Zulieferer auf dem Prüfstand

Das Fraunhoferinstitut ISI hat eine Methode entwickelt, mit der sich die Innovationsfähigkeit von Zulieferern beurteilen lässt. Erster Anwender ist die Deutsche Bahn.

29. Februar 2016

Die eigene Innovationsfähigkeit können Unternehmen beurteilen, wenigstens im Prinzip. Die von Zulieferern bleibt jedoch meist im Dunkeln. Dabei spielen zugelieferte Subsysteme oft eine erhebliche Rolle für die Modernität und Qualität des Gesamtprodukts. Abhilfe soll ein neues Verfahren des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI schaffen. Das von dem Karlsruher Institut entwickelte Verfahren soll ermöglichen, die Innovationsfähigkeit von Zulieferern zu erfassen und zu beurteilen.

Das Bewertungsinstrument greift auf Daten zurück, die bei einer zweijährlich stattfindenden Unternehmensbefragung ermittelt werden und basiert auf 60 Teilindikatoren. Diese Teilindikatoren lassen sich zu sieben Gestaltungsfeldern zusammenfassen, anhand derer die Zulieferbetriebe beurteilt werden:

Innovationskultur und Strategie,Kompetenz und Wissen,Technologie,Produkt und Dienstleistungen,Prozess- und Projektmanagement,Netzwerke und Kooperation sowieMarkt.

Aus den Angaben der Unternehmen zu den sieben Gestaltungsfeldern resultiert schließlich ein Gesamtindikator, mit dem sich die aktuelle Innovationsfähigkeit der Zulieferer umfassend beurteilen lassen soll.

Dr. Djerdj Horvat, der das Projekt zur Entwicklung des Bewertungsverfahrens am Fraunhofer ISI leitet, hebt dessen strategische Bedeutung hervor: "Das von uns entwickelte Bewertungsinstrument hilft gleichermaßen Unternehmen wie Zulieferern: Einerseits profitieren die Lieferanten von einer externen Bewertung ihrer Innovationsprozesse, können diese optimieren und sich besser auf Schlüsselkunden einstellen. Für die Unternehmensleitungen ist das Bewertungsverfahren dagegen eine Art Innovationsradar, mit dem sich der langfristige Erfolg und die Strategie von Betrieben viel besser steuern lassen."

Die Deutsche Bahn wendet bei ihrem 2016 erstmals vergebenen Supplier Innovation Award diese Methode an. Bei diesem Preis wird neben den eingereichten Produkten oder Dienstleistungen auch die Innovationsfähigkeit der Zulieferer bewertet, ermittelt vom Karlsruher Fraunhofer-Institut.