Zwei Tage Innovation

K CAD CAM

Produktentwicklung – Allgemeine, nicht von einem Hersteller veranstaltete Kongresse zum Thema PLM sind rar. Grund genug, den PI Congress in Berlin zu besuchen.

27. März 2013

Der Product Innovation Congress, der am 19./20. Februar in Berlin stattfand, glänzte mit einer ganzen Reihe bekannter Sprecher – Steve Wozniak, der mit Steve Jobs gemeinsam Apple gegründet hat, eröffnete den Kongress, Doug McCuistion, der ehemalige Leiter des Marsprogramms der NASA, beschloss mit seinem Bericht von der Reise des Curiosity-Rovers zum Mars die Tagung. Dazwischen lag ein pralles Programm mit meist drei bis vier parallelen Sessions und langen Pausen, in denen die begleitende Ausstellung besucht werden konnte. 275 zahlende Besucher, 55 Redner und etwa 60 Aussteller trafen sich im Berliner Maritim-Hotel.

Überwiegend praxisnahe Vorträge

Die Qualität der Vorträge war so breitgefächert wie die Themen. Von spannenden und sehr ehrlichen Vorträgen – wie oft hört man eine Analyse, warum eine PLM-Systemeinführung scheiterte – bis hin zu eher drögen Darstellungen reichte die Palette. Insgesamt jedoch lag die Qualität im positiven Bereich, und vor allem die vielen Berichte von Anwendern boten praxisnahe Anregungen, wie ein Produktentwicklungsprozess gestaltet werden kann. Die Unternehmen, die mit ihrem Sponsoring Vortragsslots erworben hatten, hielten sich angenehm mit Produktdemos zurück und ließen Anwender zu Wort kommen. Ein gutes Beispiel war der Anwender, der Autodesk PLM 360 vorstellte – er setzt als CAD-System SolidWorks ein.

Die Veranstalter sorgten dafür, dass die Besucher auch persönlich informiert wurden, indem sie in den Pausen Gesprächsrunden zwischen Besuchern und Anbietern organisierten, in denen zwanglos über die verschiedensten Themen diskutiert wurde. Steve Wozniaks Ansprache drehte sich um die Frage, wie gut beziehungsweise wie innovativ ein Produkt sein muss. Gut genug sei oft wichtiger als Perfektion, solange der Preispunkt stimmt. Das iPhone sei rein technisch weit früher machbar gewesen, aber die Bauteile wären zu teuer gewesen und hätten bei einer früheren Präsentation den Erfolg verhindert.

In dieser Argumentation war er sich erstaunlich einig mit Alice Taylor, dem CEO von Makielabs. Dieses Start-up-Unternehmen bietet Puppen an, die sich individuell konfigurieren lassen. Der Preis ist mit 99 englischen Pfund auch der Firmenchefin noch zu hoch. Sie betonte, es sei trotzdem richtig gewesen, auf den Markt zu gehen, auch wenn die Puppen noch zu teuer und nur in Weiß zu bestellen waren – »Not perfect, but good enough«, sei die richtige Einstellung für ein Start-up-Unternehmen. Die Qualität könne bei den nächsten Produkten – und unter Nutzung der rasanten Weiterentwicklung der 3D-Drucktechnologien – verbessert werden. Wichtiger sei der rechtzeitige Einstieg in den Markt.

PLM ist kein Softwarethema

Eine ganze Reihe von Vorträgen beschäftigte sich mit PLM-Themen, dabei wurde immer wieder betont, wie wichtig es ist, dieses Thema nicht als mit Software zu lösendes Problem, sondern als organisatorische Aufgabe zu begreifen. Besonders deutlich wurde dies im Vortrag von Ulrich Lanz vom österreichischen Maschinenbauer Andritz. Das Unternehmen war um das Jahr 2005 mit einer PLM-Systemeinführung gescheitert – vor allem am Widerstand der Anwender. Ziel des ersten Projektes war es, die vier Divisionen des Unternehmens, die sehr unterschiedliche Produkte herstellen, mit einem einzigen PLM-System abzudecken. Dabei stand die Standardisierung auf ein einziges System im Vordergrund, die Anwender wurden nur am Rande und erst spät ins Boot geholt. Heute setzt Andritz drei PDM-Systeme ein, die jeweils auf die Anforderungen der einzelnen Einheiten abgestimmt sind. Insgesamt bot der Kongress seinem sehr internationalen Publikum ein breites Angebot von eher philosophischen Vorträgen bis hin zu Produktpräsentationen.

Erschienen in Ausgabe: 02/2013