen Schätze der Vernetzung bergen zu können, braucht es genügend Startkapital, etwas Wagemut und die notwendigen Technologien. Vielleicht ermutigen die zahlreichen konkreten Beispiele in dieser Ausgabe ja dazu, in die großen Worte des Industrie-4.0-Orchesters einzustimmen.

Michael Kleine

Chefredakteur

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Erschienen in Ausgabe: 03/2016