Zeitgewinn statt Eigenbau

Lineartechnik

<strong>Lineareinheiten</stroing> – Modular aufgebaute Lineareinheiten aus dem Katalog sind oft eine wirtschaftliche Alternative zur zeitaufwendigen und kostenintensiven Eigenkonstruktion.

09. September 2009

Für die Automatisierung in Produktion, Montage, Verpackung und Materialfluss sind Linearsysteme in mehrfacher Hinsicht ideale Maschinenelemente, die in unzähligen Applikationen zuverlässige Ergebnisse liefern. Die Einsatzgebiete reichen vom Palettieren über die Platinenbestückung bis zu Positionieraufgaben. Zum Aufbau solcher Applikationen dienen heute zunehmend einbaufertige Lösungen anstelle von zeitaufwendigen Eigenkonstruktionen. Insbesondere im Sondermaschinenbau mit kleinen Stückzahlen nutzen Mechanik-Konstruktion, Projektierung, Fertigung und Logistik deshalb gern das Angebot des international aufgestellten Maschinenelementeherstellers Misumi. Das Unternehmen mit Europazentrale in Schwalbach am Taunus liefert standardisierte lineare Antriebselemente, mit denen sich viele Anlagen, Maschinen und Einrichtungen schnell, effektiv und wirtschaftlich umsetzten lassen.

So ist zum Beispiel die vormontierte Standardbaugruppe KUH/KUA eine einfache Lösung im Vergleich zur zeitaufwendigen und kostenintensiven Konstruktion aus Einzelkomponenten wie Kugelgewindetrieb, Festlagern und Loslagern als Stehlager oder Flanschlagereinheit. Die Lineareinheit ist mit Profilschienenführungen in den Ausführungen SVR für mittlere Traglasten bis zu 16,8 Kilonewton und SXR für schwere Traglasten bis zu 43,5 Kilonewton verfügbar.

Das Auswahlprinzip des »Flexible Configuration & Sizing« ermöglicht individuelle Modifikationen für die entsprechende Applikation. So lässt sich beispielsweise der Durchmesser des geschliffenen oder gerollten Kugelgewindetriebs zwischen 12 und 20 Millimeter wählen, die Spindelsteigung kann zwischen 4 und 20 liegen. Der maximale Verfahrweg richtet sich nach der Länge der Grundplatte, die in 60-Millimeter-Schritten von 340 bis 820 Millimeter frei konfigurierbar ist. Die Breite liegt zwischen 145 und 195 Millimeter.

Zahlreiche Varianten

Für den Tisch stehen die drei Längen 100, 150 und 200 Millimeter zur Wahl bei einer Breite von 150 bzw. 200 Millimeter. Insgesamt ermöglicht die Kombination von Plattengrößen, Gewindespindeln und Verfahrlängen mehr als 200 Einbauvarianten. Durch Nuten in der Grundplatte lassen sich optional Sensoren für die Endlagenabfrage oder Encoder zur Positionsbestimmung befestigen. Für Anwendungen mit hohen Ansprüchen an die Sauberkeit, etwa im Reinraum oder in der Lebensmittelindustrie sowie für Applikationen zur Beschichtung oder Oberflächenbehandlung empfehlen sich Einheiten mit Faltenbalg.

Die Linearsysteme der LX-Serie sind eine besonders wirtschaftliche Lösung für ein- oder mehrachsige Applikationen unter anderem in Zuführungseinheiten, Klebemittel-Dispensern oder Lötanlagen. Die kompakten Einheiten bieten ein höheres Präzisionsniveau als die KUH/KUA-Serie. Erhältlich sind die LX-Systeme in offener Ausführung oder mit Abdeckung, jeweils mit einem oder zwei Führungswagen. Die maximale Traglast der Monoblock-Ausführung beträgt 17,2 Kilonewton, die der Dualblock-Ausführung 34,4 Kilonewton. Beidseitige Bohrungen im extrudierten Grundkörper aus hochfestem Werkstoff ermöglichen die Montage von Sensorschienen. Die Länge der Grundkörper ist von 100 bis 600 Millimeter wählbar, standardmäßig in 50-Millimeter-Schritten mit einer Lieferzeit von acht Werktagen. Individuelle Konfigurationen in 10-Millimeter-Schritten sind mit einer Lieferzeit von 13 Werktagen möglich. Die Schlittenführung in einem U-förmigen Grundprofil gewährleistet eine hohe Steifigkeit und erlaubt die Aufnahme von Zug- und Druckkräften sowie Momenten aus drei Richtungen.

Außerdem sind im Programm des Unternehmens die Lineareinheiten LXS mit zwei Zylinderstiftbohrungen für eine einfache Justierung und Austauschbarkeit der Schlitten sowie das System LXC mit vier zusätzlichen Befestigungsbohrungen. Die besonders niedrige Gesamthöhe prädestiniert diese Baureihe für beengte Einbauverhältnisse. Die standardmäßige LBTC-Beschichtung (Low Temperature Black Chrome Plating) gewährleistet hohen Korrosionsschutz. Aus Präzisionsgründen ist die Kugellaufbahn unbeschichtet.

Alle Lineareinheiten sind kompatibel mit gängigen Motoren unterschiedlicher Hersteller. Am Motorflansch des Gehäuses können entsprechende Servomotoren oder Schrittmotoren montiert werden.

Für Anwendungen, bei denen nur selten positioniert oder nur gelegentlich neu justiert wird, bietet der Katalog des Unternehmens zudem Lineareinheiten mit Handantrieb. Die Baugruppe besteht dann aus einem extrudierten Aluminiumprofil der Festigkeitsklasse T5 mit einem Trapezgewindetrieb. Zum Einsatz kommen diese Lösungen zum Beispiel als Höheneinstellung für Optiken oder zur Positionierung bei Messeinrichtungen. Entsprechend den jeweiligen Anforderungen erfolgt der Antrieb des Schlittens über ein Handrad aus Kunststoff oder Metall. Die vielfältigen Montagemöglichkeiten der Einheiten ermöglichen sowohl horizontale als auch vertikale Bewegungen. Einschubschlitze an der Seite und an der Unterseite des Profils erlauben den Einbau einer Skala zur Positionsbestimmung, Wellenklemmungen ermöglichen eine Arretierung der Spindel.

Stefan Pulver, Misumi Europa/bt

Erschienen in Ausgabe: 5-6/2009